Rom
«Nicht christlich»: Der Vatikan kritisiert Donald Trumps Politik

Einreisesperre für Muslime, atomare Aufrüstung, Rückschritte in der Klimapolitik: Der Vatikan ist zunehmend irritiert über die Politik des neuen US-Präsidenten.

Dominik Straub, Rom
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Papst Franziskus (Archiv)

Papst Franziskus (Archiv)

Keystone

Papst Franziskus hatte schon während des US-Wahlkampfs im vergangenen Jahr klargemacht, was er vom polternden Kandidaten der Republikaner hält: «Ein Mann, der nur daran denkt, Mauern statt Brücken zu bauen, ist nicht christlich, das ist nicht das Evangelium», erklärte Franziskus im Februar 2016 zur Ankündigung des republikanischen Kandidaten, er wolle im Fall einer Wahl an der Grenze zu Mexiko eine 2500 Kilometer lange Mauer bauen. Die Wortwahl des Papstes war starker Tobak: Die Bezeichnung «nicht christlich» kam schon beinahe einer Exkommunikation gleich.

«Grosse Sorgen»

Der ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme – normalerweise mischt sich der Vatikan nicht in die Wahlkämpfe anderer Staaten ein – folgte erst einmal Funkstille. Dem neuen Präsidenten wurde artig zur Wahl gratuliert, aber danach zog es die vatikanische Diplomatie wie die Staatskanzleien der meisten mit den USA befreundeten Staaten vor, einmal abzuwarten, was vom Wahlkampfgetöse übrig bleibt, wenn Donald Trump erst einmal ins Weisse Haus eingezogen ist.

Das weiss man nun, und was der Papst sieht, gefällt ihm nicht. Bereits die Einreisesperre für die Staatsangehörigen aus sieben arabischen Staaten von Ende Januar habe im Vatikan «grosse Sorgen» ausgelöst, erklärte nun der Kurienkardinal Peter Turkson. Der Prälat aus Ghana ist einer der wichtigsten Vertrauten von Papst Franziskus und als Leiter des neuen vatikanischen Dikasteriums (Ministeriums) für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zuständig für Migrationsfragen.

«Aber zum Glück gibt es auch in den USA gewichtige anderslautende Stimmen, die sich ausdrücklich gegen Trumps Positionen gewandt haben», schob Turkson nach. Die Blockade des Einreiseverbots durch die Justiz sei jedenfalls «ein Zeichen». Man müsse jetzt hoffen, dass Trump nach und nach einige seiner Entscheidungen von selber zu überdenken beginne. Die katholischen Bischöfe der USA sollen bei diesem Denkprozess ruhig ein wenig nachhelfen: «Wir setzen da jedenfalls auf das Lobbying der Kirche in den USA», erklärte der Kurienkardinal. Mit anderen Worten: Der Vatikan ruft die US-Bischofskonferenz mehr oder weniger offen dazu auf, politisch gegen Trump Stellung zu beziehen.

«Ein moralischer Imperativ»

Kaum verwunderlich ist auch die Irritation, die im Vatikan durch Trumps angekündigte massive Erhöhung des Verteidigungsetats entstanden ist. Ohne den US-Präsidenten direkt beim Namen zu nennen hatte Franziskus in seiner Botschaft an den EU-Sondergipfel von letzter Woche in Rom erklärt, dass «der völlige Verzicht auf Nuklearwaffen ein moralischer und humanitärer Imperativ» sei. Statt nuklear aufzurüsten, müsse eine «Ethik des Friedens und eine gemeinsame und multilaterale Sicherheitspolitik» erarbeitet werden, die «über die Angst und den heute herrschenden Isolationismus hinausgeht», betonte der Papst.

Aus vatikanischer Sicht dem Fass den Boden ausgeschlagen hat schliesslich der Entscheid Trumps, die von der Regierung Obama verhängten Beschränkungen für die Förderung und den Einsatz fossiler Brennstoffe und insbesondere von Kohle wieder aufzuheben. «Die Rückkehr zur Kohle», schrieb die Vatikanzeitung «L’Osservatore Romano» diese Woche, sei das «Gegenteil» dessen, was Papst Franziskus in Bezug auf den Umgang mit der Schöpfung vertrete.