Ägypten
Mohammed Mursi oder der Untergang eines Präsidenten

Die ägyptische Armee hat den Präsidenten des Landes, den Islamisten Mohammed Mursi, entmachtet. Mursi regierte gerade mal ein ganzes Jahr. Die Ereignisse seiner Amtszeit im Überblick.

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Gestürzter Präsident: Mohammed Mursi

Gestürzter Präsident: Mohammed Mursi

Keystone

Der am Mittwoch gestürzte ägyptische Präsident Mohammed Mursi war der erste frei gewählte Staatschef in der Geschichte seines Landes. Bereits bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr wurde der der islamistischen Muslimbruderschaft nahe stehende Politiker kritisch beäugt. Zahlreiche umstrittene Entscheidungen liessen sein Ansehen seither immer weiter sinken.

30. Juni 2012: Mursi wird nach seinem Wahlsieg, bei dem er 51,7 Prozent der Stimmen errungen hatte, als Präsident vereidigt.

12. August 2012: Mursi schränkt die Befugnisse des seit dem Sturz des früheren Machthabers Husni Mubarak regierenden Militärs deutlich ein und entlässt Armeechef Hussein Tantawi.

22. November 2012: Mursi erklärt seine Entscheidungen mit einem Verfassungszusatz für rechtlich unanfechtbar und entlässt Generalstaatsanwalt Abdel Meguid Mahmud.

30. November 2012: Die von Islamisten dominierte und von der Opposition boykottierte Verfassungskommission verabschiedet den umstrittenen Entwurf für eine neue Verfassung.

8. Dezember 2012: Mursi setzt nach massivem Druck das umstrittene Dekret über die Ausweitung seiner Befugnisse wieder ausser Kraft.

15. und 22. Dezember 2012: Die neue Verfassung wird in einer Volksabstimmung bei einer Wahlbeteiligung von einem knappen Drittel mit fast 64 Prozent der Stimmen angenommen, es folgen Massenproteste mit teils tödlicher Gewalt.

24. Januar 2013: Zum zweiten Jahrestag des Aufstands gegen Mubarak erreicht die Gewalt einen neuen Höhepunkt, binnen einer Woche werden fast 60 Menschen getötet.

7. Mai 2013: Mursi bildet sein Kabinett um, kann die Opposition aber nicht besänftigen.

2. Juni 2013: Das Oberste Gericht erklärt den von Islamisten beherrschten Senat für verfassungswidrig, Mursi verfügt jedoch dessen Fortbestehen bis zur Wahl eines neuen Parlaments.

4. Juni 2013: Die Justiz verurteilt 43 in- und ausländische Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationenwegen illegaler Aktivitäten zu teils mehrjährigen Haftstrafen, es folgen internationale Proteste.

21. Juni 2013: Zehntausende Menschen gehen zur Unterstützung Mursis auf die Strasse.

23. Juni 2013: Die Armee droht mit einem militärischen Eingreifen, sollten die Proteste eskalieren.

28. Juni 2013: Nach der Tötung eines US-Bürgers bei Protesten erlaubt die US-Regierung einem Teil ihres Botschaftspersonals die Ausreise aus Ägypten.

29. Juni 2013: Das Oppositionsbündnis Tamarod erklärt, mehr als 22 Millionen Unterschriften für einen Rücktritt Mursis gesammelt zu haben.

30. Juni 2013: Zu Mursis erstem Amtsjubiläum demonstrieren Millionen Gegner und fordern seinen Rücktritt. Zeitgleich finden Solidaritätskundgebungen für Mursi statt. Mindestens sechs Menschen werden getötet.

1. Juli 2013: Demonstranten stürmen und verwüsten den zentralen Sitz der Muslimbruderschaft in Kairo, die Opposition setzt Mursi ein Rücktrittsultimatum bis zum Folgetag um 17.00 Uhr.

2. Juli 2013: Mursi lässt das Ultimatum der Opposition verstreichen. Ein zweites Ultimatum der mächtigen Armee zur Umsetzung der Forderungen der Demonstranten dauert einen Tag länger.

3. Juli 2013: Mursi weigert sich auch nach Ablauf des Ultimatums des Militärs zurückzutreten. Am Abend wird er dann von der Armee abgesetzt. Die umstrittene Verfassung wird ausgesetzt.