Al Kaida
Nachfolger von Osama Bin Laden: Wer ist Al-Sawahiri?

Der ägyptische Staranwalt Montasser al-Zayat erklärt, wer der neue Chef der Terroristenorganisation Al Kaida ist und sagt, was von Al Sawahiri zu erwarten ist.

Michael Wrase, Limassol
Drucken
Teilen
Die langjährige Nummer zwei von al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, posiert 1998 mit Osama Bin Laden. ap/key

Die langjährige Nummer zwei von al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, posiert 1998 mit Osama Bin Laden. ap/key

Für den ägyptischen Staranwalt Montasser al-Zayat ist die Ernennung von Aiman al-Sawahiri zum neuen Anführer von al-Kaida keine Überraschung. «Dr. Aiman war schon immer das Gehirn des Terrornetzwerkes», behauptete der in Kairo lebende Jurist in einem Gespräch mit der az. «Er ist es, der Ideen entwickelte und auch in der Lage war, sie umzusetzen. Ohne die Hilfe der von Aiman angeworbenen Leute hätte Bin Ladens Gruppe den Terroranschlag auf das World Trade Center und andere Ziele gar nicht ausführen können.»

Gemeinsame Schulzeit

Al-Zayat, der heute den vermutlich von der CIA aus Mailand nach Ägypten entführten Hassprediger Abu Omar verteidigt, kennt al-Sawahiri bereits aus seiner Schulzeit. Der 61-jährige Ägypter sei schon damals ein «brillanter Denker» gewesen. Der Enkel des ersten Vorsitzenden der Arabischen Liga studierte Medizin und arbeitete zunächst als Chirurg in der ägyptischen Armee. Für den ägyptischen Roten Halbmond reiste al-Sawahiri, der inzwischen der Islamistengruppe Dschihad Islami beigetreten war, im Jahre 1980 nach Pakistan. Dort lernte er auch Bin Laden kennen.

Verhaftet und gefoltert

Nach dem Attentat auf den ägyptischen Staatspräsidenten wurde al-Sawahiri für drei Jahre verhaftet und in dieser Zeit schwer gefoltert. Der neue Kaida-Kommandant teile seine Zelle mit Montasser al-Zayat, der ebenfalls zu den Verdächtigen gehörte, wie al-Sawahiri aber freigelassen wurde, weil man ihnen eine Beteiligung an dem Attentat nicht nachweisen konnte.

Im Gefängnis wurde Bin Ladens langjährige rechte Hand zum Extremisten. «Er gelangte zu der Überzeugung, dass nur mit der Anwendung von brutalster Gewalt der Umsturz von politischen Systemen in der arabischen Welt erreicht werden kann», erinnert sich al-Zayat, der den «manischen Hass» seines «Freundes Aiman» scharf verurteilt.

Bin Ladens Chefplaner

«Der Chefplaner von Bin Laden» sei ein Mann «mit grossen Fähigkeiten in vielen Bereichen. «Sein Problem ist, dass man ihn sehr leicht beeinflussen, für die so fatale Logik begeistern konnte», kritisiert al-Zayat, der über Mitglieder von Sawahiris Familie in Kairo noch immer «indirekten Kontakt» zu dem neuen Topterroristen hält. Sawahiri pendelt seit 1985 zwischen Afghanistan und den afghanischen Stammesgebieten, wo er nach Angaben eines lokalen Korrespondenten von Al-Jazeera «hohes Ansehen» geniesse. Al-Sawahiri sei ein «Mann der Tat, ein Lenker von Schlachten».

Seine Ernennung zum neuen «Amir» von al-Kaida durch den «allgemeinen Führungsrat» des Terrornetzwerkes erfolgte offenbar einstimmig. Abzuwarten bleibt, ob sich die weit verzweigten Mitglieder und Anhänger der Terrorgruppe mit al-Sawahiri anfreunden können. Der im Kairoer Nobelvorort Maadi geborene Ägypter mag ein guter Organisator und nach Aussagen des Anwaltes Montasser al- Zayat auch ein «brillanter Ideologe» sein. Was Aiman al-Zawahiri jedoch fehle, sei das Charisma, die «Strahlkraft eines Osama Bin Laden».

Miserabler Redner

Der neue Chefpate des internationalen Terrors ist im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger ein miserabler Redner. Seine zahlreichen Videobotschaften sind langatmig und für das Fussvolk von al-Kaida meist nur schwer verständlich. Überdies wird al-Sawahiri als besserwisserisch und streitsüchtig beschrieben. «Dennoch wäre aber fatal, ihn zu unterschätzen», warnt Montasser al-Zayat und erinnert noch einmal an die «zweifellos von al-Sawahiri vorbereiteten Terroranschläge des 11. September 2001».