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MOSKAU: Proteste in Russland: Hat Medwedew ausgewitzelt?

Die Proteste am Wochenende haben vor allem Premier Medwedew getroffen. Schon spekuliert man über seine Nachfolger.
Medwedew will Aufhebung der Strafmassnahmen (Archiv) (Bild: Keystone)

Medwedew will Aufhebung der Strafmassnahmen (Archiv) (Bild: Keystone)

Dmitri Medwedew (51) nahm die Protestkundgebungen offenbar nicht ernst. Auf die Frage eines Instagram-Nutzers, wie er den Sonntag verbracht habe, schrieb der russische Premier: «Nicht schlecht, ich bin Ski gefahren.» Aber in Russland lacht kaum noch jemand über Medwedews Scherze. Er selbst läuft Gefahr, zur vaterländischen Witzfigur Nummer 1 zu werden. Oder zum «meistgehassten Mann im Land», wie der Blogger Oleg Kaschin schreibt.

Anfang März hatte der Antikorruptionskämpfer Aleksei Nawalny einen Film über Medwedews Reichtümer auf Youtube gestellt: Medwedew besitze eine schlossartige Villa bei Moskau, ein fürstliches Anwesen in einem Naturschutzgebiet in Iwanowo, zwei Jachten, ein Weingut in der Toskana, Gesamtwert über 1 Milliarde Euro, Geschenke russischer Wirtschaftsoligarchen an Stiftungen, die ein alter Studienfreund Medwedews leite.

Die Protestdemos am Sonntag hatte Nawalny, der nächstes Jahr bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren will, als Anti-Medwedew-Aktion angekündigt. Zehntausende Demonstranten in Russland machten mit, verspotteten Medwedews Schwäche für modische Import-Sportschuhe mit alten Joggingtretern, die sie mit sich trugen. Wobei die meisten Befragten erklärten, sie protestierten nicht nur gegen Medwedew, sondern gegen das Regime Wladimir Putins insgesamt.

Wladimir Putins liberalster Intimus

Aber das half Medwedew wenig. Nach den Protesten schossen sich auch kremlnahe Medien auf ihn als Sündenbock ein: «Er ist kein Prinz von Geburt und kein Grossfürst», schreibt die Zeitung «Moskowski Komsomolez». «Aber er benimmt sich wie ein Aristokrat, der auf die Beschwerden irgendwelcher Bauern pfeifen kann.» Tatsächlich ist der Premier kaum arroganter als andere Topbeamte. Aber Medwedew gilt als liberalster und weichster Intimus Putins. Als Präsident von 2008 bis 2012 rief er zu mehr Demokratie und zur Beseitigung der «chronischen Korruption» auf. Aber nach Putins Rückkehr in den Kreml beschied er sich mit dem Vorsitz der nicht reformorientierten Regierung – wenn auch wenig lustvoll. «Der Premier arbeitet sehr schlecht», so der Petersburger Wirtschaftsexperte Dmitri Trawin. «Aber bei den geltenden Spielregeln würde jeder andere genauso schlecht arbeiten. Das Problem ist nicht Medwedew, das Problem sind Putin und das vom ihm geschaffene System.»

Schon wird spekuliert, ob Konkurrenten innerhalb Putins Mannschaft Medwedew absägen wollen, etwa die Ex-KGBler Sergei Iwanow und Sergei Tschemesow. Und ob Putins liberaler Berater Aleksei Kudrin den Premier ersetzen wird oder der junge Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin. «Medwedew steht vor seinem Rücktritt», versichert der Politologe Aleksei Muchin. «Putin wechselt vor jeder Präsidentschaftswahl den Premier.»

Stefan Scholl, Moskau

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