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Neuer Ärger um Pannenflughafen in Berlin: Gefährden 20'000 Dübel die geplante Eröffnung?

Im Oktober 2020 soll der Berliner Pannenflughafen BER definitiv eröffnen. Medien berichten nun aber über den nächsten möglichen Skandal, der zu weiteren Verzögerungen führen könnte.
Christoph Reichmuth, Berlin
Teure Baustelle: Der Flughafen BER im brandenburgischen Schönefeld ausserhalb von Berlin. (Bild: Emmanuele Conini/Nur Photo, 8. Mai 2019)

Teure Baustelle: Der Flughafen BER im brandenburgischen Schönefeld ausserhalb von Berlin. (Bild: Emmanuele Conini/Nur Photo, 8. Mai 2019)

Engelbert Lütke Daldrup versucht den Vertretern der ausländischen Presse ein positives Bild zu vermitteln. Fast alles im Lot, es läuft nach Plan, Eröffnung im Oktober 2020. «Wir werden diese Baukatastrophe in Ordnung bringen», sagt er einmal. Und mehrmals: «Wir sind uns sicher, dass die Eröffnung im Oktober 2020 klappen wird.»

Engelbert Lütke Daldrup, 62, ist seit etwas mehr als zwei Jahren Chef des Pannenflughafens BER. Der ehemalige Stadtplaner hat an diesem Dienstag ausländische Korrespondenten zum Rundgang über den noch immer unfertigen Flughafen «Willy Brandt» eingeladen. Der Andrang ist so gross, dass nicht alle Reporter mit auf die Tour gehen dürfen. Der «Fluchhafen», wie er in Berlin aus einer Mischung aus Schalk und Verbitterung genannt wird, sorgt auch in Asien, Südamerika und in sämtlichen europäischen Staaten für Verwunderung.

Langstreckenflüge für die Hauptstädter

Es sieht alles chic aus. S-Bahn-Station im Untergeschoss. Zwar noch ohne Züge, aber wenn hier alles mal eröffnet ist, soll man laut Daldrup in 20 Minuten vom südlichen Zipfel Berlins am Alexanderplatz sein. Elegantes Hauptterminal, Check-in-Schalter, einladende Fensterfront mit Blick auf die Flugzeuge, wenn dort mal welche stehen. Kunstvolle Verzierungen an den Decken. Bereiche für Duty-free, Restaurants und Cafés und jede Menge Kleiderläden. Der Kabelsalat, der noch vor einem Jahr von der Decke herunterhing, der ist entwirrt und unter der Deckenverkleidung versorgt.

Der Berliner «Tagesspiegel» schrieb vor ein paar Wochen von einem Wunder, als die strengen Prüfer des TÜV die Entrauchungssteuerung am Flughafen abgenommen hatten. «Das Monster ist gezähmt», schrieb das Blatt fast euphorisch.

2011 hätte der Flughafen eröffnen sollen, mit Kosten von knapp 2 Milliarden Euro wurde gerechnet. Wenn der BER, wie geplant, 2020 in Betrieb geht, schlagen Kosten von 6 bis 7 Milliarden Euro zu Buche. Und bereits wird an der Erweiterung des BER gearbeitet. Berlin rechnet bis 2040 mit 55 Millionen Fluggästen, allen Klimadebatten und aller Kritik am umweltbelastenden Fliegen zum Trotz. In diesem Jahr werden auf den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel noch 35 Millionen Passagiere abgefertigt. Die Hauptstadt will sich vor allem für Langstrecken interessant machen. «Heute müssen 80 Prozent der Berliner und Brandenburger einen Umweg fliegen für Langstrecken», sagt Daldrup. Das sei einer wirtschaftlich wachsenden Region wie Berlin-Brandenburg nicht würdig. Die Hauptstadt will den direkten Draht in die aufstrebenden Märkte in Asien.

Hauptprobe mit 10000 Komparsen

Im Frühjahr des nächsten Jahres wollen sie die Hauptprobe am BER durchführen. Mit 10000 Komparsen, die mit Koffern am S-Bahn-Gleis einfahren, Familien mit Kinderwagen im Check-in-Bereich, Gehbehinderte, Jugendliche, Kleinkinder, Flughafenpersonal. Ob die Generalprobe tatsächlich schon im nächsten Jahr stattfinden kann, steht in diesen Tagen allerdings wieder in den Sternen. Sorgen bereiten nun offenbar falsch eingesetzte Dübel im Fluggastterminal. Kabeltrassen sollen nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RBB im Untergeschoss des Hauptterminals zum Teil in Kalksandsteinwände montiert sein. Doch Kalkstein ist porös und kann bei grossen Lasten oder im Brandfall platzen, wie ein Insider dem Sender zu Protokoll gibt. «Kein Dübel kann in so einem Mauerwerk die Last der Kabeltrassen tragen. Wenn dort ein Brand ausbricht, ist es noch schlimmer. Da platzen die Steine auf. Das darf nicht sein», sagt der anonymisierte Informant. In den porösen Stein seien Plastikdübel verbaut worden, die würden im Brandfall aber schmelzen. Die falschen Dübel seien nicht nur im Kabeltrassee verlegt worden, sondern seien im gesamten Fluggasterminal verbaut. Der Bericht zitiert Experten, wonach beim BER 20000 Dübel ausgebaut und durch neue ersetzt werden müssen. Die Rückbauarbeiten seien derart aufwendig, dass die Eröffnung im Oktober 2020 kaum einzuhalten sei, heisst es weiter. Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH widerspricht dieser Darstellung.

«Dieser Peinlichkeit ein Ende bereiten»

Bereits im März hiess es, der BER habe noch immer über 11000 Mängel. Der Flughafenchef selbst sprach stets von weniger als 3000. Der Frage weicht der Nordrhein-Westfale an diesem Dienstag aus. «Es waren mal mehr als 200000 Mängel», sagt er etwas schnippisch und läuft schnellen Schrittes weiter durch das leere Flughafengelände.

Zu Lütke Daldrups Erleichterung hat der mögliche Dübel­skandal an diesem Dienstag unter den Journalisten nur am Rande die Runde gemacht. Der Flughafenchef muss hierzu keine unangenehmen Fragen beantworten. «Ich verstehe die Skepsis der Leute sehr gut», sagt er, nach der ­Verbindlichkeit des Eröffnungstermins im nächsten Oktober ­gefragt. Er sei vor zwei Jahren angetreten, «dieser Peinlichkeit ein Ende zu bereiten». Geht es nach Lütke Daldrup, sind im Sommer die Bauarbeiten abgeschlossen. Dann wird der BER nochmals auf Herz und Nieren geprüft.

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