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Südafrikanische Ärzte entwickeln die Antwort auf Gehörverlust

Erschreckende Arbeitsbedingungen in den Kliniken, top in der ­ medizinischen Forschung: Südafrikanische Ärzte entwickeln eine Mittelohr-Prothese aus dem 3D-Drucker.
Markus Schönherr, Kapstadt

Erneut haben Ärzte in Südafrika Medizingeschichte geschrieben: Wie die Universität von Pretoria gestern mitteilte, sei es einem Ärzteteam erstmalig gelungen, ein Mittelohr zu transplantieren – und das aus dem 3D-Drucker. «Die 3D-Technologie erlaubt es uns, Dinge zu tun, die wir zuvor nie für möglich gehalten hätten», teilte der zuständige Arzt, Professor Mashudu Tshifularo, mit.

Der Spezialist für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde betrachtet die neue Heilungsmethode als «Antwort» auf Gehörverlust, gleich, ob dieser angeboren oder auf eine Infektion, eine Verletzung oder Stoffwechselerkrankung zurückzuführen ist. Selbst Neugeborene könnten durch die eingesetzte Mittelohr-Prothese aus Titan geheilt werden, ist er überzeugt. «Da wir nur die nicht funktionierenden Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) ersetzen, birgt diese Methode wesentlich weniger Risiken als bekannte Prothesen und die herkömmlichen Operationsmethoden», so Tshifularo. Eingepflanzt würden die Mini-Knochen mithilfe eines Endoskops. Übrig blieben am Ende nur winzige Narben.

Wie südafrikanische Zeitungen berichten, wurde der erste 3D-Ohr-Empfänger nun am Steve-Biko-Lehrkrankenhaus in der Hauptstadt Pretoria operiert. Er hatte zuvor sein Gehör bei einem Autounfall verloren. «Die Operation verlief fantastisch, und wir sind sehr gespannt», erzählte Tshifularo vor Journalisten. Südafrikas Gesundheitsminister, Aaron Motsoaledi, lobte die «weitreichende Innovation» durch das Ärzteteam und kündigte an, Tshifularos Forschung zu unterstützen.

Bald soll einem weiteren ­Patienten geholfen werden. Der 62-Jährige klagte, er habe etliche Jahre lang Ohrenschmerzen und Hörschwierigkeiten ertragen, die weder zwei herkömmliche Operationen noch ein traditioneller Heiler zu heilen vermochten. Nun blicke er dem «lebensverändernden» Eingriff entgegen.

Pflegeskandale und ­Medikamentenengpässe

Südafrikas öffentliche Gesundheitsversorgung ist in vielen Bereichen mangelhaft; zuletzt sorgten Pflegeskandale und Medikamentenengpässe für Aufsehen. Betroffenheit und Schock löste im vergangenen Jahr auch der Selbstmord des führenden Herzspezialisten Dr. Bongani Mayosi aus. Ein Fachärzteverband attestierte Südafrikas Kliniken «erschreckende Arbeitsbedingungen», die sich auf Personal und Patienten auswirkten.

Anders sieht es in der medizinischen Forschung aus: Sie gilt als eine der fortschrittlichsten der Welt. 1967 gelang dem südafrikanischen Chirurgen Dr. Christiaan Barnard die erste erfolgreiche Herztransplantation. Ein weiterer Südafrikaner, Allan Cormack, gilt als Erfinder der Computer­tomografie. Des Weiteren wurden in Südafrika die erste Nierentransplantation zwischen HIV-positiven Patienten und 2014 die erste Penistransplantation der Welt durchgeführt.

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