NORDKOREA: Fotoreportage: Exklusiver Einblick in ein verbotenes Land

Das kommunistische Land zündelt wieder. Am vergangenen Wochenende testete das Regime eine Mittelstreckenrakete. Doch wie sieht es in dem Land eigentlich aus? Fotograf Martin von den Driesch schlich sich mit einer Reisegruppe über die Grenze.

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Eine Soldatin auf dem mysteriösen Berg. (Bild: PD/Martin von den Driesch)

Eine Soldatin auf dem mysteriösen Berg. (Bild: PD/Martin von den Driesch)

Eine Verkäuferin am Kiosk. (Bild: Martin von den Driesch)
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Zwei Soldaten stehen Posten in einem Konferenzraum. Sie stehen vor einer Tür, die zur südkoreanischen Seite gerichtet ist – sie schauen von Nord nach Süd. Dieses Bild wurde gelöscht, als der Fotograf die entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea passierte – aber es konnte später wiederhergestellt werden. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein geheimes Dorf in der entmilitarisierten Zone (DMZ). Dieses Bild wurde ebenfalls gelöscht, als das Fotografenteam die DMZ passierte – es konnte später wiederhergestellt werden. (Bild: Martin von den Driesch)
Der Fotograf Martin von den Driesch ist der erste Deutsche, der die entmilitarisierte Grenze zwischen Nord- und Südkorea passiert hat. Er wurde vom Premierminister empfangen.
Bewachte Schwimmlektion in der Kumgangsan Region in Kangwon, Nordkorea. (Bild: Martin von den Driesch)
Eine Spielkonsole in einem Park in der Nähe von Pyongyang. (Bild: Martin von den Driesch)
Eine Soldatin posiert am heiligen Berg Paektusan. (Bild: Martin von den Driesch)
Eine Rezeptionistin in einem Spa. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein leerer Wasserpark in der Nähe von Pyongyang. (Bild: Martin von den Driesch)
Impressionen einer Ausstellung über Nordkoreas typische Tierwelt. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein Grillfest mit den Regierungswächtern: «Weil ich normale Menschen nicht fotografieren durfte, habe ich die Bewacher fotografiert», so der Fotograf Martin von den Driesch zu diesem Foto. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein Strand an der Ostküste Nordkoreas. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein nordkoreanischer Polizist posiert für die Kamera. (Bild: Martin von den Driesch)
An einem Kiosk in Nordkorea werden deutsche Würste verkauft. (Bild: Martin von den Driesch)
«Das Buch ist ein stiller Lehrer und ein Weggefährte fürs Leben», so die Übersetzung dieses Zitats von Kim Il Sung. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein Blick in ein Bücherregal. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein Wandbild von Kim Jong Il und Kim Jong Un. (Bild: Martin von den Driesch)
Die ausländische Reisegruppe von Fotograf Martin von den Driesch  beim Mittagessen. (Bild: Martin von den Driesch)
Das Parlament in Pyongyang. (Bild: Martin von den Driesch)
Als Fotograf von den Driesch am Flughafen in Südkorea ankam, wurde er von einer Horde Medienmenschen begrüsst. (Bild: Martin von den Driesch)
Als Fotograf von den Driesch am Flughafen in Südkorea ankam, wurde er von einer Horde Medienmenschen begrüsst. (Bild: Martin von den Driesch)
Flughafen in Südkorea. (Bild: Martin von den Driesch)
Innerhalb der DMZ (Bild: Martin von den Driesch)
Der Parlamentssprecher in Pyongyang. (Bild: Martin von den Driesch)
Das war wohl zu viel: Zwei Mitglieder aus dem Fotografenteam mussten nach dem letzten koreanischen Essen ein Nickerchen einlegen.
Einblick in ein 3D-Kino in Pyongyang. (Bild: Martin von den Driesch)
Einblick in eine Schule in Pyongyang. (Bild: Martin von den Driesch)
Einblick in eine Schule in Pyongyang. (Bild: Martin von den Driesch)
Eine Servicekraft während ihrer Mittagspause in der Stadt Wonsan. (Bild: Martin von den Driesch)
In den Bergen... (Bild: Martin von den Driesch)
Landschaft von Nordkorea. (Bild: Martin von den Driesch)
Ein Auto des Fotografenteams ging in Nordkorea kaputt und musste in die nächste Garage geschoben werden.
In der Stadt Tumangang kann man in Vodka eingelegte Schlangen kaufen.
In einem kleinen Kiosk in der Stadt Tumangang wird Schlangenvodka verkauft. (Bild: Martin von den Driesch)
Eine Gruppe von Soldaten marschiert und spielt Musik. (Bild: Martin von den Driesch)
Eine Impression vom ländlichen Nordkorea. (Bild: Martin von den Driesch)
Soldatinnen auf dem heiligen Berg Paektusan.
Das Fotografenteam um Martin von den Driesch hat es in die Acht-Uhr-Nachrichten in Nordkorea geschafft: Die Dame in der Mitte ist seine Frau Julia Kim-von den Driesch, eine russische Staatsbürgerin mit koreanischen Wurzeln. (Bild: Martin von den Driesch)
Dieses Bild zeigt den Fotografen Martin von den Diresch. Hinter ihm und den nordkoreanischen Frauen hängt die Karte mit der Route, die er mit seinem Team während sechs Wochen in Nordkorea zurückgelegt hat – fast 17 000 Kilometer! (Bild: Martin von den Driesch)
Die Verabschiedung in Nordkorea. (Bild: Martin von den Driesch)

