MOSKAU: «Kolavia» schliesst technischen Defekt aus

Der Absturz der russischen Passagiermaschine in Ägypten ist der Fluggesellschaft zufolge von einer «mechanischen Einwirkung» ausgelöst worden. Eine technische Störung schliesst sie aus.

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Wrackteil der über der Sinai-Halbinsel abgestürzten Passagiermaschine. (Bild: /EPA RUSSIAN EMERGENCY MINISTRY/MAXIM GRIGORIEV / RUSSIAN EMERGENCY MINISTRY / HANDOUT)

Wrackteil der über der Sinai-Halbinsel abgestürzten Passagiermaschine. (Bild: /EPA RUSSIAN EMERGENCY MINISTRY/MAXIM GRIGORIEV / RUSSIAN EMERGENCY MINISTRY / HANDOUT)

«Die einzige erklärbare Ursache wäre eine mechanische Einwirkung auf das Flugzeug», sagte Kolavia-Vizechef Alexander Smirnow. Details nannte er am Montag an einer Medienkonferenz in Moskau nicht. Der Airbus A321 sei in «hervorragendem technischem Zustand» gewesen.

Kolavia-Mitarbeiter Viktor Jung sagte, die Gesellschaft schliesse einen Fehler der Crew und eine technische Störung «völlig aus». Weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück bewirken können.

Zum Absturz hätten starke Schäden an Konstruktionen des Flugzeugs geführt. Nach Beginn der Katastrophe konnte die Maschine nicht mehr gesteuert werden. «Sie flog nicht, sie fiel», sagte Jung.

Warnung vor verfrühten Schlussfolgerungen

Ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte in einem nicht verifizierbaren Bekennerschreiben behauptet, die Maschine mit 224 Menschen zum Absturz gebracht zu haben. Experten und Regierungsangehörige Russlands und Ägyptens bezeichneten dies aber als unwahrscheinlich oder schlossen einen Anschlag aus.

Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte am Montag vor verfrühten Schlussfolgerungen. Keine Version sei ausgeschlossen - «vom Terrorakt bis zum Unfall». «Man muss die ersten Untersuchungsergebnisse abwarten», betonte er.

Die Crew habe keinen Notruf abgesetzt, sagte Smirnow. «Offenbar war die Mannschaft zum Zeitpunkt der Katastrophe bereits vollständig arbeitsunfähig», meinte er. Der Airbus A-321 auf dem Weg von Scharm el Scheich nach St. Petersburg habe innerhalb von weniger als einer Minute massiv an Geschwindigkeit verloren und sei stark abgesackt.

Gedenken in St. Petersburg

Am Montagmorgen landete ein Flugzeug mit den sterblichen Überresten von 144 Insassen der Unglücksmaschine in St. Petersburg. Dies berichtete der russische TV-Sender RT.

Auf dem zentralen St. Petersburger Platz hatten am Sonntagabend mehrere Tausend Menschen der Getöteten gedacht. Vor dem historischen Winterpalast stiegen am Sonntag 224 weisse Ballons für die Opfer in den Himmel, viele legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Trotz des Regens waren auch viele Familien gekommen. Auch auf dem Flughafen in der Stadt erinnerte ein Meer roter Nelken und Teddybären an das Unglück.

Zur Identifizierung der Opfer, die schon am Montag beginnen sollte, nahmen die russischen Behörden von Verwandten DNA-Proben. Die Überreste sollen von etwa 50 Gerichtsmedizinern identifiziert und dann den Hinterbliebenen übergeben werden.

Als erste Konsequenz aus dem Unglück verbot die russische Flugaufsicht der Airline Kolavia vorerst den Betrieb ihrer Maschinen desselben Typs. An den Ermittlungen zu Unfallursache sollen auch deutsche und französische Experten des Flugzeugherstellers Airbus teilnehmen.

  sda/dpa