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Namibia berät über Landreform

Simbabwe, Südafrika und nun Namibia: In Afrikas Süden wollen Regierungen die ungerechte Verteilung von Grund und Boden aufarbeiten. Über zwei Drittel des namibischen Agrarlandes gehört der weissen Minderheit.
Markus Schönherr, Kapstadt
Ein dunkelhäutiger Arbeiter auf dem Hof eines weissen Farmers nahe der simbabwischen Hauptstadt Harare. (Bild: D. Kitwood/Getty (1. August 2018)

Ein dunkelhäutiger Arbeiter auf dem Hof eines weissen Farmers nahe der simbabwischen Hauptstadt Harare. (Bild: D. Kitwood/Getty (1. August 2018)

Gestern startete in Namibia die lang erwartete «nationale Landkonferenz». Die ehemalige deutsche Kolonie (1884–1915) gilt heute als einer der stabilsten Staaten Afrikas. Doch der Frieden wackelt, davor warnt niemand geringerer als der Staatschef selbst: Präsident Hage Geingob zufolge sei Namibias Stabilität erst nachhaltig, wenn offene Kolonialwunden verarztet seien. Immer noch befinden sich knapp 70 Prozent von Namibias Agrarland in den Händen der weissen Minderheit, auf die schwarze Mehrheit entfallen gerade einmal 16 Prozent.

«Richtig, sie kamen vor über 100 Jahren und stahlen unser Land. Jedoch hat auch ein weisser Junge, der auf diesem Boden geboren wurde, namibisches Blut.» Mit dieser Aussage stiess Geingob vor kurzem viele Namibier, allen voran seine politischen Gegner, vor den Kopf. Der Präsident weigert sich, den populistischen Stimmen nachzugeben, die entschädigungslose Enteignungen weisser Farmer fordern. «Gescheitert und frustriert» seien laut ihm jene Politiker, die Emotionen mit Bezug zu kolonialen Missständen schürten. Allerdings: Genau diese Politiker machen dem 77-Jährigen zunehmend das Leben schwer.

Indirektes Schuldeingeständnis

«Wir haben einen funktionierenden Plan. Wir werden uns dieses Land nehmen!», skandierte kürzlich der Anführer der Oppositionspartei Swanu, Usutuaije Maamberua. Er und andere Kritiker sehen die Mission der regierenden Swapo, 43 Prozent des Landes bis 2020 an schwarze Namibier zurückzugeben, als gescheitert. Knapp drei Jahrzehnte nach Erlangung der Unabhängigkeit ist gerade erst die Hälfte des Ziels erreicht.

Laut John Mendelsohn, Gründer des interdisziplinären Forschungsinstituts Raison in Windhoek, bleibt die Landfrage historisch betrachtet eine «dornige Angelegenheit». Nicht nur für Namibia, sondern vor allem für Deutschland. Bis 1915 stand die Kolonie «Deutsch-Südwestafrika» unter kaiserlicher Aufsicht. Erst im Zuge des Ersten Weltkriegs fiel das Gebiet an das heutige Südafrika. «Deutschland startete die Landenteignungen und war verantwortlich für den Völkermord», so Mendelsohn. Zudem, so scheine es zumindest in Namibia, sei Deutschland bereit, «für seine historischen Fehler zu bezahlen» – etwa in Form von überdurchschnittlicher Entwicklungshilfe. Dies komme indirekt einem Schuldeingeständnis gleich, meint Mendelsohn. «Südafrika, im Gegenzug, war nie zu Zahlungen bereit. Deshalb gibt es so gut wie keine Diskussionen über Südafrikas Rolle bei den Vertreibungen.»

Südafrika, seit 1994 demokratisch regiert, hat seine eigenen Probleme. Auch dort befindet sich der Grossteil fruchtbaren Bodens weiter in weissen Händen. Seit Jahresbeginn brodelt es gewaltig, nachdem sich der re-gierende ANC im Parlament für Landenteignungen ohne Entschädigungen ausgesprochen hatte. Kritiker fürchten eine Verschlechterung der Wirtschaft und Ernährungssicherheit. Darüber hinaus spaltet das Thema die Nation: Beobachter sehen den Zusammenhalt zwischen Schwarz und Weiss in Gefahr.

Namibias Ministerpräsidentin Saara Kuugongelwa-Amadhila wünscht sich daher eine «objektive Debatte mit dem Ziel, eine freundschaftliche und machbare Lösung für die Landfrage zu finden». Zu der «Landkonferenz» in Windhoek wurden über 500 Delegierte erwartet, darunter 27 ausländische Botschafter. Kritik kam im Vorfeld jedoch von Aktivisten. Ihnen zufolge sei der Gipfel nicht inklusiv genug, soll heissen: Statt sich mit Betroffenen auszutauschen, gibt sich bei dem Landgipfel lediglich Namibias Politelite die Klinke in die Hand.

Bei 90 Prozent der Teilnehmer handelt es sich Berichten zufolge um Regierungspolitiker. Aktivisten und Oppositionsparteien riefen deshalb am Wochenende zu einer Demonstration gegen die von der Regierung organisierte «Heuchelei» auf. Wie geht es weiter für das karge Land, in dem Deutsch bis dato eine offizielle Minderheitensprache ist? Experte Mendelsohn glaubt nicht, dass es zu entschädigungslosen Landenteignungen kommen wird. Denn nicht zuletzt würden dadurch auch «viele Owambos ihr Land verlieren».

«Es geht um Macht und Reichtum»

Diese Volksgruppe dominiert seit der Unabhängigkeit 1990 die Regierung. Andere Ethnien werfen ihnen Selbstbereicherung vor. Verlangten nun etwa Vertreter der Herero oder Nama ihr Ahnenland zurück, hätten sie kaum Argumente. In diesem Kontext schreibt auch die Zeitung «Namibian Sun», dass sich die Landdebatte vorwiegend um die «Politik von Boden» drehe: «Eine hübsche, freundliche Art zu sagen, dass es hier um Macht und Reichtum geht.»

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