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Nawalny ist zurück: Nicht einmal das russische Nervengift kann den Kreml-Kritiker stoppen

Vier Wochen nach dem Giftanschlag meldet sich der russische Oppositionelle mit einer ermutigenden Botschaft auf Instagram

Samuel Schumacher
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«Hallo, hier ist Nawalny. Ich habe euch vermisst», schrieb der 44-jährige russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny am Dienstagmittag auf Instagram an seine 1,7 Millionen Follower. «Ich kann noch immer fast nichts machen, aber ich habe gestern den ganzen Tag selbstständig geatmet, ganz ohne Hilfe», schrieb Nawalny unter das Foto, das ihn – sichtlich geschwächt aber aufrecht sitzend – in seinem Spitalbett in der Berliner Charité zeigt. Gestützt wird er von seiner Frau Julia.

Nawalny wurde Mitte August auf einer Dienstreise in Sibirien mit dem russischen Kampfstoff Nowitschok vergiftet und lag seit dem 22. August im Berliner Spital im künstlichen Koma.

Politische Erfolge trotz künstlichem Koma

Der Giftanschlag auf den beim Kreml verhassten Oppositionellen hat das angespannte Verhältnis zwischen Europa und Russland zusätzlich belastet. Die EU und fast alle europäischen Staatschefs forderten Russland auf, den Vorfall lückenlos aufzuklären. Im Verdacht steht die russische Führungsriege selbst, die laut Experten als einzige überhaupt Zugriff auf den hochaggressiven Giftstoff Nowitschok Zugriff hat.

Bei den Regionalwahlen am Sonntag konnte Nawalny einige Erfolge verbuchen. Gemeinsam mit seinem Team hatte er in den vergangenen Jahren die Methode «Kluges Wählen» entwickelt, die für jeden Wahlbezirk ausrechnet, welche Kandidaten die besten Chancen haben, den lokalen Vertreter der Regierungspartei «Einiges Russland» zu schlagen. Nawalny rief zuletzt bei seiner Reise durch Sibirien die Bevölkerung dazu auf, von der Methode Gebrauch zu machen. In den beiden Städten Nowosibirsk und Omsk, wo er mutmasslich vergiftet wurde, haben Nawalny-Kandidaten tatsächlich altgediente Putin-Freunde aus dem Amt vertreiben können.