MYANMAR: Mindestens 73 000 Rohingyas fliehen vor Gewalt

Das UNO-Flüchtlingswerk berichtet von dramatischen Entwicklungen in der Flüchtlingskrise zwischen Myanmar und Bangladesch. Geflüchtete Rohingyas berichteten von brutalen Angriffen und Vertreibungen.

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Rohingya am Grenzfluss zwischen Myanmar und Bangladesch: Tausende flüchten vor den Kämpfen in ihrer Heimat, doch auch die Flucht endet oft tödlich. (Bild: KEYSTONE/AP/BERNAT ARMANGUE)

Rohingya am Grenzfluss zwischen Myanmar und Bangladesch: Tausende flüchten vor den Kämpfen in ihrer Heimat, doch auch die Flucht endet oft tödlich. (Bild: KEYSTONE/AP/BERNAT ARMANGUE)

Die Lage der muslimischen Rohingyas in Südostasien verschärft sich täglich. Nach der Gewaltwelle in der Unruheprovinz Rakhine im Westen von Myanmar flohen bis gestern Morgen mindestens 73 000 Personen ins Nachbarland Bangladesch. Hunderte ­weitere sind laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR noch auf dem Weg zur Grenze. Freiwillige vor Ort leisteten Nothilfe. Viele Rohingyas würden vorerst in Schulen und Gemeindezentren untergebracht, sagte der UNHCR-Sprecher in Dhaka, Joseph Tripura.

Aus Sicherheitsgründen stellte das Welternährungsprogramm (WFP) Hilfslieferungen in Rakhine ein. Bereits seit Mitte Juli konnten im Norden der Provinz keine Lebensmittel mehr verteilt werden, seit vergangener Woche seien auch Lieferungen im Zen­trum nicht mehr möglich, teilte das WFP am Samstag in Rom mit. Rund 250 000 Hilfsbedürftige könnten nun nicht mehr unterstützt werden.

Zahlreiche Tote bei Bootsunglücken

Seit dem Ausbruch der Gewalt in Myanmar am 25. August sind mindestens 400 Personen ge­tötet worden. Muslimische Rohingyas fliehen zu Tausenden ins muslimische Bangladesch. Viele sitzen ohne Unterkunft, Nahrung oder Sicherheit in der Grenz­region fest. Dutzende sind bei Bootsunglücken auf dem Grenzfluss Naf gestorben.

Nach Angaben der Geflüchteten hatten Sicherheitskräfte in Myanmar Zivilisten angegriffen, ihre Häuser niedergebrannt und sie aus Rakhine vertrieben. Das Militär in Myanmar gab an, es habe gezielte Angriffe von Aufständischen auf Polizeiposten und Militärstandorte gegeben.

Die grosse Mehrheit der Einwohner Myanmars sind Buddhisten. Rund eine Million muslimische Rohingyas werden in dem Land strukturell diskriminiert. Myanmar erkennt die Muslime nicht als Staatsbürger an.

Bangladesch lehnt weitere Flüchtlinge ab

In dem Flüchtlingsdrama warf Bangladesch am Freitag Myanmar Verletzungen seines Luftraums vor. Helikopter aus Myanmar seien in den vergangenen Tagen wiederholt über den Bezirk Cox’s Bazar im südöstlichen Grenzgebiet geflogen.

Bangladesch verstärkte derweil seine Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze. Das Land beherbergt nach eigenen Angaben bereits 400 000 Rohingyas und will keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen. (sda)