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Nach der «schlimmsten Präsidenten-Debatte aller Zeiten»: Wie es beim nächsten Mal besser laufen könnte

Der Präsident sorgt im ersten TV-Duell für Krawall und verunmöglicht damit eine Diskussion um Inhalte. Doch auch Biden wird ausfällig.

Renzo Ruf aus Washington
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Lieferten sich einen harten TV-Schlagabtausch: Präsident Donald Trump (r) und Joe Biden. So hart, dass Manche von einer «Schande» sprachen.

Lieferten sich einen harten TV-Schlagabtausch: Präsident Donald Trump (r) und Joe Biden. So hart, dass Manche von einer «Schande» sprachen.

Bild: Oliver. Douliery/AP

Es gibt immer noch Kommentatoren, die zu Donald Trump halten. Marc Thiessen, ehemaliger Redenschreiber von Präsident George W. Bush und häufiger Gast auf dem Nachrichtensender «Fox News» zum Beispiel. Am Tag nach der ersten Fernsehdebatte zwischen dem Republikaner im Weissen Haus und seinem Herausforderer Joe Biden, in der Trump etwas mehr als 90 Minuten lang den Krawallmacher gab, sagte Thiessen: «Der Präsident hat die Debatte nach Punkten gewonnen.»

Denn in den Augen des Kommentatoren war es Trump gelungen, auf das eigentliche Problem von Kandidat Biden hinzuweisen – auf die Tatsache, dass viele seiner politischen Positionsbezüge dem linken, aktivistischen Flügel seiner Partei nicht radikal genug sind.

«Nichts an dir ist klug, Joe»

Selbst Thiessen musste allerdings am Mittwoch eingestehen, dass sich Trump ins eigene Fleisch geschnitten hatte, weil er mit seinen ständigen Provokationen eine ausführliche Diskussion über die Zukunft des Obersten Gerichts oder über «Recht und Ordnung» verhinderte.

In der Tat. Trump unternahm buchstäblich von der ersten Minute an den Versuch, Biden aus dem Konzept zu bringen. Er liess ihn selten ausreden oder funkte dem Moderatoren Chris Wallace dazwischen, wenn dieser Biden eine Nachfrage stellen wollte.

Biden bezeichnet den Präsidenten als «Clown»

Diese Strategie zeitigte zwar ab und zu das gewünschte Resultat – selbst ein derart stolzer Mann wie Joe Biden kann nicht darüber glücklich sein, dass er den Präsidenten Amerikas am Dienstag vor laufender Kamera «einen Clown» nannte, weil er ihm ständig ins Wort fiel. Aber letztlich verhinderte der Präsident mit seiner kindischen Strategie, dass Biden während mehr als 10 oder 15 Sekunden Auskunft über seine politischen Ziele geben musste.

Deshalb waren sich im Gegensatz zu Marc Thiessen am Tag danach fast alle Kommentatoren einig darüber, dass Trump die Fernsehbühne in Cleveland (Ohio) als Verlierer verliess. Eine «nationale Schande», sei das Fernsehduell gewesen, schrieb John Harris, der Chefredaktor von «Politico». Die «schlimmste Präsidenten-Debatte seit Menschengedenken», sagte Dan Balz, der altgediente Kommentator der «Washington Post».

Anders als vor 4 Jahren, hatte der Präsident diesmal keine Botschaft

Denn der Präsident habe sämtliche Vorurteile bestätigt, die in Amerika über ihn kursierten – dass er ein unflätiger Tyrann sei, der keine Manieren habe und nur über sich selbst sprechen wolle.

Schlimmer noch, wenigstens aus der Sicht der Trump-Anhänger: Der Präsident hatte am Dienstag auch keine Botschaft. 2016 war es ihm noch gelungen, sich als politischer Aussenseiter zu präsentieren, als angeblich erfolgreicher Geschäftsmann, der «den Sumpf in Washington» trockenlegen werde. Auch porträtierte er seine damalige Kontrahentin als notorische Lügnerin, was auf viel Zustimmung stiess, weil Hillary Clinton in breiten Bevölkerungskreisen als Lügnerin wahrgenommen wurde. In Cleveland aber kreuzte Trump ohne Slogan auf.

Trump muss Boden gut machen

Er sprach zwar über die Wirtschaft, sein wichtigstes Thema, aber er hatte keinen Plan. Und obwohl er seinen Kontrahenten auf Twitter immer wieder «Sleepy Joe» nennt, weil Biden angeblich kein dynamischer Wahlkämpfer sei, verzichtete Trump darauf, diesen Vorwurf in der Präsenz Bidens zu wiederholen.

Diese Strategie ist umso verwirrender, weil es Trump ist, der Boden gut machen muss, und nicht Biden. Fünf Wochen vor dem Wahltag am 3. November liegt der Präsident in sämtlichen nationalen Umfragen zurück, und zwar deutlicher, als er vor vier Jahren im Duell gegen Clinton zurücklag. Auch die Umfragen in den politisch umkämpften Bundesstaaten sehen nicht gut für den Präsidenten aus.

Beide Lager werden sich deshalb die Frage stellen, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, an den weiteren Debatten im Rennen um das Weisse Haus teilzunehmen. Nächste Woche ist ein TV-Duell zwischen den beiden Kandidaten für das Vizepräsidium geplant; dann stehen noch zwei TV-Auseinandersetzungen zwischen Trump und Biden an.

Aus dem Biden-Lager hiess es bereits, dass man auf jeden Fall in zwei Wochen in Miami (Florida) zum nächsten TV-Duell aufkreuzen werde. Wahlkampf-Sprecherin Kate Bedingfield deutete allerdings an, dass man sich darum bemühen werde, die Spielregeln anzupassen. «Ich kann mir vorstellen, dass es zu weiteren Gesprächen» mit den Veranstaltern der TV-Duelle kommen werde, sagte Bedingfield. Ein Vorschlag, der im Raum steht: Der Moderator der nächsten Debatte solle die Möglichkeit erhalten, die Mikrofone der Debatten-Teilnehmer auszuschalten.

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