Neue Kriegsfront im Jemen

Im Süden des Bürgerkriegslandes wachsen die Gelüste nach einem eigenen Staat.

Artur K. Vogel
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Vier Jahre Krieg sind nicht genug: Vor ein paar Tagen ist im Jemen eine neue Front aufgebrochen. Vorher kontrollierten die schiitischen Huthi-Rebellen, unterstützt vom Iran, den Norden inklusive der Hauptstadt Sanaa, den sie 2014 erobert hatten. Bekämpft werden sie seit 2015 von einer Streitmacht aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), politisch gedeckt von den USA, Europa und sunnitischen Ländern.

Die Koalition kämpft an der Seite der offiziellen, von den Huthi vertriebenen Regierung von Präsident Abedrabbu Mansur Hadi. Diese kontrolliert den Süden des Landes – ausser grösseren Gebieten, in welchen islamistische Terrororganisationen wie Al-Kaida und Ableger des IS herrschen.

Doch jetzt werden wieder alte Separatismusgelüste des Südens geweckt. Dieser war als Demokratische Volksrepublik von 1967 bis zur Wiedervereinigung mit dem Norden 1990 ein unabhängiger kommunistischer Staat. Seither gab es wieder Abspaltungsversuche, die 1994 zu einem mehrmonatigen Bürgerkrieg eskalierten, den der Norden gewann.

Saudi-Arabien und die VAE intervenierten 2015 im Jemen in der Absicht, die Huthi-Rebellen zu besiegen, den iranischen Einfluss zu brechen und das grosse Land wieder zu einen. Die Koalition der Araber hat diese Kriegsziele trotz massiver Bombardierungen und Tausenden von Toten nie erreicht. Dafür herrscht eine akute Flüchtlings- und Versorgungskrise; 20 Millionen Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Konflikt könnte sich ausweiten

Doch die arabische Intervention wird zusehends zur mörderischen Groteske: Indirekt bekriegen sich jetzt auch die VAE und Saudi-Arabien. Seit einer Woche tobt in Aden ein Kampf zwischen Separatisten des südlichen Übergangsrats (STC) und Anhängern der Regierung. Diese macht die VAE direkt verantwortlich für den «Staatsstreich» des STC. Denn die VAE unterstützen den STC seit seiner Gründung 2017 offen und haben seine Milizen militärisch ausgebildet. Ihr Motiv ist offensichtlich: Die VAE kontrollieren die wichtigsten Häfen im Südjemen und wollen davon profitieren, unter anderem mit dem Export südjemenitischen Erdöls.

Saudi-Arabien hat am Samstag zu einem Waffenstillstand in Aden aufgerufen und die Konfliktparteien zu Gesprächen eingeladen. Doch gleichzeitig lancierten jemenitische Regierungstruppen am Sonntag eine Gegenoffensive. Saudische Jets bombardierten Militärstützpunkte, welche die STC-Rebellen besetzt hatten.

Bisher ist es den Saudis und den VAE stets gelungen, ihre Parteigänger im Südjemen zur Raison zu bringen. Aber das wird zunehmend schwierig. Der Konflikt könnte auf weitere Regionen des Südens überschwappen. Wenn die Koalition militärische Kräfte in den Süden verlagert, profitierten die Huthi-Rebellen im Norden . Die Saudis wären dann weiter von ihrem Kriegsziel entfernt denn je – und die Zivilbevölkerung neuen Leiden ausgesetzt.