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CDU tankt Mut in ihrer Hochburg

Der CDU drohen auch bei den Wahlen am Sonntag in Hessen hohe Verluste. Regierungschef Bouffier und Kanzlerin Merkel warnen vor einem Politikwechsel. Sollte die CDU aus der Regierung fliegen, könnte die Unruhe in der CDU in Panik umkippen.
Christoph Reichmuth, Berlin
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier am Donnerstag in Fulda. (Bild: Thomas Lohnes/Getty)

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier am Donnerstag in Fulda. (Bild: Thomas Lohnes/Getty)

Es dauert, bis die beiden Protagonisten die Esperantohalle von Fulda betreten, Volker Bouffier, CDU-Ministerpräsident von Hessen, und Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Etwa 1500 Menschen sind gekommen, um die beiden live zu sehen. Eine bemerkenswerte Anzahl, findet der Anlass doch mitten an einem Donnerstagnachmittag statt. Die Wartezeit wird mit einem Filmchen überbrückt. Bürger in Hessen äussern darin ihre Meinung über Landesvater Bouffier. Es gibt ausschliesslich Lob für den 66-Jährigen, so wie es sich gehört für einen Partei-Anlass. «Sogar meinem Hund geht’s besser unter Volker Bouffier», sagt eine Rentnerin, ihren Hund an der Leine haltend. Gelächter.

Die Band stimmt «Simply the Best» von Tina Turner an, als Merkel, ganz in Grün, und Bouffier, in dunklem Anzug, den Saal betreten. Optisch ein Statement für einen Fortbestand des schwarz-grünen Bündnisses, das seit 2014 unter Bouffiers Führung überraschend harmonisch von Wiesbaden aus regiert. Tosender Applaus. Nun wird es musikalisch härter, ein Song aus «Rocky» scheppert über die Lautsprecher.

Schlechte Umfragewerte

Volker Bouffier, seit 2010 Ministerpräsident von Hessen, kann die Unterstützung auf den letzten Metern im Wahlkampf gut gebrauchen. Für seine CDU sieht es gemäss Umfragen drei Tage vor den Wahlen düster aus. Von über 38 Prozent bei den Wahlen 2013 stürzen die Christdemokraten auf 26 Prozent ab. Dabei geht es Hessen wirtschaftlich gut, nicht zuletzt dank der Boom-Region Frankfurt am Main. Fulda, der 60000-Einwohner-Ort, ist tiefschwarz. Hier holte die CDU bei den Bundestagswahlen 45 Prozent der Stimmen, vier Jahre zuvor 58 Prozent. Es ist kaum Zufall, dass sich Bouffier Fulda für einen der letzten Wahlkampfauftritte ausgesucht hat. Osthessen als Mutmacher. Nicht nur für Bouffier. Auch für die Kanzlerin, deren baldiges politisches Ende von Experten seit Wochen heraufbeschworen wird.

«Die Bundespolitik ist ein ständiger Begleiter dieses Wahlkampfes», sagt Bouffier. Kanzlerin Merkel, die neben ihm auf der Bühne steht, nickt zustimmend. Die Hessen CDU sieht den Grund für die schwachen Umfragewerte in der Berliner Regierung. Falsch ist das vermutlich nicht, wohl aber doch nur ein Teil der Wahrheit angesichts allgemein sinkender Bedeutung von Volksparteien. Knatsch in der Migrationspolitik, Richtungsstreit zwischen CSU und CDU, Ärger um den Geheimdienstchef, das Desaster für Diesel-Besitzer. Ob Bouffier weiter regieren kann, ist ungewiss. Vermutlich wird auch in Hessen künftig ein Zweierbündnis nicht mehr für stabiles Regieren reichen. Vielleicht schmiedet Bouffier ein Bündnis mit FDP und den erstarkten Grünen.

«Der programmierte Abstieg»

Die Alternative zu einer Regierung unter seiner Führung sei eine Gefahr, warnt Bouffier und erntet warmen Applaus in der schwarzen Hochburg Fulda: «Entweder bleibt dieses Erfolgsland Hessen unter meiner Führung auf der Erfolgsspur, oder aber es gibt ein linkes Bündnis. Das wäre der programmierte Abstieg dieses Landes.»

Angela Merkel schlägt ähnliche Töne an. Weniges betrifft die Innenpolitik in ihrer Rede, gar nicht erwähnt sie das wenig harmonische Agieren ihrer Regierung in Berlin. Nur indirekt geht sie auf ihre persönliche Zukunft ein, als sie einmal zwischen den Zeilen bemerkt, am Sonntag werde nicht über sie abgestimmt. «Es geht um euer Leben», ruft sie bedeutungsvoll in den Saal.

Mit einem kryptischen, diese Woche in einem Interview geäusserten Satz sorgte Merkel für Spekulationen, sie gebe das Rennen um ihre Nachfolge frei. Anfang Dezember will sie sich beim CDU-Parteitag als Vorsitzende bestätigen lassen. Die Nervosität in den Reihen der CDU ist wegen schwacher Umfragewerte ohnehin schon gross. Was, wenn die CDU auch in Hessen deutlich verliert? Gegen 16 Uhr endet der Wahlkampfauftritt. Anstelle von Tina Turner ertönt nun die Nationalhymne. «Natürlich hat sie Fehler gemacht und irgendwann einmal braucht die Partei vielleicht neue Gesichter», sagt ein Rentner, «aber ich sehe keine Alternative zu unserer Kanzlerin.» Eine Frau um die 60 fügt hinzu, die Menschen seien möglicherweise ein wenig Merkel-müde. Allerdings habe Deutschland in Zeiten von Trump, Orban und Co. mit Merkel die perfekte Regierungschefin. «Sie handelt überlegt, lässt sich zu nichts hinreissen. Ich bin sehr überzeugt von Frau Merkel.»

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