Spanien
Nationalfeiertag in Spanien: Das Land ist gespaltener denn je

Der Nationalfeiertag, der am Mittwoch mit einer grossen Militärparade in Madrid begangen wurde, soll das Königreich einen. Doch das Land hat derzeit ziemlich wenig Grund zum Feiern.

Ralph Schulze, Madrid
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Die spanische Königsfamilie bei der Parade zum Nationalfeiertag: König Felipe, Königin Letizia und die Prinzessinnen Leonor und Sofia.

Die spanische Königsfamilie bei der Parade zum Nationalfeiertag: König Felipe, Königin Letizia und die Prinzessinnen Leonor und Sofia.

KEYSTONE

Die Einzigen, die auf der Ehrentribüne halbwegs vergnügte Gesichter machten, waren die 10-jährige Leonor und ihre ein Jahr jüngere Schwester Sofía. Die beiden Töchter von Spaniens König Felipe und Königin Letizia wippten im Takt der Marschmusik, als die 3500 Soldaten bei der grossen Militärparade auf der Prachtallee Castellana in Madrid vorbeizogen.

Um die Prinzessinnen herum sah man ernste und bedrückte Mienen. Nicht nur, weil der strömende Regen den einstündigen Marsch zu einer harten Probe machte. Sondern auch, weil die Nation an ihrem höchsten Feiertag, der eigentlich das Volk einen soll, tief zerstritten ist. Am 12. Oktober 1492 landete der Seefahrer Kolumbus, der im Auftrag der spanischen Krone unterwegs war, in Amerika.

Katalanen feiern nicht mit

Der Bruch der Nation spiegelte sich an diesem «Spanientag» in der Abwesenheit des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont, der gerade erst wieder verkündete, dass er Katalonien von Spanien abspalten wolle. Wenigstens 40 katalanische Gemeinden übten sich schon mal in zivilem Ungehorsam. Sie weigerten sich, einen Feiertag einzulegen, und öffneten ihre Amtsstuben mit der Begründung: «Wir haben nichts zu feiern.»

Die Bürgermeisterin der katalanischen Stadt Badalona, Dolors Sabater, rügte, dass der Tag zu Ehren von Kolumbus «koloniale Werte» widerspiegele. Neben den Katalanen verzichteten auch die Ministerpräsidenten der Regionen Baskenland und Navarra darauf, bei der königlichen Militärparade dabei zu sein. Sie fühlen sich ebenfalls nicht in Spanien zu Hause und drängen auf mehr Autonomie. Allein in diesen drei Regionen leben mehr als zehn Millionen der etwa 46 Millionen Einwohner Spaniens.

Parade kostete 800'000 Euro

Pablo Iglesias, Spitzenmann des linksalternativen Bündnisses Podemos, der drittgrösste Partei des Landes, hatte ebenfalls keine Lust, bei der zackigen Parade, die den Steuerzahler rund 800 000 Euro kostet, mitzufeiern: «Einige glauben, zu einem Militärmarsch zu gehen, bedeutet, das Heimatland zu verteidigen. Wir verteidigen lieber das Vaterland, indem wir uns für öffentliche Krankenhäuser und öffentliche Schulen einsetzen.»

Manuela Carmena, die Podemos nahestehende Bürgermeisterin Madrids, liess sich entschuldigen, um den früheren spanischen Kolonialstaaten Kolumbien und Ecuador einen Freundschaftsbesuch abzustatten. An einem ihrer Bezirksrathäuser in der City Madrids wehte derweil eine Flagge des indigenen Widerstands gegen die spanischen Kolonialherren.

So blieb das Polit-Establishment aus konservativer Volkspartei und Sozialistischer Arbeiterpartei unter sich – wenn auch nicht in bester Verfassung: Der konservative Parteichef Mariano Rajoy steht seit 300 Tagen nur einer provisorischen Regierung vor, weil er es nicht schafft, die Mehrheit des Parlamentes für sich zu gewinne; sein Ruf ist durch Korruptionsskandale belastet. Die sozialistische Opposition ist derweil führerlos und heillos zerstritten.

Das Königreich hat also derzeit ziemlich wenig Grund zum Feiern: Spanien, so kommentierte der prominente Journalist Iñaki Gabilondo, habe am Nationalfeiertag «ein trauriges Bild» geboten.