Italien
Nach dem Sozialdienst will Berlusconi dem Altersheim erhalten bleiben

Lego-Spielen, Schwatzen, Klavierspielen: Der Ex-Premier hat seine Strafe wegen Steuervergehen abgearbeitet, will in dem Alterspflegeheim aber als Hilfspfleger weiterarbeiten.

Dominik Straub, Rom
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Will weiterhin im Altersheim arbeiten: Silvio Berlusconi.

Will weiterhin im Altersheim arbeiten: Silvio Berlusconi.

Keystone

Berlusconi wäre nicht Berlusconi, hätte er seinen letzten Arbeitstag im Alterspflegeheim «Sacra Famiglia» in der Nähe von Mailand nicht mit einem kleinen Coup abgeschlossen. Dieser bestand darin, dass er zu den Patienten und zum Personal nicht «addio» (lebt wohl), sondern «arrivederci» (auf Wiedersehen) sagte: «Die Zeit, die ich hier mit den Kranken und den Angestellten verbrachte, war eine berührende Erfahrung, die für mich auch einen Moment der Seelenruhe darstellte. Deshalb möchte ich diesen Einsatz weiterführen», sagte der 78-jährige ehemalige Regierungschef.

Ob das möglich sei, konnte Heimdirektor Paolo Pigni gestern noch nicht sagen, aber: «Die vergangenen Monate waren sehr positiv.»

Mildes Strafregime

Bisher waren die Einsätze unfreiwillig gewesen: Silvio Berlusconi war im August 2013 in letzter Instanz wegen Steuerbetrugs in Millionenhöhe zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden; drei Jahre davon waren von einem allgemeinen Straferlass erfasst. Aufgrund seines Alters durfte der Ex-Premier das verbleibende Jahr in Form von Sozialdienst ableisten – unter einem überaus milden Regime: Er musste jeweils nur am Freitagvormittag als Hilfspfleger antreten.

Wegen guter Führung wurden ihm weitere 45 Tage erlassen, was die gestrige vorzeitige Entlassung nach zehneinhalb Monaten ermöglichte.

Nun gilt Silvio Berlusconi als resozialisiert und ist wieder ein freier Mann – aber keineswegs frei von Sorgen. Zum einen bleibt er als Vorbestrafter mit einem Ämterverbot belegt, und das noch für rund vier Jahre.

Zum anderen sind die Umfragewerte für seine Forza Italia, der drittstärksten Kraft im Parlament, im Keller: Die Berlusconi-Partei, die seit Monaten mit internen Fehden Schlagzeilen macht, kommt noch auf magere 10 bis 12 Prozent.

Das grösste Ungemach droht dem Ex-Premier aber an der Justizfront. Am Dienstag wird der Kassationshof in letzter Instanz in Sachen «Ruby» entscheiden. Berlusconi war zunächst zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt und in zweiter Instanz freigesprochen worden. Daneben laufen weitere Verfahren, unter anderem wegen Zeugenbestechung.

Vor einigen Tagen erfolgten bei zwanzig ehemaligen «Bunga-Bunga»-Teilnehmerinnen Hausdurchsuchungen. Es stellte sich heraus, dass die arbeitslose Ruby, die vor Gericht stets zugunsten Berlusconis ausgesagt hatte, in Mexiko inzwischen ein ganzes Immobilien-Imperium besitzt.

Im Altenheim in Cesano Boscone gibt es weder junge Damen, die plötzlich doch noch auspacken könnten, noch hartnäckige Staatsanwälte – für Berlusconi war die «Sacra Famiglia» tatsächlich eine Oase der Ruhe und Einkehr.

In seiner geschützten Werkstatt kümmerte er sich um die ihm anvertrauten Alzheimer-Patienten, half ihnen beim Essen, spielte mit ihnen Lego und Puzzle, brachte ihnen – mit der Erlaubnis der Heimleitung – jedes Mal ein wenig Schokolade mit.

Den Pflegern schenkte er Uhren seines Fussballvereins AC Milan und fachsimpelte mit ihnen über den «calcio». Und vor Weihnachten hatte er sich ans Klavier gesetzt und einige Lieder vorgetragen.