Times Square
New-Yorker-Bomber stellt Ermittler vor ein Rätsel

Möchtegern-Terrorist Faisal Shahzad führte über Jahre ein normales Leben. Der eingebürgerte Amerikaner ist das Beispiel für eine erfolgreiche Immigration. Dann reist er für einige Monate nach Pakistan und wird zum Terroristen - einem völlig dilettantischen noch dazu.

Christian Bütikofer
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Die Fahndung nach dem gebürtigen Pakistaner Faisal Shahzad (30) verlief nicht reibungslos. Zuerst verlor ihn ein Beschattungsteam des FBI aus den Augen. Und als er dann im New Yorker Flughafen John F. Kennedy im Flieger sass, bekamen die Ermittlungsbehörden nur Minuten vor dem Start Wind davon. Unter anderem weil die Flugzeuggesellschaft Emirates eine Warnung missachtete.

Trotzdem zeigten sich führende Sicherheitsbeamte zufrieden, wie die Ermittlungen gegen Faisal Shahzad verliefen. Er machte es ihnen aber auch denkbar einfach, ging völlig dilettantisch vor. Und er rechnete nicht mit Drohnen des US-Militärs.

Fahndung wie in «CSI:New York»

Die Autobombe war so schlecht konstruiert, dass Experten glauben, sie wäre nie im Leben explodiert. Um seine Identität zu schützen, entfernte Shahzad zwar die Identifikationsnummer des Autos, das er auf dem Times Square explodieren lassen wollte. Die Nummer am Motor

Vom Familienmenschen zum Terroristen

Wer aber ist Faisal Shahzad? Auch das stellt die Ermittler vor Rätsel. So ist noch unklar, wo er in Pakistan geboren wurde. Fakt ist: 1998 belegt er in Pakistan Wirtschaftskurse einer US-Universität. Ende jenen Jahres erhält er ein Visum für die USA - die Behörden entdeckten in seinem Lebenslauf keine verdächtigen Punkte. Nach weiteren zwei Jahren schliesst er in Amerika ein Grundstudium in Informatik ab. Danach lebt er Jahre völlig unauffällig.
2005 beendet er seine Universitätskarriere mit einem Master-Abschluss. Danach arbeitet er im Finanzbereich, heiratet und wird 2009 amerikanischer Staatsbürger - eine erfolgreiche Immigranten-Geschichte.
Dann der Wendepunkt: Im Juli 2009 reist er zum wiederholten male nach Pakistan. Aber jetzt bleibt er dort bis diesen Februar. Wieder in den USA, kauft er diesen April den Wagen, den er am Tag der Arbeit im Times Square zünden wollte.

Verwandte vermuten Verschwörung

Faisal Shahzads Freunde sind geschockt. Ein enger Freund meinte, dass weder Shahzad noch seine Familie politisch war. Ein Anwalt sagte gegenüber der New York Times, die Familie glaube, Shahzad sei das Opfer einer Verschwörung geworden.