Germanwings
Nach Flugzeugabsturz: Wie gross ist der Imageverlust für die Lufthansa?

Der Absturz von Flug 4U 9525 über den französischen Alpen trifft die Airlines und insbesondere die Lufthansa schwer. Der Mutterkonzern der Swiss ist in einer schwierigen Phase – jetzt kommt noch der Imageverlust hinzu

Christoph Reichmuth, Berlin
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Das Unglück trifft den Mutterkonzern der Swiss, die Lufthansa, in einer schwierigen Phase der Umstrukturierung. (Archiv)

Das Unglück trifft den Mutterkonzern der Swiss, die Lufthansa, in einer schwierigen Phase der Umstrukturierung. (Archiv)

Das wichtigste Gut jeder Fluggesellschaft ist das Vertrauen der Kunden in die Sicherheit der Flugzeuge und die Verlässlichkeit der Piloten. Zwar waren gestern bei Germanwings oder Lufthansa keine aussergewöhnlichen Stornierungszahlen zu registrieren. Dennoch führt eine solche Katastrophe zu einem Imageverlust – zumindest, bis die Absturzursache zweifelsfrei geklärt ist.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte gestern mit schwerer Stimme: «Mein Besuch auf der Unfallstelle hat mir brutal vor Augen geführt, was wir alle bei Lufthansa wissen: Flugsicherheit ist keine Selbstverständlichkeit.» Der Unfall treffe den Konzern hart. «Wir scheuen keine Kosten und keinen Aufwand, wenn es um die Erhöhung der Flugsicherheit geht.»

«Andere sind schlanker»

Das Unglück trifft den Mutterkonzern der Swiss zudem in einer schwierigen Phase der Umstrukturierung. Die Airline steht von allen Seiten unter Druck. Billiganbieter wie Ryanair oder Easyjet bringen Lufthansa mit ihren supergünstigen Ticketpreisen vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke in Europa in Bedrängnis. Und auch auf der Langstrecke kann es Lufthansa preislich nicht mit Fluglinien wie Etihad, Qatar oder Emirates aufnehmen.

«Die Lufthansa kämpft momentan an mehreren Fronten», sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt gegenüber der «Nordwestschweiz». «Der Konzern befindet sich in einem Strukturwandel und im Streit mit seinen Piloten. Zudem sind die Betriebskosten je Passagierkilometer bei Lufthansa zu hoch. Die Strukturen sind bei anderen Airlines einfach schlanker.»

Fürstliche Löhne für Piloten

Der Konzern mit Kranich habe Altlasten, sagt Grossbongardt. «Bei der Lufthansa werden den Piloten sehr fürstliche Gehälter bezahlt. Das ist eine Politik aus den 1980er- und 90er-Jahren, als fast alle Airlines staatlich waren und Riesengehälter bezahlt wurden. Heute liegen die Pilotenlöhne bei der Lufthansa um ein Vielfaches über den Gehältern der Billig-Anbieter.»

Wie schwer Abstürze Fluggesellschaften treffen können, verdeutlichen etliche Beispiele: Die Zukunft der im letzten Jahr gleich von zwei schweren Katastrophen heimgesuchten Malaysia Airlines ist ungewiss. Dramatisch war die Entwicklung auch bei der einst grössten Airline der Welt, der Pan American World Airways (Pan Am). Nach dem Attentat von Lockerbie, bei dem am 21. Dezember 1988 die 270 Passagiere einer Pan-Am-Maschine starben, geriet die Airline in so schwere Turbulenzen, dass sie nur noch bis 1991 durchhalten konnte. Einen Image-Verlust hatte 1998 auch die Swissair zu verkraften, als sie eine MD 11 über Halifax verlor. Auch wenn der Absturz nicht für das spätere Grounding der Airline verantwortlich war.