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NEW YORK: Spricht US-Justiz Schweizer Banker frei?

Der Prozess gegen den Privatbankier Stefan Buck vor Bundesgericht in New York geht in die entscheidende Runde. Am Montag müssen die Geschworenen Farbe bekennen.
Blick auf die Bank Wegelin in St. Gallen. (Bild: Keystone (8. Februar 2012, St. Gallen))

Blick auf die Bank Wegelin in St. Gallen. (Bild: Keystone (8. Februar 2012, St. Gallen))

Wie sich die Zeiten doch ändern. Im Gerichtssaal 14B des Daniel Patrick Moynihan United States Courthouse in Manhattan (New York), in dem 2012 und 2013 das Schicksal der einst angesehenen St. Galler Privatbank Wegelin besiegelt wurde, hielt am Freitag ein New Yorker Staranwalt ein flammendes Plädoyer für den Finanzplatz Schweiz – oder zumindest für den Schweizer Privatbanker alter Schule.

Insgesamt zweieinhalb Stunden lang sprach Marc Agnifilo zu den zwölf Geschworenen, die seit Ende Oktober über Stefan Buck zu Gericht sitzen, der bei der 2013 eingegangenen Bank Frey gearbeitet hatte. Die amerikanische Justiz wirft Buck vor, er sei Teil einer kriminellen Verschwörung gewesen, die das Ziel gehabt habe, den amerikanischen Fiskus zu prellen. Auf gut Deutsch: Buck sei amerikanischen Steuerzahlern dabei behilflich gewesen, Steuern zu hinterziehen – mit Hilfe von Schwarzgeldkonten auf der Bank Frey.

Angeklagter war nur Befehlsempfänger

So weit, so gut. «Super Lawyer» Agnifilo baute seine Verteidigung nun auf der Prämisse auf, dass sein 1980 geborener Klient nichts falsch gemacht habe. Buck sei Angestellter einer kleinen Privatbank gewesen – die 2001 gegründete Bank Frey zählte selbst in Hochzeiten nur rund 30 Mitarbeitende –, die ihre Geschäftstätigkeit auf die Schweiz beschränkt und nie gegen Schweizer Gesetze verstossen habe. Und in dieser Umgebung sei Buck, von der Anklage fälschlicherweise als Chef des Privatbankengeschäfts bezeichnet («Er teilte sein Büro mit der Empfangsdame!»), nur ein Befehlsempfänger gewesen, der sich stets redlich und anständig verhalten habe, sagte Agnifilo.

Die eigentlichen Straftaten seien von zwei ganz anderen Gruppen begangen worden, sagte der Anwalt: von den Amerikanern, die beim Ausfüllen der Steuererklärung die Unwahrheit sagten, und von Schweizer Wirtschaftsanwälten und Treuhändern, die komplexe Firmen­geflechte erfanden, um das Schwarzgeld zu verstecken. Eine Handvoll Vertreter dieser zwei Gruppen hatte während des Prozesses, als Zeugen der Anklage, am Prozess ausgesagt und dabei den Eindruck erweckt, als habe Buck eine aktive Rolle in der kriminellen Verschwörung gespielt. Agnifilo wies diese Behauptung scharf zurück. Es stimme vielleicht, dass die Bank Frey selbst nach dem Aufflammen des Steuerstreits zwischen den USA und der Schweiz amerikanische Kunden mit Schwarzgeld aufgenommen habe. Aber die Bank stehe in diesem «politisch» motivierten Verfahren nicht vor Gericht, rief er den Geschworenen in Erinnerung. Buck müsse deshalb freigesprochen werden.

Banker enttäuscht von Schweizer Zeugen

Die Anklage liess diese Argumentation nicht gelten. Die beiden Vertreter der Anklage wiesen in ihrem Schlussplädoyer darauf hin, wie intensiv Buck seine amerikanischen Kunden betreut habe. Buck sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, er sei nach wie vor «100 Prozent» davon überzeugt, während seiner Tätigkeit für die Bank Frey nie bewusst gegen Gesetze oder Vorschriften verstossen zu haben. Deshalb auch habe er sich dem Verfahren in New York freiwillig gestellt. Enttäuscht zeigte sich Buck vor allem darüber, dass zwei Schweizer Zeugen der Anklage Lügen über ihn erzählt hätten.

Nun liegt der Ball bei den zwölf Geschworenen, die ihre Beratungen am Montagmorgen aufnehmen. Können sie sich nicht einstimmig auf «schuldig» oder «nicht schuldig» im Sinne der Anklage einigen, dann droht ein «Mistrail» – und die Staats­anwaltschaft müsste sich über­legen, ob sie Buck erneut den Prozess machen will.

Renzo Ruf, New York

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