Seit Mittwoch vermisst
Noch 5 Tage Sauerstoff: Was Sie über das vermisste argentinische U-Boot wissen müssen

Seit Mittwoch wird das argentinische U-Boot «ARA San Juan» im Südpazifik vermisst. Nun wurden die Anstrengungen zur Rettung der 44-köpfigen Besatzung verdreifacht.

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Eine internationale Suchmission durchkämmt derzeit die Region des Südatlantiks vor der argentinischen Küste.
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Das U-Boot wird seit Mitte November vermisst. Im Bild: Suchflug über dem Südatlantik.
Unter anderem nehmen ein ferngesteuertes Mini-U-Boot der US-NAVY und ein russisches Rettungs-U-Boot an der Suche teil.
Eine internationale Suchmission durchkämmt derzeit die Region des Südatlantiks vor der argentinischen Küste.
Dieses US-amerikanische Unterwasser-Suchgerät soll bei der Suche nach dem verschollenen U-Boot eingesetzt werden. (Archiv)
Argentinisches U-Boot
U-Boot «ARA San Juan»

Eine internationale Suchmission durchkämmt derzeit die Region des Südatlantiks vor der argentinischen Küste.

AP

An der Suche sind mittlerweile 10 Flugzeuge und 11 Schiffe aus über 7 verschiedenen Ländern beteiligt. Darunter Schiffe aus Uruguay, Chile, Brasilien, Peru, USA und Grossbritannien. Die Schiffe fahren die geplante Route des U-Boots ab. Ausserdem wird das Gebiet systematisch von Norden nach Süden und umgekehrt durchfahren.

Am Sonntag versuchte die Besatzung des U-Boots sieben mal vergeblich ihren Marinestützpunkt «Mar del Plata» zu kontaktieren. Vermutlich wurde eine dafür vorgesehene Boje an die Wasseroberfläche gelassen, um so eine Verbindung über das Satellitentelefon herzustellen. Leider war eine Verbindung bisher nicht möglich, wie das argentinische Verteidigungsministerium mitteilt.

1. Was könnte passiert sein?

Laut einem ehemaligen U-Boot-Fahrer der US Navy sind mehrere Szenarien möglich, wie er gegenüber CNN angab. Neben einem «totalen Ausfall» aller Systeme ist auch ein kleinerer Fehler denkbar. Es sei zudem unklar, ob sich das U-Boot an der Wasseroberfläche oder am Meeresgrund befindet.

Da es sich bei der «ARA San Juan» nicht um ein Atom-U-Boot, sondern eines mit Dieselantrieb handelt, ist seine Zeit unter Wasser sehr begrenzt. Die Zeit läuft also gegen die 44 Besatzungsmitglieder. Es kommt stark darauf an, wann die Luft im innern des U-Boots zum letzen mal erneuert und die Batterien aufgeladen wurden. Wenn das U-Boot auf den Grund gesunken aber intakt ist, könnte die Luft für 7 bis 10 Tage reichen.

watson

2. Wie schwierig ist es, ein gesunkenes U-Boot zu finden?

Ein U-Boot, das speziell dafür entwickelt wurde nicht gefunden zu werden, ist um einiges schwieriger zu finden, als ein normales Schiffswrack. Ein U-Boot ist so konzipiert, dass es sich unentdeckt fortbewegen und unter Wasser beinahe nicht geortet werden kann.

Eine Lokalisierung mittels Sonar ist nur effektiv, wenn sich das Objekt zwischen Meeresgrund und Wasseroberfläche befindet. Sollte das U-Boot auf den Meeresgrund gesunken sein, gestaltet sich die Suche äusserst problematisch. Normalerweise werden U-Boote durch Geräusche entdeckt, die sie selber verursachen, wie etwa Motorengeräusche oder Schallwellen des Sonars. Ein defektes U-Boot am Meeresgrund macht jedoch nicht all zu viele Geräusche.

Die ARA San Juan in besseren Tagen.

Die ARA San Juan in besseren Tagen.

epa/efe/argentina's navy

3. In welchem Zustand ist die «ARA San Juan»?

Das 65 Meter lange und sieben Meter breite Diesel-Elektro-Boot vom Typ TR-1700 wurde in der Werft Thyssen Nordseewerke in Emden gebaut und lief 1983 vom Stapel. 2007 und 2014 wurde die «ARA San Juan» generalüberholt und erhielt unter anderem neue Batterien. Ein totaler Stromausfall ist eher unwahrscheinlich.

Durch die stetig wechselnden Druckverhältnisse, die beim Auf- und Abtauchen entstehen, wird die Schale des U-Bootes stark beansprucht. Die Schale hat eine normale Lebensdauer von 30 Jahren, diese Lebensdauer wurde bereits überschritten. Angenommen die Schale ist jedoch intakt, so würde sie Tiefen von 500 bis 600 Metern widerstehen.

Sofern die «ARA San Juan» auf dem Kontinentalsockel gesunken ist, sollte die Tiefe kein Problem darstellen. Wäre sie in die Tiefen des atlantischen Ozeans gesunken, wäre sie zerbrochen.

4. Gibt es weitere Hindernisse bei der Suche?

Die Küste Patagoniens im Süden von Argentinien ist berüchtigt für seine starken Stürme. Zur Zeit sorgt ein Tiefdruckgebiet für Windböen mit einer Stärke von 70 kmh. Dadurch entstehen im Südatlantik Wellen mit der Höhe eines zweistöckigen Gebäudes. Diese Wetterverhältnisse werden noch für mindesten 48 Stunden anhalten und die Suche erschweren.

5. Wie würde man die Besatzung konkret retten?

Selbst wenn die «ARA San Juan» bald gefunden würde, wird die Bergung der Besatzung weitere Zeit in Anspruch nehmen. Da das U-Boot in Deutschland entworfen wurde, ist es NATO-kompatibel und die USA würde eine spezielles Bergungs-U-Boot einsetzen. Alleine der Transport dieses Bootes könnte mehrere Tage dauern, nicht zuletzt wegen der 8 Meter hohen Wellen. Aufgrund des limitierten Sauerstoffvorrats der «ARA San Juan» könnte es zu diesem Zeitpunkt bereits äusserst kritisch werden.

Spezialequipment der US Navy.

Spezialequipment der US Navy.

EPA/US Navy

Damit das Bergungs-U-Boot korrekt an die «ARA San Juan» andocken kann, muss diese nahezu aufrecht auf dem Meeresgrund aufliegen. Der Meeresgrund ist jedoch nicht flach. Wenn die «ARA San Juan» auf der Seite liegt, wäre ein Andocken äusserst schwierig.