Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NORDKOREA: Ein Schritt zur Deeskalation

Die Drohgebärden auf beiden Seiten der koreanischen Halbinsel haben sich jüngst ins Martialische gesteigert. Dennoch ist der Zeitpunkt für eine Annäherung, wie sie Seoul jetzt anstrebt, günstiger denn je.
Felix Lee, Peking
Ein Mädchen blickt durch ein Fernglas vom südkoreanischen Panmunjom aus in die demilitarisierte Zone. (Bild: Ahn Young Joon/Keystone (9. Juli 2017))

Ein Mädchen blickt durch ein Fernglas vom südkoreanischen Panmunjom aus in die demilitarisierte Zone. (Bild: Ahn Young Joon/Keystone (9. Juli 2017))

Felix Lee, Peking

Inmitten der seit Jahren schärfsten Auseinandersetzungen um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm bietet Südkoreas frisch gewählter Präsident Moon Jae In dem verfeindeten Nachbarn im Norden Gespräche an. Das Verteidigungsministerium in Seoul schlägt vor, bereits morgen mit den Verhandlungen zu beginnen, und zwar an einem Grenzort auf der nordkoreanischen Seite. Es wären die ersten Gespräche beider Länder seit mehr als drei Jahren.

Damit das notorisch misstrauische Regime in Pjöngjang auf das Angebot auch eingeht, hat Seoul konkrete Zugeständnisse gemacht. Von humanitären Hilfslieferungen ist die Rede, einem neuen Anlauf für die Zusammenführung von Familien, die im ­Koreakrieg in den 50er-Jahren auseinandergerissen wurden. Das südkoreanische Militär erklärte sich sogar bereit, die ­Lautsprecherpropaganda an der ­Grenze einzustellen, die seit dem nordkoreanischen Atomtest im Jahr 2016 ununterbrochen laufen und dem Regime in Pjöngjang ein ­besonderes Ärgernis sind. «Die Gespräche sollten dem Abbau der Spannungen entlang der stark ­befestigten innerkoreanischen Grenze dienen», erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul.

Innenpolitischer Wandel in Südkorea

Dieses Entgegenkommen der Südkoreaner überrascht jedoch nur auf den ersten Blick. Denn so martialisch die gegenseitigen militärischen Drohgebärden in den vergangenen Monaten waren – tatsächlich könnte der Zeitpunkt für eine Annäherung nicht besser sein.

Da ist zum einen der innenpolitische Wandel in Südkorea. Im Frühjahr musste Moons rechtskonservative Amtsvorgängerin Park Geun Hye wegen des Verdachts der schweren Korruption zurücktreten. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Park stand jedoch nicht nur für Bestechlichkeit, Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft, sondern auch für einen extrem harten Kurs im Umgang mit dem verfeindeten Nachbarn im Norden.

So lehnte Park aus Prinzip jegliche Gespräche mit dem Regime in Pjöngjang ab und setzte stattdessen auf militärisches Säbelrasseln. Gegen den Willen ihrer eigenen Bürger genehmigte sie die Stationierung des US-Abwehrsystems Thaads auf südkoreanischem Boden. Das sorgte auch für eine Verschlechterung der Beziehungen zu China, das sich wiederum bedroht fühlte.

In Parks Amtszeit erfolgte zudem die Schliessung des gemeinsam betriebenen Fabrikgeländes im nordkoreanischen Kaesong, des letzten verbliebenen Gemeinschaftsprojekts. Sie stellte auch sämtliche Lebensmittelhilfen ein für die in vielen Teilen Nordkoreas hungernden Menschen.

Bei vorgezogenen Neuwahlen im Mai gewann der links­liberale Menschenrechtsanwalt Moon haushoch. Er weiss damit eine grosse Mehrheit der Süd­koreaner hinter sich. Seine Annäherungspolitik ist innenpolitisch also legitimiert. Doch auch aussenpolitisch haben sich die Parameter geändert. Südkorea kann nicht länger auf die einstige Schutzmacht USA setzen. Das hat Vor- und Nachteile zugleich. Unter Trump haben die USA ­keine konkrete Nordkorea-Strategie mehr.

Der grosse Nachteil ist sicherlich, dass sich Südkorea und Japan verteidigungspolitisch nicht mehr auf die USA verlassen können. Dafür hat Trump seit Beginn seiner Präsidentschaft allzu unterschiedliche Signale von sich gegeben. Mal kündigte er an, die US-Militär-Präsenz in Ostasien zu verringern. Die Verbündeten sollten selbst mehr für ihre Sicherheit tun. Dann wieder droht er Nordkorea mit Militärschlägen. Das erhöht die Gefahr eines nordkoreanischen Bombenangriffs auf die 20-Millionen-Metropole Seoul.

Washington schweigt zum Annäherungsversuch

Der Vorteil an dieser Trumpschen Ziellosigkeit ist jedoch, dass sich die Regierung in Seoul stärker auf die Entwicklung einer eigenen Strategie besinnen kann. Eine Annäherung an Pjöngjang wird in Washington nicht per se mit Misstrauen beäugt, wie es vor allem unter Hillary Clinton als Aussenministerin der Fall war. Von den USA kommt derzeit aussenpolitisch oft gar nichts.

Südkoreas Präsident Moon hat diese Lücke erkannt. Mehr noch: Er möchte an der Politik seines einstigen Anwaltskollegen und Vorgängers Roh Moo Hyun anknüpfen. Unter Roh wurde Moon als sein Stabschef zum Architekten der sogenannten Sonnenscheinpolitik. Die steht für bedingungslose Hilfslieferungen mit der Hoffnung, damit Pjöngjang von seinem Atomprogramm abzubringen.

Die Chancen stehen gut. Denn tatsächlich sucht auch Nordkorea einen Ausweg aus dem zuletzt arg zugespitzten Streit. So sehr das Regime um Diktator Kim Jong Un bereit ist, sämtliche Register zu ziehen, um nicht von den USA gestürzt zu werden. Lebensmüde ist er nicht. Sollte sich ein gesichtswahrender Weg finden, die Spannungen abzubauen – er würde sie nutzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.