Krawalle in Holland
Nach Erlass von Ausgangssperre: In den Niederlanden wüten Coronaproteste

In über zehn Städte kam es zu gewaltsamen Zusammenstössen von Demonstranten und der Polizei. Der Bürgermeister von Eindhoven sprach von bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Remo Hess aus Brüssel
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Brennendes Auto vor dem Bahnhof in Antwerpen.

Brennendes Auto vor dem Bahnhof in Antwerpen.

Keystone

Fliegende Pflastersteine, brennende Autos, geplünderte Geschäfte: Die Niederlande erlebte ein turbulentes Wochenende. In über zehn Städten kam es zu zum Teil schweren Ausschreitungen. Premierminister Mark Rutte sprach von «krimineller Gewalt».

Grund für die Eskalation war die in der Nacht auf Sonntag in Kraft getretene Corona-Ausgangssperre. Zwischen 21 Uhr abends und 4.30 Uhr morgens müssen neu alle Niederländer zu Hause sein. Wer sich nicht daran hält muss 95 Euro Busse zahlen. Es ist die erste Ausgangssperre seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Regierung rechtfertigte die Massnahme mit dem Kampf gegen die britische Coronamutation, die sich auch in den Niederlanden rasant zu verbreiten droht. Bereits jetzt werden zehn Prozent aller Neuinfektionen durch die britische Variante festgestellt. Virologen rechnen damit, dass es im Februar jede zweite Infektion sein wird.

Bei den Protesten kam es auch zu Plünderungen.

Bei den Protesten kam es auch zu Plünderungen.

Keystone

Im Vorfeld der Krawalle wurde in den sozialen Netzwerken zum Widerstand aufgerufen. Laut Polizei sollen verschiedene Gruppen beteiligt gewesen sein, neben Corona-Leugner auch Rechtsradikale und Fussball-Hooligans. Angefangen haben die Ausschreitungen in den Grossstädten Amsterdam und Eindhoven und breiteten sich dann rasch über das Land aus.

An den Ausschreitungen sollen sich auch Fussbal-Hooligans beteiligt haben.

An den Ausschreitungen sollen sich auch Fussbal-Hooligans beteiligt haben.

Keystone

In Enschede nahe der deutschen Grenze wurde ein Krankenhaus mit Steinen angegriffen. In Eindhoven wurde der Bahnhof verwüstet und Läden leergeräumt. Der Bürgermeister sprach von bürgerkriegsähnlichen Zuständen und gab die Schuld gewalttätigen Fussballfans. In der Kleinstadt Urk zündeten Randalierer eine Corona-Teststation an. Erst gegen Mitternacht hatte die Polizei die Situation allmählich im Griff. Sie setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Abgefackelte Corona Test-Station in Urk.

Abgefackelte Corona Test-Station in Urk.

Keystone
Über 250 Personen wurden festgenommen.

Über 250 Personen wurden festgenommen.

Keystone

Seit Mitte Dezember gilt in den Niederlande ein Lockdown. Schulen, Läden und Restaurants sind geschlossen. Die Privatkontakte ausserhalb des eigenen Haushalts sind auf jeweils eine Person beschränkt. Das 17-Millionen Einwohner-Land verzeichnet rund 13500 Coronatote. Vor allem zu Beginn der Pandemie fiel die Niederlande noch durch eine relativ liberale Coronastrategie auf. Spätestens mit der zweiten Welle aber hat sich das geändert.