Eine Verkäuferin am Kiosk. (Bild: Martin von den Driesch)

Damit hatte Martin von den Driesch nicht gerechnet. Zu seinem eigenen Erstaunen reagierte die nordkoreanische Soldatin überhaupt nicht ablehnend auf seinen Vorschlag, sie zu fotografieren, sondern folgte vielmehr den Gesten des Fotografen, um sich vor dem perfekten Hintergrund zu platzieren. Schnell ein paar Fotos, bevor es von Seiten der Aufpasser wieder hiess: «Martin, no more photos. Let’s go!»

Das war auf dem Gipfel des Paektusan, eines mystischen Orts in Nordkorea. Das war im Sommer 2014, als von den Driesch als einziger westlicher Teilnehmer einer Reisegruppe in Nordkorea weilte. Anlass für die Reise war eine Rallye zum 150. Jahrestag der ersten Ansiedlung von Koreanern in Russland. Die «Friedenstour» führte auf dem Weg von Moskau nach Seoul direkt durchs Land von Diktator Kim Jong Un. Die Teilnehmer – es waren ausser von den Driesch ausschliesslich Russen und Koreaner dabei – erhielten auf diese Weise einen tieferen Einblick in das Leben der Nordkoreaner, als dies «gewöhnlichen Reisegruppen» gewährt wird. «Frei waren wir in unseren Aktionen deswegen nicht. Und kritische Fragen waren schon gar nicht erwünscht», sagt er. Wohin die Teilnehmer auch immer gingen, stets wurden sie begleitet von Aufpassern, den sogenannten Government Minders. 

Stundenlang keinem Auto begegnet

Von den Driesch beschreibt Nordkorea als landschaftlich sehr reizvoll: «Das Land hat viel zu bieten. Wir waren im August dort, als alles grünte. Wir sahen bergische Landschaften und weite Felder mit Reis- und Maisanbau.» Doch im ganzen Land herrschte eine spezielle Stimmung. Stundenlang begegnete die Reisegruppe keinem einzigen Auto. «Stattdessen sah man immer wieder Menschen, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs waren.»

Rückkehr nur als «Tourist mit Fotokamera»

Die Soldatin auf dem heiligen Berg, die scheu zur Kamera blickt, zählt zu den Lieblingsmotiven von Martin von den Driesch. Als noch viel spezieller müssen aber die Aufnahmen eingestuft werden, die von den Driesch am letzten Tag der Reise in Nordkorea gemacht hatte. Die Gruppe machte einen Halt in der entmilitarisierten Zone am 38. Breitengrad. Hier an der Grenze zu Südkorea wurde in einer unscheinbaren Baracke der Friedensvertrag unterzeichnet. Zwar wurde der Deutsche von Soldaten angewiesen, die Bilder sofort zu löschen. Von den Driesch konnte die Fotos im Nachhinein aber wieder rekonstruieren. Beim Koreakrieg (1950–1953) starben rund drei Millionen Zivilisten, mehr als das Dreifache der Zahl gefallener Soldaten.
 
Martin von den Driesch erhielt als einer der wenigen westlichen Fotografen einen tiefen Einblick. Gerne würde er nach Nordkorea zurückkehren. Aber offiziell als Fotograf einreisen ist unter «normalen Umständen» kaum möglich. «2015 habe ich mich um ein Fotografenvisum für Nordkorea bemüht, als die Band Laibach als erste westliche Musikgruppe überhaupt in Pjöngjang aufgetreten ist», erzählt von den Driesch, «aber ich habe nie eine Antwort erhalten.» Realistischer scheint ihm die nochmalige Einreise als «Tourist mit Fotokamera».

(bu)

Eine Aufnahme von musizierenden Soldatinnen und Soldaten. (Bild: Martin von den Driesch)

Eine Aufnahme von musizierenden Soldatinnen und Soldaten. (Bild: Martin von den Driesch)