US-Wahlen
Mrs Trump hält sich in der Politik zurück – doch als First Lady hat sie schon ein Vorbild

Melania Trump (46), geborene Melanija Knavs, könnte die nächste First Lady werden. Das ehemalige Fotomodell aus Slowenien wäre die erste Frau an der Seite eines US-Präsidenten, die im Ausland geboren ist.

Renzo Ruf, Washington
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Melania Trump
6 Bilder
«Wir haben eine grossartige Chemie»: Melania Trump über ihren Ehemann Donald Trump
Donald Trump macht in der Politik klare Ansagen, Frau Melania hält sich zurück. - Hier an einer Wahlkampfveranstaltung in Cedar Rapids, Iowa.
Donald und Melania Trump haben ein gemeinsames Kind, Sohn Barron (10). Sie und nicht eine Nanny ist als Mutter für ihn zuständig, was bei den oberen Zehntausend nicht dem Normalfall entspricht.
Mit dem Rampenlicht hat Melania Trump als ehemaliges Modell keine Mühe - hier posiert sie vor der Oscar-Verleihung in Los Angeles im Februar 2016.
Das ist das erste offizielle Foto der First Lady, das das Weisse Haus herausgegeben hat.

Melania Trump

AP

Die beiden sind füreinander geschaffen. Er schätzt an ihr, dass sie Sohn Barron (10) «eine wundervolle Mutter» ist, beim Shoppen nicht über die Stränge schlage, grossartige Brüste habe und nicht an ihm herumnörgle. «Ich arbeite hart von morgens früh bis spät am Abend», sagt er. «Ich will nicht nach Hause gehen und an einer Beziehung arbeiten müssen.» Sie sagt, er sei ein verständnisvoller Gatte, der ihr Freiraum lasse und es akzeptiere, dass sie sich nicht ins Rampenlicht dränge.

Er ist Donald Trump (69), Geschäftsmann mit Milliarden-Vermögen, republikanischer Präsidentschaftskandidat und ehemaliger Hallodri. Sie ist Melania Trump (46), geborene Melanija Knavs, ehemaliges Fotomodell aus Slowenien und tüchtige Geschäftsfrau (Schmuck und Schönheitsprodukte). Die beiden sind seit 2005 verheiratet. Und obwohl er stets nach vorne drängt, und keine Gelegenheit auslässt, Schlagzeilen zu machen, zeigt sie viel Verständnis für seine Eskapaden. Auch wenn sie sich manchmal wünsche, dass er sich weniger ungehobelt äussere.

Die beiden scheinen sich zu lieben. Es gibt Bilder, auf denen Donald und Melania gar die Augen auf die gleiche Art und Weise zusammenkneifen.

Es begann 1998

Donald traf Melania zum ersten Mal im September 1998 in einem New Yorker Nachtclub. Sie war dort, um ihre ins Stocken geratene Modellkarriere anzukurbeln. Er war dort, um die Presse anzulocken und sich mit einer Schönheit zu vergnügen, obwohl er damals noch (in zweiter Ehe) verheiratet war.

In einem Gespräch mit der Zeitschrift «GQ» erinnerte sich Melania Trump kürzlich daran, dass Donald sein Date auf die Toilette schickte, damit er die unbekannte Schönheit in ein Gespräch verwickeln konnte. Doch Melania liess sich nicht beeindrucken. Sie bestand darauf, dass sie Donald anrufen werde – und wartete eine Woche, bis sie sich bei ihm meldete. «Wir hatten eine grossartige Chemie», aber sie habe deshalb nicht gleich alles fallen lassen.

Nach einigem Hin und Her wurden die zwei ein Paar. Melania war weiterhin als Modell tätig. Während der Vorwahl im konservativen Staat Utah kursierten laszive Bilder von ihr, die im Jahr 2000 im Trumpschen Flugzeug aufgenommen worden waren. Nach der Geburt von Barron – Donald Trumps fünftem Kind – aber zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Klare politische Ansichten

Alte Freunde sagen, dass Melania sich als Mutter wohlfühle. Sie und nicht eine Nanny ist für die Erziehung von Barron zuständig – was unter den Oberen zehntausend in Manhattan nicht dem Normalfall entspricht. Politisch hält sie sich zurück. Sie habe klare Ansichten zu drängenden Problemen, und sie spreche mit ihrem Gatten regelmässig über Politik, sagte Mrs Trump der Zeitschrift «GQ». «Aber niemand weiss und niemand wird je wissen», welche Ratschläge sie dabei Donald gebe. «Das ist zwischen mir und meinem Gatten.» Alte Weggefährten zeigen sich über diese Verschwiegenheit nicht weiter überrascht und verweisen darauf, dass Melanias Eltern in ihrer Jugend im damaligen Jugoslawien eine ähnliche traditionelle, liebevolle Beziehung gepflegt hätten.

Die Eltern leben mittlerweile in New York, und Melania scheint den Kontakt zu ihrer Heimat Slowenien verloren zu haben. Einzig der starke Akzent verrät, dass sie, die seit gut zehn Jahren die US-Staatsbürgerschaft besitzt, aus dem Ausland stammt. Freunde aus ihrer Jugendzeit in den 1970er- und 1980er Jahren berichten aber, dass die Familie Knavs vergleichsweise wohlhabend gewesen sei.

Melania verabschiedete sich im Jahr 1992 aus Slowenien und machte in Mailand und Paris Karriere. Sie war kein Supermodell, aber verdiente gutes Geld. Als sie 1996 versuchte, in New York Fuss zu fassen, stockte ihre Karriere. Sie liess sich nicht unterkriegen und lehnte es ab, Kompromisse einzugehen. So sah sie davon ab, bis früh am Morgen durch die Nachtclubs Manhattans zu tingeln. Auch half sie ihrer natürlichen Schönheit nicht mit künstlichen Mitteln nach. «Ich habe keine Änderungen vorgenommen», sagte sie «GQ».

Sollten die Trumps im kommenden Januar tatsächlich ins Weisse Haus in Washington einziehen, dann wäre Melania die erste im Ausland geborene First Lady seit Louisa Adams, Gattin von John Quincy Adams, dem sechsten US-Präsidenten. Ihr Vorbild? Jackie Kennedy, Gattin von JFK.