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Neu-Delhi ringt um Luft

Auch dieses Jahr kämpft Indiens Hauptstadt Neu-Delhi wieder mit hochgiftigem Smog. Obwohl die Luftverschmutzung Zigtausende krank macht, greifen die – ebenfalls hustenden – Politiker nicht durch.
Ulrike Putz, Singapur
Neu-Delhi leidet unter hochgiftigem Smog. Bild: EPA (Neu-Delhi, 8. November 2018)

Neu-Delhi leidet unter hochgiftigem Smog. Bild: EPA (Neu-Delhi, 8. November 2018)

Am Donnerstagmorgen ging über Neu-Delhi die Sonne nicht auf: Die Luftverschmutzung war so extrem, dass selbst am späten Vormittag nur Dämmerlicht durch die toxischen Schwaden drang und Autos mit Licht fuhren. Bis zu 526 Feinstaubpartikel von weniger als 2,5 Mikrometern pro Kubikmeter Luft verzeichneten die Messstationen an verschiedenen Stellen der 20-Millionen-Metropole. Das ist über 50 Mal höher als der Wert, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im jährlichen Mittel für unbedenklich hält.

Die winzigen PM 2,5 Partikel sind besonders gesundheitsschädlich, weil sie tief in die Lunge und teils sogar in die Blutbahn eindringen. Es sei denn auch «schwer gesundheitsschädlich», aus dem Haus zu gehen, warnten Medien die Einwohner.

Rauch bleibt wie unter einer Käseglocke

Überraschend kam die Umweltkrise nicht: Das hinduistische Lichterfest Diwali, das am Mittwoch begangen wurde, markiert seit einigen Jahren den Startschuss für eine neue, gefährliche Jahreszeit in Delhi. Weil das Fest mit dem Beginn einer winter­lichen Inversionswetterlage zusammenfällt, bleibt der Rauch der traditionell gezündeten Böller wie unter einer Käseglocke ­gefangen für viele Tage über der Grossstadt stehen.

Und während die Notaufnahmen der Spitäler sich mit nach Luft schnappenden Patienten füllen, fragen sich die Bürgerinnen und Bürger alle Jahre wieder, ­warum die Lage nicht etwa besser, sondern immer schlimmer wird: Immerhin atmen doch auch Indiens Politiker die Luft, die mit teils krebserregenden Partikeln gesättigt ist.

Dass in Indien dicke Luft herrscht, ist bestens belegt: Im Mai veröffentlichte die WHO eine Statistik, wonach von den 20 Städten mit der schlechtesten Luft weltweit 14 in Indien liegen. Delhi ist dabei ein Sonderfall: Während sich die miserable Luftqualität in den anderen indischen Städten durch dort ansässige Schwerindustrie erklären lässt, macht Delhi sein Status als boomende Hauptstadt zu schaffen.

Gigantische Dreckschleudern

Mit der Metropole wachsen ­deren Probleme: So werden jeden Tag etwa 1500 Autos neu angemeldet. Angesichts immer mehr Einwohner braucht es immer mehr Dieselruss speiende LKW, um die Stadt mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Mehrere neue Kohlekraftwerke im Speckgürtel der Stadt stillen den Hunger nach Energie, sind aber auch gigantische Dreckschleudern. Zusätzlich verbrennen Millionen arme Menschen zum Kochen und im Winter zum Heizen Laub und ­Abfälle, was enorm zur Verschmutzung beiträgt. Unzählige Baustellen und die Ziegeleien im Umland, die das Material für ­Delhis Bauboom liefern, produzieren tonnenweise Beton- und Asbeststaub. Die krebserregende Substanz wird in Indien nach wie vor grosszügig verbaut.

Um die Luftverschmutzung deutlich zu reduzieren, müssten der Zuzug reguliert und viele Probleme gleichzeitig angepackt werden. Das gelingt auch deshalb nicht, weil die politische Lage in Delhi verfahren ist. Die Parlamentarier fürchten Wahlniederlagen mehr als die Toxine in der Luft.

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