Slowakei
Nach Journalistenmord: Präsident fordert Neuwahl oder Regierungsumbildung

Präsident fordert spürbare Veränderungen. EU schickt Delegation nach Bratislava.

Simon Pfeuti und Thomas Paul
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Der Mord am slowakischen Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und an seiner Verlobten rief in der Öffentlichkeit eine grosse Anteilnahme hervor. (Archivbild)

Der Mord am slowakischen Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und an seiner Verlobten rief in der Öffentlichkeit eine grosse Anteilnahme hervor. (Archivbild)

FELIPE TRUEBA

Nach der Ermordung des Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak in der Slowakei hat Präsident Andrej Kiska vorgezogene Neuwahlen oder eine umfassende Regierungsumbildung gefordert. «Ich sehe jetzt diese beiden Lösungen: eine grundlegende Regierungsumbildung oder vorgezogene Wahlen», sagte Kiska am Sonntag in einer TV-Ansprache mit Blick auf landesweite Proteste nach der Ermordung Kuciaks.

Der 27-jährige Journalist, der viele Artikel über Korruption veröffentlicht hatte, war vor Wochenfrist mit seiner Verlobten erschossen aufgefunden worden. Kuciak hatte vor seiner Ermordung an einem investigativen Bericht zum Einfluss der italienischen Mafia auf die slowakische Regierung gearbeitet.

Der Enthüllungsjournalist warf engen Mitarbeitern von Regierungschef Robert Fico Verbindungen zu italienischen Geschäftsleuten vor, die mit der süditalienischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta in Kontakt stehen sollen. Fico steht nach dem Mord unter Druck. Die Partei Most Hid, die zu seiner Drei-Parteien-Koalition gehört, kündigte an, am nächsten Montag über ein Ende zu beraten. Fico warf der Opposition vor, den Mord an dem Journalisten zu instrumentalisieren, um Proteste zu schüren und an die Macht zu gelangen.

Brüssel hat Fragen

Zudem wurde am Wochenende bekannt, dass auch eine EU-Delegation Ermittlungen zum Doppelmord aufnehmen soll. Acht Vertreter des EU-Parlaments werden laut «Welt am Sonntag» am Mittwoch nach Bratislava reisen und Infos über die Tat und deren Hintergründe sammeln. Auch Gespräche mit Premier Fico, Ministern und regierungskritischen Journalisten seien geplant.

Festgenommene sind wieder frei

Am Wochenende liess die slowakische Polizei sieben zwischenzeitlich festgenommene Verdächtige wieder frei. Laut Medienberichten handelte es sich um Italiener, die in den Recherchen des Ermordeten vorgekommen waren. Einer von ihnen soll in der unvollendeten letzten Reportage Kuciaks als wichtigster Drahtzieher eines angeblichen italienischen Mafia-Netzwerks in der Slowakei auftauchen. Peter Bardy, Chefredaktor von Kuciaks Arbeitgeber «aktuality.sk», appellierte derweil an die EU, demokratische Institutionen in der Slowakei zu schützen.(sda/nch)