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NORDKOREA: Auch Europa ist nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen

Das Regime in Pjöngjang testet seine bisher stärkste Interkontinentalrakete. Die vermutete Reichweite der Waffe liegt bei bis zu 13'000 Kilometern. Potenziell ist nun fast jedes Land bedroht.
Felix Lee, Peking
Das nordkoreanische Regime hat erneut eine Rakete abgefeuert. Die Aufnahme zeigt den Raketentest vom 29. August dieses Jahres. (Bild: EPA)

Das nordkoreanische Regime hat erneut eine Rakete abgefeuert. Die Aufnahme zeigt den Raketentest vom 29. August dieses Jahres. (Bild: EPA)

Felix Lee, Peking

Ausgesprochen wurde der Frieden nicht. Und doch gab es ihn. Immerhin fast zweieinhalb Monate lang hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un keine Atombombe testen und auch keine weitere Rakete abfeuern lassen. Das Regime nahm offenbar Rücksicht auf den einstigen Verbündeten China. Dort hielt die kommunistische Führung im Oktober ihren grossen Parteikongress ab und wollte an einem neuen Vorschlag zur Lösung des Korea-Konflikts arbeiten.

Das blieb zwar aus. Doch im November war dann Donald Trump zu Besuch in Ostasien. Ein Raketentest in dieser Zeit hätte den ohnehin schon unberechenbaren US-Präsidenten noch mehr in Rage gebracht. Das wollte Pjöngjang offenbar nicht riskieren. Nun ist es mit dieser Ruhe allerdings schon wieder vorbei.

Auffallend rasche Entwicklung

Gestern früh, um 3.17 Uhr Ortszeit, hat das nordkoreanische Regime erneut eine ballistische Rakete abgefeuert. Es handelt sich um den 20. Raketentest in diesem Jahr. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs flog die Rakete rund 4500 Kilometer hoch und stürzte nach 53 Minuten rund 900 Kilometer vor der Westküste Japans ins Meer. Das klingt zunächst einmal nicht sehr weit. Doch angesichts der Höhe könnte die Reichweite dieser Rakete US-Experten zufolge bei rund 13 000 Kilometern liegen. Damit würden erstmals die gesamten USA in Schussweite des nordkoreanischen Regimes gelangen.

Nordkoreas Propaganda-Apparat feierte den Test entsprechend. «Feuert sie heldenhaft ab für Partei und Vaterland», zitiert das Staatsfernsehen aus dem Abschussbefehl von Machthaber Kim Jong Un. Damit sei das historische Ziel erreicht, die atomare Streitmacht des Landes zu vervollständigen. Bei dem jüngsten Geschoss handelt es sich um eine Interkontinentalrakete des neuen Typs Hwasong-15. Bemerkenswert ist laut Militärexperten vor allem, wie rasch sich Nordkoreas Raketentechnik entwickelt hat. Bei der letzten im Juli getesteten Hwasong-14 gingen sie noch davon aus, dass sie eine potenzielle Reichweite von 6700 Kilometern hat und damit theoretisch die US-Westküste treffen könnte. Nun können die Nordkoreaner fast doppelt so weit schiessen.

Nordkorea habe seine jüngste Rakete so hoch geschossen wie nie zuvor, bemerkte denn auch US-Verteidigungsminister James Mattis. Sie bedrohe potenziell jedes Land der Erde. Auffällig verhalten hingegen fiel Trumps Reaktion aus: «Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden», sagte der US-Präsident. Aber nein, die USA würden ihre Politik nach dem Test nicht ändern. Ob dahinter die Strategie steckt, nun doch direkte Verhandlungen aufzunehmen, lässt die US-Regierung offen.

Experten rechnen mit baldigen Verhandlungen

Trump hat in den vergangenen Wochen widersprüchliche Aussagen gemacht. Mal drohte er damit, Nordkorea dem Erdboden gleichzumachen. Bei seiner Ostasien-Reise Anfang des Monats zeigte er sich hingegen gesprächsbereit. Auf die Aufnahme diplomatischer Verhandlungen setzt Südkoreas Präsident Moon Jae In. Sein Plädoyer richtete er auch an die USA. «Wir müssen verhindern, dass Nordkorea die Lage falsch einschätzt und uns mit Atomwaffen bedroht, oder dass die USA einen Präventivschlag erwägen könnten.»

Verhaltene Kritik kommt aus Peking: China fordere Nordkorea dringend auf, sich an die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu halten, heisst es aus dem Aussenministerium. Musste sich die chinesische Regierung in dem Konflikt zuletzt von Trump vorwerfen lassen, sich in dem Konflikt nicht ausreichend einzubringen, ist sie seit dem Besuch des US-Präsidenten aktiver geworden. Sie schickte Sonderbotschafter Song Tao nach Pjöngjang. Doch Machthaber Kim empfing ihn nicht. Trotz der angespannten Lage – von Experten gibt es die Einschätzung, dass Kim und Trump bald ins Gespräch kommen könnten. Schliesslich habe Nordkorea das Ziel der atomaren Bewaffnung erreicht. Weitere Tests seien überflüssig, sagt der Nordkorea-Experte Xia Liping von der Tongji-Universität in Schanghai. Nun könne das Regime mit den USA in Verhandlung treten – und zwar auf Augenhöhe. Denn ausser dem Machterhalt verfolgt Kim ein weiteres Ziel: Wirtschafts- und Lebensmittelhilfe.

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