NEPAL: Ärztepaar inmitten des Bebens

Müde von ihrem Einsatz in einem Ohren-Camp fuhren Mercedes und Hans Peter Ogal am Samstag zum Flughafen dann wurden sie vom Erdbeben überrascht.

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Nepalesische Soldaten nehmen Hilfsgüter in der Nähe des Bezirks Gorkha in Empfang. Dort befand sich das Epizentrum des Bebens vom Samstag. (Bild: AP/Wally Santana)

Nepalesische Soldaten nehmen Hilfsgüter in der Nähe des Bezirks Gorkha in Empfang. Dort befand sich das Epizentrum des Bebens vom Samstag. (Bild: AP/Wally Santana)

Silvia Camenzind

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind etwa acht Millionen Menschen von dem schweren Erdbeben in Nepal betroffen. So viele Menschen, wie die Schweiz Einwohner hat. Unter ihnen waren auch Mercedes und Hans Peter Ogal. Die beiden Ärzte aus Brunnen wurden nach einem humanitären Einsatz auf dem Weg zum Flughafen vom Erdbeben überrascht.

Nach dem gewaltigen Himalaya-Erdbeben mit Tausenden Toten hat Nepals Regierung drei Tage Staatstrauer angeordnet. (Bild: Keystone)
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Die Regierung erklärte ausserdem erstmals öffentlich, trotz Warnungen nicht ausreichend auf das Beben vorbereitet gewesen zu sein. (Bild: Keystone)
«Wir haben nicht genügend Mittel, und wir brauchen mehr Zeit, um alle zu erreichen», erklärte Innenminister Bam Dev Gautam im staatlichen Fernsehen. (Bild: Keystone)
Die Behörden hätten Schwierigkeiten, die Krise zu meistern. (Bild: Keystone)
«Wir waren auf ein Desaster dieses Ausmasses nicht vorbereitet», sagte er. (Bild: Keystone)
Selbst in der Hauptstadt Kathmandu beschwerten sich zahlreiche Menschen. (Bild: Keystone)
«Wir leben hier auf der Strasse, ohne Essen und Wasser, und wir haben in den vergangenen drei Tagen (seit dem Beben) keinen einzigen Beamten gesehen», sagte ein Mann, der mit seiner Familie im Freien campierte. (Bild: Keystone)
Die Stromversorgung war zusammengebrochen, sodass weder Wasserversorgung noch Telekommunikation gut funktionierten. (Bild: Keystone)
Auf der Suche nach Wasser und Nahrung sollen zehntausende Menschen schwer getroffene Kathmandu-Tal in Nepal verlassen haben. (Bild: Keystone)
Die nepalesische Zeitung «Himalayan Times» gab ihre Zahl am Dienstag mit mehr als 72'000 an. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
Auf Fotos waren Lastwagen und Busse voller Menschen zu sehen. (Bild: Keystone)
Die internationale Hilfe läuft auf Hochtouren. (Bild: Keystone)
Blick auf Kathmandu. (Bild: Keystone)
Nach den Erdbeben-Lawinen am Mount Everest sind fast alle Abenteurer ins Tal geflogen worden. Bislang wurden 205 Bergsteiger am höchsten Berg der Welt gerettet, wie der örtliche Polizeisprecher Bhanubhakta sagte. (Bild: Keystone)
Die Polizei sprach von 17 Menschen, die durch eine Lawine im Everest-Basislager gestorben seien. Ein Sprecher der Tourismusbehörde gab die Zahl mit mindestens 20 an. Das indische Militär, das bei der Rettungsaktion mithalf, sprach von 22 Toten. (Bild: Keystone)
Bergsteiger Daniel Mazur schrieb aus Camp 1 oberhalb des Basislagers: «Wir sind die letzten neun Sherpas und acht Kletterer am Everest.» (Bild: Keystone)
Die Helikopter-Landestelle liege auf 6100 Metern Höhe. «Sonnig und wolkenlos, aber das Warten ist schwer», teilte er via Twitter mit. (Bild: Keystone)
Mehr als 100 Bergsteiger sassen am Berg fest, weil die Aufstiegsroute - dazu gehören Leitern und Seile durch einen Gletscher - durch Lawinen zerstört worden war. (Bild: Keystone)
Gerettete Sherpas, die am höchsten Berg der Welt im Einsatz waren. (Bild: Keystone)

Nach dem gewaltigen Himalaya-Erdbeben mit Tausenden Toten hat Nepals Regierung drei Tage Staatstrauer angeordnet. (Bild: Keystone)

Das grosse Warten

«Wir waren rund hundert Meter vom Haupteingang vom Flughafen entfernt. Wir sassen im Taxi, mitten auf der Strasse», erzählt die Brunner Kinderärztin Mercedes Ogal. Zuerst hätten sie und ihr Mann während der Fahrt nicht realisiert, was los war. Sie hatten an einen Unfall gedacht, dann wurde das Auto während rund 90 Sekunden geschüttelt. Mercedes Ogal sah eine Kuh, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Sie sah Autos, die es ineinanderschob, und Menschen, die aus dem Flughafengebäude flohen. Danach kam die Angst vor Nachbeben, das grosse Warten auf den Abflug, das Schlafen im Freien, eine Nacht vor dem Hotel, die darauffolgende vor der Schweizer Botschaft.

Patienten auf später vertröstet

Seit gestern Vormittag ist das Brunner Ärztepaar wieder zu Hause. Müde und erleichtert. Mercedes und Hans Peter Ogal reisten 2013 zum ersten Mal mit dem Brunner Hals-Nasen-Ohren-Arzt Lukas Eberle in ein «Ear Camp» nach Nepal. Vom 14. bis 22. April waren die beiden Ärzte wieder in Nepal im Einsatz, diesmal in Rolpa, in einer der ärmsten Regionen im Mittelwesten. Sechs Ärzte waren im Einsatz, an drei Operationstischen wurde bis in die Nacht hinein nonstop operiert. Es konnten 1108 Patienten behandelt werden. 111 Menschen wurden an den Ohren operiert, einige dieser Operationen waren lebensrettend. 639 Hörtests und 317 Hörgeräteanpassungen wurden gemacht. So sehr sich das Ärzteteam einsetzt, der Strom von Menschen, die eine Behandlung nötig hätten, reisst während der Dauer eines solchen Camps nie ab. 146 Patienten, bei denen eine Operation erforderlich gewesen wäre, wurden medizinisch behandelt, mussten jedoch aus Kapazitätsgründen auf das Ear Camp im Herbst verwiesen werden. Der Brunner Hals-Nasen-Ohren-Arzt Lukas Eberle engagiert sich seit Jahren in Nepal. Seine Stiftung finanzierte das jüngste Ohren-Camp mit über 15 000 Franken.

Material für Nothilfe gepackt

Während die Ogals nach den Anstrengungen im intensiven Ear Camp vor dem Flughafen vom Erdbeben überrascht wurden, bepackten andere des Teams kurz entschlossen die Fahrzeuge mit neuem Material, um im Bezirk Gorkha, dem Epizentrum des Erdbebens, sofortige Hilfe zu leisten.