USA
Nach dem Rücktritt von Hope Hicks: Um Trump wird es einsamer

Chaos im Weissen Haus: Präsident Donald Trump distanziert sich erneut von orthodoxen Positionen, die seine eigene Partei in Washington vertritt. Und nun verliert er auch noch eine seiner engsten Beraterinnen.

Renzo Ruf, Washington
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Hope Hicks (29).

Hope Hicks (29).

KEYSTONE

Gleich zweimal erwischte Donald Trump seine Verbündeten diese Woche auf dem falschen Fuss. Zuerst stellte sich der Republikaner am Mittwoch während einer Aussprache im Weissen Haus auf die Seite der Demokraten, die im Nachgang zum Massaker an einer Schule in Parkland (Florida) eine Verschärfung der Waffengesetze fordern. Trump sagte, er wolle ein «starkes, starkes Gesetz». Auch sprach sich der Präsident für die Beschlagnahmung von Waffen durch die Polizei aus, «ob sie nun dazu berechtigt ist oder nicht» – ein veritabler Tabubruch für den Präsidenten eines Rechtsstaates.

Dann lud Trump Vertreter der US-Schwerindustrie ins Weisse Haus ein, um am Donnerstagmorgen in ihrer Anwesenheit Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe anzukündigen – damit angebliches Preis-Dumping durch chinesische Konzerne und Firmen aus verbündeten Staaten wie Kanada, Südkorea oder Deutschland gestoppt werde. So soll ab nächster Woche ausländischer Stahl um 25 Prozent und ausländisches Aluminium um 10 Prozent verteuert werden, damit die heimische Industrie endlich Luft zum Atmen habe, sagte Trump.

Das Signal, das der Präsident damit setzte: Nötigenfalls wird die grösste Volkswirtschaft internationale Freihandelsbestimmungen ignorieren, um die heimische Industrie zu schützen. Hektische Versuche, Trump vor dieser protektionistischen Ankündigung abzubringen, scheiterten am Donnerstag, trotz der massiven Kritik von wirtschaftsfreundlichen Republikanern im Weissen Haus und im Parlament. Figuren wie Wirtschaftsberater Gary Cohn warnen Trump vor einem Handelskrieg, mit massiven Konsequenzen für die produzierende Industrie in Amerika.

Trump aber schlägt solche Vorbehalte in den Wind. Nun gibt es Anzeichen dafür, dass sich dieser Konfrontationskurs in den nächsten Wochen noch verschärfen könnte. Denn am Mittwoch gab Hope Hicks ihren Rücktritt bekannt, die Kommunikationschefin des Weissen Hauses.

Die 29-Jährige war eine der engsten Vertrauten des Präsidenten, und Trump behandelte sie bisweilen wie eine Adoptiv-Tochter. (Der Präsident nennt sie «Hopie».) Zwar ist Hicks äusserst öffentlichkeitsscheu und ihre politischen Haltungen sind unbekannt, aber sie wirkte im Alltag als Stossdämpfer zwischen dem Präsidenten und dem Rest des Weissen Hauses.

Ausgelaugt vom Wahlkampf

Hicks begründete ihren Rücktritt gemäss der «New York Times» mit der Tatsache, dass sie die Nase voll vom Politbetrieb in Washington habe. Andere Stimmen aus ihrem Umfeld gaben zu Protokoll, dass Hicks ausgelaugt sei, nach dem hektischen Wahlkampf und den ersten chaotischen Monaten an der Seite von Präsident Trump. Auch sei sie peinlich berührt darüber, dass ihr Privatleben in den vergangenen Wochen zu einem Gesprächsthema in Washington wurde.

Zudem musste Hicks am Dienstag acht Stunden lang dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses Rede und Antwort stehen, der die russischen Beeinflussungsversuche in den US-Wahlkampf 2016 untersucht. Während diesen Aussagen soll Hicks zugegeben haben, dass sie manchmal zu einer «Notlüge» greife, um dem Präsidenten zu helfen. Diese Lügen stünden aber nicht im Zusammenhang mit strafrechtlich relevanten Vorfällen.