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Syriens getöteter Aktivist Fares: Mit meckernden Ziegen gegen Al-Kaida

Im Kampf gegen das Assad-Regime und die Dschihadisten setzte der prominente Revolutionsaktivist Raed Fares auf die Kraft der Zivilgesellschaft. In der Nacht zum Samstag wurde er in der Provinz Idlib ermordet.
Raed Fares galt als charismatischer und aufrichtiger Leader der demokratischen Kräfte in Syrien. (AP)

Raed Fares galt als charismatischer und aufrichtiger Leader der demokratischen Kräfte in Syrien. (AP)

Erst vor sieben Wochen hatte Raed Fares ein Zwei-Jahres-Visum für die Vereinigten Staaten erhalten. Trotz inständiger Bitten seiner Freunde dachte der prominente syrische Journalist und Revolutionsaktivist aber nicht daran, sein Land zu verlassen. Der 46-Jährige wollte «weiterkämpfen» – gegen das Assad-Regime und dschihadistische Milizen, die seit der Vertreibung der Regierungstruppen grosse Teile von Fares’ Heimatprovinz Idlib kontrollieren – und den Vater dreier Kinder in der Nacht zum Samstag in der Ortschaft Kafr Nabl ermordeten.

Um gegen die Übermacht seiner vielen Feinde zu bestehen, hatte Raed Fares auf die Kraft der Zivilgesellschaft gesetzt. Die demokratischen Aktivisten in Syrien waren zu Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime vom Westen zunächst grosszügig, in den vergangenen zwei Jahren allerdings immer halbherziger unterstützt worden.

«Vorreiter» war diesbezüglich US-Präsident Donald Trump, der im März dieses Jahres die Finanzhilfe für zivile Projekte in Syrien in Höhe von 200 Millionen Dollar kurzerhand einfror. «Um das Land sollen sich jetzt andere kümmern», lautete die dreiste Begründung. Von der Entscheidung Trumps betroffen war auch die von Fares betriebene Radiostation Radio Fresh, die als das wichtigste Sprachrohr der «demokratischen Revolution in Syrien» galt. Sieben Jahre lang schaffte es der Sender, sich in einem von Hass und Feindseligkeit geprägten Umfeld zu behaupten.

Von der Welt im Stich gelassen

Weltberühmt wurde die Station, als sie von Kaida-Dschihadisten vor anderthalb Jahren aufgefordert wurde, keine Frauen mehr ans Mikrofon zu lassen und Musiksendungen aus dem Programm zu streichen. Read Fares reagierte auf die Verbote mit Tonbandaufnahmen von gackernden Hühnern und meckernden Ziegen, die mehrere Tage lang über den Sender ausgestrahlt wurden. Nachts dröhnten, als Endlosschleife, die Glockenschläge des Londoner Big Ben.

Fares’ Heimatstadt Kafr Nabl gilt als «das Gewissen der syrischen Revolution». Seit dem Beginn des Volksaufstandes gegen das Assad-Regime hatten sich die von dem Journalisten motivierten Bewohner der Ortschaft jeden Freitag vor riesigen Spruchbändern aufgestellt, auf denen meist brisante politische Botschaften standen, die anschliessend ins Internet gestellt wurden. Ins Kreuzfeuer der Aktivisten-Kritik gerieten nicht nur das Assad-Regime und der als «Massenmörder» beschimpfte Wladimir Putin», sondern auch Barak Obama. Dem amerikanischen Ex-Präsidenten warfen die Einwohner von Kafr Nabl nach seiner Weigerung, die Giftgasmassaker von Damaskus vom Sommer 2013 mit massiven Bombenangriffen zu beantworten, «Verrat an der Revolution» vor.

Im Stich gelassen fühlte sich Raed Fares am Ende «von der ganzen Welt». Er sei sich völlig im Klaren gewesen, dass er nicht friedlich im Bett sterben werde, erzählt der französische Syrien-Experte Nicolas Henin im Gespräch mit der BBC: «Er wollte nichts für sich selbst und alles für die Zivilgesellschaft.» Mit seinem Einsatz für ein demokratisches Syrien glaubte er sich am besten schützen zu können.

Mit Raed Fares verliert die von den Super- und Regionalmächten letztlich erstickte syrische Revolution einen ihrer charismatischsten und aufrichtigsten Leader. Der überzeugte Demokrat wurde ermordet, weil er mit der Kraft seines Wortes und unkonventioneller Taten die Menschen begeistern konnte. Nur mit einer «lebendigen Zivilgesellschaft und freiem politischem Austausch», hatte er im Sommer dieses Jahres in einem Gastkommentar für die «Washington Post» gesagt, könne man «gegen Diktatur und Terrorismus angehen».

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