EU-Vermittlung

Nach Zug-Provokation: Serbien und Kosovo bemühen sich um Normalität

Erst lassen sie die Situation eskalieren, nun sind sie wieder um eine Normalisierung der Beziehungen bemüht: die Regierungen von Serbien und Kosovo. Der umstrittene Zug spielt dabei eine Nebenrolle.

Drucken
Teilen
Serbischer Provokationszug - jetzt ist wieder Normalität angesagt
7 Bilder
Ein mit Bildern serbisch-orthodoxer Ikonen bebilderter Wagen.
Auf dem Zug steht in mehreren Sprachen, dass Kosovo ein Teil Serbiens ist. De facto ist Kosovo seit 2008 unabhängig.
Der Serbische Premierminister Aleksandar Vucic provoziert und schürt einen Konflikt.
Ein mit Bildern serbisch-orthodoxer Ikonen bebilderter Wagen.
Der Zug mit der Aufschrift "Kosovo ist Serbien" in mehreren Sprachen startete am Samstag vom Hauptbahnhof in Belgrad. Für die kosovarische Regierung handelt es sich um ein Einmischung, welche die Souveränität Kosovos bedrohe.
Ein mit Bildern serbisch-orthodoxer Ikonen bebilderter Wagen.

Serbischer Provokationszug - jetzt ist wieder Normalität angesagt

EPA

Angesichts der jüngsten Spannungen wollen Serbien und das Kosovo die Bemühungen um eine Normalisierung ihrer Beziehungen verstärken. Darauf verständigten sich am Dienstagabend in Brüssel Kosovos Staatschef Hashim Thaci und Regierungschef Isa Mustafa mit ihren serbischen Kollegen Tomislav Nikolic und Aleksandar Vucic.

Nach 18-jähriger Unterbrechung wollte Serbien vor einer Woche den Zugverkehr nach Kosovo wieder aufnehmen - mit einem Propagandazug in den serbischen Nationalfarben. Nach heftigen Reaktionen der Kosovaren stoppte Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic den Zug jedoch vor der Grenze zu Kosovo. Die serbische Provokation mag innenpolitisch motiviert gewesen sein – die serbische Regierung muss sich ihre Legitimation bis weit ins nationalistische Lager hinein sichern –, dennoch sorgte die Aktion in Kosovo für grosse Aufregung.

Federica Mogherini ermutigt

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich ermutigt von den Gesprächen: Beide Seiten hätten "vereinbart, ihre Spannungen hinter sich zu lassen und sich auf die vor ihnen liegende Arbeit zu konzentrieren", sagte sie.

Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Pristina und Belgrad ist Voraussetzung für den von Serbien angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Auch Kosovo strebt die Aufnahme in die EU an. Die Gespräche über eine Normalisierung des Verhältnisses beider Seiten begannen 2011. Zuletzt hatten die Beziehungen jedoch einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Die zu mehr als 90 Prozent von ethnischen Albanern bewohnte ehemalige serbische Provinz war nach dem Kosovo-Krieg der Jahre 1998 und 1999, bei dem 13'000 Menschen starben, unter internationale Verwaltung gestellt worden. Im Jahr 2008 erklärte sich das Kosovo einseitig für unabhängig von Serbien.

Die serbische Regierung und die Kosovo-Serben erkennen die Unabhängigkeit jedoch nach wie vor nicht an. Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land wird jedoch von mehr als hundert Staaten anerkannt, darunter die meisten EU-Länder und die USA.