Doubs, Frankreich
Noch vor dem Ende der Wahlen: Erster Rückschlag für Sarkozy

Die Nachwahl im Wahlkreis Doubs ist noch nicht geschlagen, da hat Nicolas Sarkozy sie schon verloren: Im Finale stehen die Sozialisten und der Front National.

Stefan Brändle, Paris
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Nicolas Sarkozy, UMP-Präsident.

Nicolas Sarkozy, UMP-Präsident.

Keystone

Die Nachwahl ist nötig, weil der Sozialist Pierre Moscovici in die Brüsseler EU-Kommission gewählt wurde. Wegen der krassen Unpopularität von Präsident François Hollande ist seine Partei in der Nationalversammlung mittlerweile unter die absolute Mehrheit von 289 Sitzen gesunken. Und bei der Nachwahl im Wahlkreis Doubs wollte die konservative «Union für eine Volksbewegung» (UMP) von Nicolas Sarkozy der Linksregierung den Gnadenstoss geben.

Doch die traditionelle Linksbastion fällt zur allgemeinen Überraschung nicht so schnell: Im ersten Wahlgang qualifizierten sich der Sozialist Frédéric Barbier mit 29 Prozent der Stimmen hinter der Front-National-Kandidatin Sophie Montel (33 Prozent). UMP-Bewerber Charles Demouge blieb mit 27 Prozent auf der Strecke. Das ist ein herber Rückschlag für Sarkozy, der die Geschicke der Partei erst Ende letzten Jahres übernommen hat.

Gefolgschaft verweigert

Dazu kommt eine womöglich noch empfindlichere Schlappe: Seine eigene Partei verweigerte Sarkozy die Gefolgschaft, als es um die Wahlempfehlung für die Stichwahl ging. Seit dem Aufkommen des Front National (FN) bilden UMP und Parti Socialiste (PS) eine Art «republikanische Front», indem die ausgeschiedene die jeweils andere Partei unterstützt, um den Sieg der Rechtsradikalen zu verhindern. Sarkozy wollte dem PS aber den Sukkurs verweigern. Doch sein interner Rivale Alain Juppé rief sogleich zur Stimmabgabe für den Sozialisten auf. Der rechte Parteiflügel forderte hingegen zum Leereinlegen auf. Ex-Minister Bruno Le Maire erklärte, eine republikanische Front wäre eine «Falle» für die Bürgerlichen.

In der Tat ist die Frage für die Konservativen fast schon existenziell: Seitdem der FN im letzten Jahr zur stärksten Partei Frankreichs aufgestiegen ist, könnte die UMP regelmässig zwischen den Fronten zerrieben werden. Ein ähnliches Szenario droht auch Sarkozy bei den nächsten Präsidentschaftswahlen. Dies vor allem, wenn die Sozialisten von der aktuellen Stimmung profitieren sollten, wie das Hollande seit den Terroranschlägen auf «Charlie Hebdo» tut.

Sarkozy weiss, dass er nur eine Wiederwahlchance hat, wenn er seine Partei geschlossen hinter sich schart. Deshalb schlug er einen vermeintlichen Kompromiss vor, nämlich die Stimmempfehlung «Nein zum FN, aber Stimmfreigabe». Die Sarkozy nahe stehende Zeitung «Le Figaro», kommentierte entgeistert: «Verstehe das, wer wolle.» Die UMP-Direktion lehnte Sarkozys Ansinnen jedenfalls mit 19 Stimmen ab. Mit 22 Stimmen setzte sich die Parole «weder FN noch PS» durch.

Wer auch immer die Stichwahl am Sonntag gewinnen wird: Mit dem UMP-Chef steht der Hauptverlierer bereits fest.