Anschlag Boston
Neben ihm explodiert die Bombe, doch er läuft den Marathon zu Ende

Es war sein dritter Marathon. Der 78-jährige Bill Iffrig brach kurz vor der Ziellinie von der Macht der Detonation zusammen, schaffte es danach aber unverletzt übers Ziel. Iffrig gilt als einer der besten Läufer seiner Altersklasse.

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Bill Iffrig läuft Boston-Marathon trotz Bomben zu Ende
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Bill Iffrig lässt sich helfen, steht auf und wird den Marathon zu Ende laufen, wie er später erzählt.
Zahlreiche Läufer lassen sich von den Bomben nicht abhalten und laufen trotzdem ins Ziel.

Bill Iffrig läuft Boston-Marathon trotz Bomben zu Ende

Keystone

Es fehlen wenige Meter bis zum Ziel, 26 Meilen hat er schon geschafft. Auf seinem orangenfarbenen T-Shirt prangt die Nummer 19200, es ist ärmellos und entblösst muskulöse Oberarme.

Doch dann bricht der Mann zusammen, und erst da wird klar, dass es sich um einen wirklich älteren Läufer handeln muss. Der Mann, der da am Boden liegt, heisst Bill Iffrig, ist 78 Jahre alt, und er ist einer der besten Marathonläufer seiner Altersklasse in den USA. Es ist sein dritter Marathon in Boston.

«Es hörte sich an wie eine Bombe»

Im Interview mit dem Boston Herald erklärt der aus Lake Stevens stammende Iffrig: «Ich wusste gar nicht, was mir geschah. Ich hörte einen ganz schrecklichen Lärm und fand mich am Boden wieder. Ich wusste nicht, was geschehen ist. Es hörte sich an wie - eine Bombe», erklärt er. «Und es passierte nur wenige Meter neben mir. Es war wahnsinnig laut.»

Ein Sicherheitsbeamter des Marathons hilft Iffrig beim Aufstehen. Iffrig geht mit ihm die paar Meter bis über die Ziellinie. Sein Chip zeigt: «4 Stunden, 3 Minuten, 47 Sekunden.»

Im Hotelzimmer erklärt der pensionierte Maurer den Reportern: «Wenn man 26 Meilen hinter sich hat, hört man so kurz vor der Ziellinie nicht auf.»

Auf dem Video zu sehen sind mehrere Läuferkollegen, die trotz des Bombenanschlags einfach weiterrennen. Iffrig trägt keine Verletzungen davon, der Schock der Detonation sei der einzige Schaden gewesen.

Über 46 000 Meilen auf dem Buckel

Aus dem Augenwinkel registriert habe er «etwas, was wohl wie den Rest einer Bombe ausgesehen» habe. Es hätte ausgesehen wie eine Kaffeekanne. «Dann gabs extrem viel Rauch, und ich konnte nicht viel sehen.»

Erst im Hotelzimmer realisert er, was geschehen ist. «Es war ganz knapp, Mann», erklärt er dem Reporter des Herald. Ich kann dir sagen, ich hatte wirklich Angst.»

Iffrig begann Ende der 70er Jahre mit dem Laufen, um für sein eigentliches, erstes Hobby fit zu sein: Dem Klettern. Nachdem er dafür zu alt wurde, trainierte der gelernte Maurer einfach weiter.

Im Jahr 2009 gewann er den nationalen Wettbewerb «USA Track and Field Cross Country», an dem er 10 Kilometer in 44 Minuten und 48 Sekunden lief.

Iffrig sagt, er hätte jeden Kilometer und jede Meile seines Trainings registriert - bis heute wären es mehr als 46'000. «Es gibt nicht viele ältere Männer, die schneller sind als ich.» (cls)