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MÜNCHEN: Angst und Trauer nach Bluttat in München

Es ist die Fassungslosigkeit am Morgen danach: Mit einem Strauss roter Rosen steht Naim Zabergja etwas unsicher auf der Rückseite des Olympia-Einkaufszentrums (OEZ) im Nordwesten Münchens. In der Hand hält er ein Foto: Der 20-Jährige darauf lächelt offen und freundlich in die Kamera, die Haare sorgsam gestylt.
Eine Frau weint, während ein Mann beim Tatort Blumen niederlegt. (Bild: AP/Sebastian Widmann)

Eine Frau weint, während ein Mann beim Tatort Blumen niederlegt. (Bild: AP/Sebastian Widmann)

Cordula Dieckmann, dpa

«Das war mein Sohn», sagt Zabergja und hält die Fotografie in die Kamera. Nun ist der junge Mann tot, so wie neun andere Menschen, darunter der mutmassliche Täter. In Sichtweite des Ortes, wo am Freitagabend die Schüsse fielen, legen Passanten, Freunde und Angehörige immer wieder Blumen und Kerzen nieder.

Bis spät in die Nacht hatte die Angst vor dem Terror die Stadt München fest im Griff. Allmählich kehrt der Alltag ein, wenngleich die Stimmung gedrückt ist.

Das OEZ in einem der ärmeren Stadtviertel im Nordwesten Münchens, in dem viele Migranten wohnen, bietet viele Restaurants und Geschäfte. Alle namhaften Ketten sind hier vertreten. Bei Jugendlichen ist es ein beliebter Treffpunkt.

Der Junge bringt wie viele andere Menschen Blumen und Kerzen für die Opfer des Amoklaufes zum Einkaufszentrum. Am Freitagabend erschoss ein 18-Jähriger dort 9 Menschen. (Bild: Keystone)
Trauern in der Öffentlichkeit: Eine Frau legt Blumen nieder. Zahlreiche Journalisten halten diesen Moment mit ihren Kameras fest. (Bild: Keystone / Sebastian Widmann)
Ein Mann verleiht seiner Trauer Ausdruck und legt Blumen nieder. (Bild: Keystone)
Eine Frau lässt ihren Tränen freien Lauf. (Bild: Keystone / Sebastian Widmann)
Eine Frau legt beim Eingang des Einkaufszentrum in München Blumen nieder. (Bild: Keystone / Karl-Josef Hildenbrand)
Warum? (Bild: AP/Sebastian Widmann)
Der Vater eines Opfers in der Nähe des tatorts. (Bild: AP/Sebastian Widmann)
Eine Frau zündet eine kerze an. (Bild: AP/Sebastian Widmann)
Eine Frau legt Blumen nieder. (Bild: Kerstin Joensson)
Blumen in der Nähe des Tatorts. (Bild: Kerstin Joensson)
Blumen in der Nähe des Tatorts. (Bild: AP/Kerstin Joensson)
Blumen in der Nähe des Tatorts. (Bild: AP/Sebastian Widmann)
Polizeipräsent in Münchens Innenstadt. (Bild: EPA/Daniel Karmann)
Ein Polizeiwagen vor dem Münchner Rathaus. (Bild: DANIEL KARMANN)
Beim Bundeskanzleramt in Berlin stehen die Flaggen auf Halbmast. (Bild: EPA/Rainer Jensen)
Eine Mutter hält ihrt Kind in den Armen.
Leute hatten geschrien und waren in Tränen ausgebrochen. (Bild: APTV)
Enorme Polizeipräsenz in München. (Bild: AP/Marc Kleine-Kleffmann)
Die Polizei sucht die Umgebung der Attacke ab. (Bild: AP/Marc Kleine-Kleffmann)
Die Polizei sucht die Umgebung der Attacke ab. (Bild: AP/Marc Kleine-Kleffmann)
Die Polizei sucht die Umgebung der Attacke ab. (Bild: AP/Marc Kleine-Kleffmann)
Unterdessen gab es auch in der Münchner Innenstadt einen Grosseinsatz der Polizei. Dieser stellte sich allerdings als Fehlalarm heraus. (Bild: Keystone/Felix Hörhager)
Ob es sich um einen oder mehrere Täter handle, sei noch offen. (Bild: Keystone/Matthias Balk)
GRAFIK --- Karte von Muenchen mit Lage des Olympia-Einkaufszentrums und des Stachus (60 X 71mm hoch) vom Freitag, 22. Juli 2016 (KEYSTONE/Gerhard Riezler) (Bild: Keystone)
«Wir versuchen, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Wir haben keine Kenntnis, wo die Täter sich aufhalten», sagte Thomas Baumann von der Polizei der Nachrichtenagentur dpa am Freitagabend. (Bild: Keystone/Lukas Schulze)
Eine Spezialeinheit der Polizei sichert derweil den Bereich der Ubahnstation am Karlsplatz in München. (Bild: Keystone/Andreas Gebert)
Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort gewesen, nachdem Panik ausgebrochen war. (Bild: Keystone/Matthias Balk)
Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort gewesen, nachdem Panik ausgebrochen war. (Bild: Keystone/Felix Hörhager)
München (Bild: APTV)
Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, das Gebiet um das Einkaufszentrum weiträumig zu meiden. (Bild: Keystone/Felix Hörhager)
Die ersten Meldungen seien um kurz vor 18:00 Uhr eingetroffen. Demnach seien die ersten Schüsse bei einem McDonald's-Schnellrestaurant gefallen, sagte die Polizeisprecherin. (Bild: Thamina Stoll)
Polizeiautos stehen rund um das Olympia-Einkaufszentrum. (Bild: Keystone/Felix Hörhager)
Nach der Attacke in München hat US-Präsident Barack Obama Deutschland seine Unterstützung zugesagt. (Bild: Keystone/Erik S. Lesser)
«Deutschland ist einer unserer engsten Verbündeten. Wir werden ihnen jegliche Unterstützung zusagen, die sie in diesen Umständen brauchen können», sagte Obama am Freitagnachmittag (Ortszeit) in Washington. (Bild: Keystone/Erik S. Lesser)
Es werden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt. (Bild: AP/Sebastian Widmann)
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Schiesserei in Münchener Einkaufszentrum

