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Nötig, aber unvollständig

Frankreich-Korrespondent Stefan Brändle zu den Plänen der französischen Regierung für ein flexibleres Arbeitsgesetz.
Stefan Brändle, Paris
Stefan Brändle

Stefan Brändle

Die wichtigste Reform von Emmanuel Macron liegt endlich vor. Sie lockert das Kündigungsrecht und die Branchenabkommen. Das soll der französischen Wirtschaft Sauerstoff vermitteln und indirekt Jobs schaffen. Der Ansatz ist zweifellos richtig: Frankreich muss unbedingt wettbewerbsfähiger werden, um sein Krebsübel der Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen und den Wirtschaftsmotor wieder anzuwerfen. Insofern ist die Reform auch eine gute Nachricht für ganz Europa.

Nach jetzigem Stand der Dinge dürfte Macron seine Reform gegen den Widerstand der Strasse durchbringen. Die Opposition ist gespalten; von den Grossgewerkschaften ruft nur die militante CGT, von den Parteien nur der Linke Jean-Luc Mélenchon zu – getrennten – Protesttagen im September auf. Doch der Staatspräsident ist in den Umfragen selbst geschwächt, seine in der Mai-Wahl begründete Legitimität bereits angegriffen. Der Kampf ist noch nicht gewonnen.

Denn die Franzosen scheinen selber gespalten: Laut den Macronisten beruht die Reform nämlich auf dem skandinavischen Modell der «Flexicurity». Gewiss wird das Arbeitsrecht flexibler – doch wird es auch sicherer? Wenn das Kündigen einfacher wird, müssen auch Aus- und Fortbildung verbessert werden, damit gerade minder qualifizierte Jobsuchende nicht aus dem Arbeitsmarkt fallen. Frankreich will und muss namentlich die Berufslehre ausbauen. Die Umsetzung wird aber schwierig in einem Land, in dem die Berufslehre, ja Arbeiten generell, als minderwertig gilt. Erst wenn diese Mentalität geändert hat, ist die Arbeitsmarktreform vollständig, abgeschlossen – und gerecht.

Stefan Brändle, Paris

nachrichten@luzernerzeitung.ch

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