Nach Trump-Besuch bei der EU: Leicht wird es nicht

Remo Hess zu den Auswirkungen des Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Ratspräsident Donald Tusk.

Remo Hess, Brüssel
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Remo Hess, Brüssel-Korrespondent der Luzerner Zeitung. (Bild: pd)

Remo Hess, Brüssel-Korrespondent der Luzerner Zeitung. (Bild: pd)

Nervös – so konnte die Stimmung in Brüssel beim Besuch von Donald Trump beschrieben werden. Kein Wunder, bei einem US-Präsidenten, der die Nato als «überflüssig» bezeichnet hat und den Brexit als «grossartige Sache» pries. Immerhin: Dafür, dass Trump multilateralen Bündnissen offene Geringschätzung entgegenbringt, nahm er erstaunlich früh an einem ebensolchen Treffen teil.

Doch nach gestern bleibt die endgültige Gewissheit, dass es nicht einfach werden wird mit Trump. Der neue Anführer der freien Welt hielt seinen Nato-Verbündeten eine regelrechte Standpauke. Seine Forderung, die Verteidigungsbudgets müssten möglichst sofort auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung angehoben werden, wird dabei kaum so einfach zu erfüllen sein. Für Deutschland beispielsweise würde das beinahe eine Verdoppelung des Verteidigungsetats bedeuten.

Die Europäer verstehen das Zwei-Prozent-Ziel aber sowieso nicht absolut, sondern eher als Richtungsentscheid. Vorhaltungen, die Nato-Staaten würden den USA noch so und so viele Milliarden Dollar schulden, stossen dabei auf wenig Verständnis. «Die Nato ist nicht eine Bank, bei der man seinen Anteil einzahlt», heisst es aus Diplomatenkreisen.

Davon abgesehen blieb Trump auch gestern sein Bekenntnis zur Nato-Beistandsgarantie, dem eigentlichen Ehegelübde, schuldig. Seine Impulsivität und Selbstbezogenheit macht die Sache nicht einfacher. Sie droht zum Risikofaktor in den transatlantischen Beziehungen zu werden. Die Frage lautet, ob Trump das Vokabular der Diplomatie so weit lernen kann (und will), dass man dereinst miteinander reden kann.

Remo Hess, Brüssel

nachrichten@luzernerzeitung.ch