«Ich glaube es noch nicht»

Auch Zabergjas Sohn hatte sich dort mit einem Freund verabredet. An diesem schwülwarmen Sommerabend sassen sie draussen, sie wollten eine Limo trinken. Doch dann kam der Amokschütze und feuerte Schüsse ab.

«Sein Freund ist weggelaufen, meinen Sohn hat er getötet», erzählt Zabergja, der aus dem Kosovo stammt. Seine Stimme wird heiser, doch er redet weiter. Zwei Töchter hat er noch, vier Enkelkinder. Dijamant war der einzige Sohn, geboren in München. Der 20-Jährige machte eine Ausbildung am Flughafen. Dass er jetzt tot sein soll – für den Vater nur schwer zu begreifen.

Am Samstagmorgen um vier Uhr sei die Polizei vor der Tür gestanden und habe ihm die schreckliche Nachricht überbracht. «Ich bin noch in Träumen, ich glaube noch nicht, was passiert ist, auch meine Familie glaubt es noch nicht.»

«Papa, die schiessen noch»

Wenig später will ein kleiner Junge Teelichter an der provisorischen Gedenkstätte anzünden. Immer wieder müht er sich mit dem Feuerzeug ab, immer wieder löscht ein sanfter Wind die Flamme. Der Dreijährige war mit seinem Vater beim Einkaufen, als die Schüsse fielen.

«Ich wohne gleich um die Ecke, ich habe meinen Sohn so schnell wie möglich nach Hause gebracht», erzählt der Mann mit kurdischen Wurzeln, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Er wirkt geschockt.

«Ich habe die Verletzten gesehen, zwei Leichen, die bluten», erinnert er sich. «Ich habe mit einer Mutter eines Verletzten gesprochen, dass es ihren Sohn gut geht und er sagte, ich will nicht sterben aber ich sterbe. Das hat mich fast fertig gemacht.»

Auch sein Sohn muss das Erlebte noch verarbeiten. «Der Junge fragt mich immer wieder: Papa, die schiessen noch. Schrecklicher Moment, den wir gesehen haben.»

Erwin Tieslau und seine Lebensgefährtin kamen gerade nach Hause, als das Attentat in vollem Gange war. Ein junger Mann suchte Zuflucht in ihrer Tiefgarage. Und hinter einem Mäuerchen kauerten zwei Frauen und ein Kind. «Wir haben sie mit in die Wohnung genommen», erzählt Tieslau.

Wie viele Münchner bewundert er die Polizei. Davon zeugt auch ein Plakat, das an einem Baum angeklebt wurde: «Danke, dass sie noch Schlimmeres verhindert haben!».

Stadtteil in Schockstarre

Die Trauer um die Opfer ist gross. Während anderswo in München wieder der Verkehr rollt und die U-Bahnen fahren, herrscht hier Stillstand. Das Einkaufszentrum bleibt geschlossen. Menschen stehen in Grüppchen zusammen, um gemeinsam zu begreifen, was geschehen ist. Die Verkäufer vor dem Haupteingang des OEZ winken ab. Sie wollen nicht reden über das, was sie am Vortag erlebt haben.

Etwas weiter weg flattert ein rot-weisses Absperrband der Polizei, wo sonst viele Autos fahren. Überall Polizeiwägen und Polizisten. In Sichtweite ist links das Schnellrestaurant, auf der Strassenseite gegenüber ein Komplex des Einkaufszentrums. Hier fielen die Schüsse.

Journalisten haben ihre Kameras aufgebaut. Sie berichten in alle Welt, viele von ihnen live: Japan, Israel, Italien, Frankreich und viele andere Länder.

Ein junger Vater mit einem kleinen Mädchen kommt an. Die Tochter im niedlichen rosa Kleidchen posiert vor der Absperrung, der Vater setzt sich daneben und schiesst Selfies. Beide lächeln ins Handy, während wenige Meter weiter Menschen um Fassung ringen.

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