US-Wahlen
Mit «Trump Tower Live» gegen die linken Medien

Donald Trump lanciert eine tägliche Fernsehsendung und serviert seinen Anhängern positive Nachrichten direkt aus der Wahlkampfzentrale.

Renzo Ruf, Washington
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Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Keystone

Die Kritik an den angeblich links unterwanderten Medien und Meinungsforschungsinstitute ist nicht neu. Seit Jahrzehnten gehört sie zum Standardrepertoire konservativer Spitzenpolitiker in Amerika. Doch nun geht Donald Trump einen Schritt weiter: Seit Wochenbeginn produziert der republikanische Präsidentschaftskandidat eine abendliche Fernsehsendung, die zumindest bis zum Wahltag auf Facebook ausgestrahlt wird.

Ziel des neuen Programms «Trump Tower Live», das im gleichnamigen Hochhaus in New York City produziert wird, sei es, die Botschaft des Unternehmers «direkt» an den Mann oder die Frau zu bringen. Und «den Filter» der Massenmedien zu umschiffen, wie es Trump-Berater Boris Epshteyn formulierte.

In der Praxis klingt das dann etwa so: Zuerst spricht Wahlkampf-Managerin Kellyanne Conway und macht den Trump-Anhängern Mut: «Das Rennen ist noch nicht zu Ende. Wir werden zweifelsohne gewinnen.» Dann feuert die konservative Kommentatorin Tomi Lahren das Fussvolk an. «Wir sind stärker, als es den Anschein hat», sagt die junge Aktivistin. Und schliesslich erklärt Sean Spicer, der Chefstratege der Republikaner, welche Versuche der Parteiapparat unternimmt, die Stimmen für Trump einzusammeln.

Durchs Programm führen Epshteyn, einer der zuverlässigsten Trump-Unterstützer, und Cliff Sims, ein enger Berater des Präsidentschaftskandidaten. Die beiden sind zwar nicht sehr charismatisch, und bisweilen versagt die Technik, aber alles in allem scheint die 30-minütige Premiere geglückt zu sein. Trump, so lautet die Botschaft, steht im Saft und wer das Gegenteil behauptet, lügt.

Allein: Mit der Realität hat dieses Bild wohl wenig zu tun. Die Aussichten für den Republikaner sind düster, auch wenn eine Überraschung am 8. November natürlich nie ausgeschlossen werden kann.

Probelauf für «Trump TV»?

Deshalb ist «Trump Tower Live» nicht nur ein smartes Experiment eines Präsidentschaftskandidaten, der sich mit einer zunehmend gehässigen Berichterstattung konfrontiert sieht. Die tägliche Fernsehsendung könnte auch einen Hinweis auf das nächste Projekt Trumps geben. Hartnäckig hält sich nämlich in New York und Washington das Gerücht, dass der Republikaner nach seiner Niederlage einen eigenen Fernsehsender lancieren werde, um seine Anhänger zu unterhalten.

Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
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Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.
Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.

Donald Trump und Hillary Clinton bei ihrer ersten von bis zu drei politischen Debatten. Nach einer höflichen Begrüssung wurde die Debatte bald hitzig.

Keystone

Boris Epshteyn sagte zwar, dass «Trump Tower Live» kein Probelauf für «Trump TV» sei. Aber informierte Kreise wollen wissen, dass Jared Kushner, der einflussreiche Schwiegersohn Trumps, im September Kontakte mit einem Investmentbanker geknüpft habe, der sich auf Mediendeals spezialisiert hat.

Analysten verweisen darauf, dass die Lancierung eines neuen Fernsehsenders höchst kostspielig ist: So soll der 2013 gestartete Nachrichtensender «Al Jazeera America» pro Jahr zwischen 250 und 335 Millionen Dollar verloren haben.

Der Sender wurde 2016 geschlossen. Eine Kalkulation einer Medienjournalistin zeigt allerdings, dass ein gebührenpflichtiges «Trump TV» nur etwa eine Million Abonnenten benötigte, um die Gewinnschwelle zu überschreiten. Zum Vergleich: Die erste «Trump Tower Live»-Sendung wurde von etwa 50 000 bis 60 000 Menschen verfolgt.