Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Nach Verhaftungswelle droht «intensive Kapitalflucht»

Michael Wrase

Korruptionskampf Die frohe Botschaft kam aus Washington. Per Twitter versicherte der US-amerikanische Präsident dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman seine uneingeschränkte Unterstützung im Kampf gegen die Korruption. «Sie wissen genau, was sie tun», kommentierte Donald Trump die in der Nacht zum Sonntag begonnene Verhaftungswelle in Saudi-Arabien, welche nach den ­Worten des saudischen Generalstaats­anwalts, Scheich Saud Al-Mojeb, «erst der Anfang eines vitalen Prozesses zur Ausrottung der Korruption ist». Einige der ­Festgenommenen, fügte Trump hinzu, hätten ihr Land seit Jah­-ren «gemolken», weshalb nun «scharf» gegen sie vorgegangen werden müsse.

Nüchtern betrachtet hatte – und hat – die gesamte saudische Königsfamilie in den letzten Jahrzehnten ihr mit Erdöl gesegnetes Wüstenreich hemmungslos «gemolken», es ohne mit der Wimper zu zucken als eine Art Selbstbedienungsladen betrachtet – was für Trump vermutlich kein Widerspruch sein dürfte. Der Vorwurf der Korruption und Selbstbereicherung trifft daher nicht nur auf jene 50 hochrangigen Prinzen, Minister und Ex-Minister zu, die vor drei Tagen in Riad verhaftet worden sind. Erst im Dezember letzten Jahres hatte der Saudi-Kronprinz mit dem Kauf einer 500 Millionen Euro teuren Motorjacht geprahlt, deren Vorbesitzer der russische Wodka-Produzent Yuri Scheffler war.

Privatsektor ist extrem verunsichert

Der Deal, der mit Mitteln aus dem nichttransparenten königlichen Haushalt beglichen wurde, zeigt, dass es MBS, wie Mohammed bin Salman genannt wird, in Wirklichkeit nicht um die Bekämpfung der endemischen Korruption in seinem Land geht, sondern vorrangig um die Festigung seiner Macht. Zur Verwirklichung seines hoch ambitionierten Reformprogramms, der «Vision 2030», sollen alle internen Kritiker jetzt mundtot gemacht werden. Dass diese nun ausgerechnet im Riz Carlton Hotel von Riad, in dem MBS erst vor gut zwei ­Wochen seine hochtrabenden Zukunfts- pläne einer Gruppe von schwerreichen Privatinvestoren vorgestellt hatte, festgesetzt wurden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schliesslich ist das zukunftsgewandte Saudi-Arabien auf die Milliarden der Privatwirtschaft angewiesen. Mit der Verhaftung der saudischen Minister und Prinzen, unter denen mit Prinz Walid bin Talal einer der reichsten ­Männer der Welt ist, dürfte MBS ­jedoch das Gegenteil erreichen. Der Privatsektor im Land, befürchtet nicht nur das Genfer Unternehmen Mirabaud Securities, sei gegenwärtig extrem verunsichert. Zumindest kurzfristig sei daher mit einer «intensiven Kapitalflucht» zu rechnen, Milliarden, die für die «Vision 2030» fehlen würden.

Kronprinz gilt als «impulsiv und arrogant»

Ob sich der politisch unerfahrene saudische Kronprinz dessen bewusst ist, bleibt abzuwarten. Es wäre aber nicht das erste Mal gewesen, dass MBS völlig irrational handelt: Das erschreckendste Beispiel für die vom deutschen Auslandsgeheimdienst einmal als «impulsiv und arrogant» beschriebene Vorgehensweise des 32-jährigen Saudis ist der Jemenkrieg. Der zweieinhalbjährige Konflikt im südlichen Nachbarland kostete mehr als Zehntausend Jemeniten und fast 600 saudische Soldaten das Leben. Über die monatlichen Milliardenkosten wird Stillschweigen bewahrt. Kritiker des sinnlosen ­Waffenganges werden verhaftet. ­Zeitgleich soll Saudi-Arabien im Rekordtempo in die Zukunft katapultiert, eine extrem konservative Gesellschaft, auf deren Wohlwollen sich das saudische Königshaus seit seiner Gründung stützen konnte, per Dekret geöffnet und modernisiert werden.

«Derart dramatische Veränderungen werden ganz zwangsläufig auf Widerstand stossen», erwartet Jane Kinninmont vom Londoner Think Tank Chatham House. Die in den letzten Jahrzehnten geschaffene «Herrschaft der Dynastien» könne nicht über Nacht in eine «zentralistische Monarchie» verwandelt werden. Damit zerbreche MBS das saudische Regierungsmodell und gefährde die Stabilität seines Landes, urteilt die Politologin.

Michael Wrase

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.