Neuer Generalsekretär
Vom Gärtner zum Chef der OECD – ein umstrittener Australier macht das Rennen

Australien feiert den sieg als diplomatischen Triumph, während Umweltschützer Kritik üben. Denn Mathias Cormann gilt als Klimasünder – so bezeichnete er die einstige australische Klimaschutzsteuer einst als «sehr teuren Scherz».

Barbara Barkhausen
Drucken
Teilen

Bild: Sam Mooy / Getty Images AsiaPac

Mathias Cormann hat die ehemalige schwedische EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström knapp besiegt und wird neuer OECD-Generalsekretär. Als Chef der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (einem Verbund von 37 Ländern, die sich für die Stärkung von Demokratie und Marktwirtschaft einsetzen) will sich der ehemalige australische Finanzminister auf die wirtschaftliche Erholung nach der Coronakrise konzentrieren, die Besteuerung der grossen Techunternehmen angehen und Massnahmen gegen den Klimawandel treffen.

In Australien wird der Sieg Cormanns als diplomatischer Triumph gefeiert. Australiens Premierminister Scott Morrison schrieb am Samstag auf Twitter, Cormanns Wahl sei eine «grosse Ehre» für sein Land.

Doch nicht alle sind erfreut über Cormanns Triumph. Vor allem vonseiten der Umweltschutzorganisationen hagelte es schwere Kritik. So betonte die Greenpeace-Direktorin Jennifer Morgan, Cormann habe eine «beunruhigende Erfolgsbilanz bei der Blockierung von Klimaschutzmassnahmen». «Wir haben wenig Vertrauen in seine Fähigkeit, die OECD zu führen, während die Klimakrise bewältigt werden muss.»

Tatsächlich hat Cormann in der Vergangenheit versucht, Australiens Ziele für erneuerbare Energien abzuschaffen, und bezeichnete die einstige australische Klimaschutzsteuer noch 2011 als «sehr teuren Scherz».

Mit dem Militärjet auf Werbetour

In Australien war der 50-Jährige in den vergangenen Monaten zudem in die Kritik geraten, da er einen Jet der australischen Luftwaffe nutzte, um durch Europa zu touren und Werbung für seine OECD-Bewerbung zu machen, während viele seiner australischen Landsleute im Lockdown ausharren mussten.

Cormann selbst ist kein gebürtiger Australier. Er stammt aus Belgien und hat erst im Alter von 23 Jahren Englisch gelernt. Um die Karriereleiter in Australiens Politiklandschaft hochklettern zu können, gab der Jurist seine belgische Staatsbürgerschaft im Jahr 2000 aber zu Gunsten der australischen auf. Heute noch spricht er fliessend Deutsch, Französisch und Flämisch.

Nach Australien kam er 1994 zunächst nicht mit politischen Ambitionen, sondern der Liebe wegen. Die Beziehung ging zwar in die Brüche, doch Cormann gefiel es so gut in Perth an der australischen Westküste, dass er zwei Jahre später auswanderte. Ausschlaggebend dafür soll ein Besuch in einem Strandrestaurant mit Blick über den Indischen Ozean gewesen sein, wie er einst einem Journalisten erzählte. Das sei «atemberaubend» gewesen, er habe sich wie am Rand der Welt gefühlt.

Leicht war der Start im neuen Land allerdings nicht. Sein Jurastudium wurde in Down Under nicht anerkannt. Zeitweise arbeitete Cormann deshalb als Gärtner, bevor er schliesslich einen Job bei der konservativen Liberalen Partei ergatterte.

2007 wurde der strenggläubige Katholik und einstige Messdiener erstmals in den Senat gewählt. 2013 wurde er als australischer Finanzminister vereidigt und war für wenige Tage sogar einmal amtierender Premierminister. Im vergangenen Jahr entschied Cormann sich dann aber dazu, das australische Parlament zu verlassen und sich für den Topposten bei der OECD zu bewerben. Mit Erfolg.

Aktuelle Nachrichten