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NORDKOREA: Raketen-Provokation: Japan steht unter Schock

Das Regime in Pjöngjang hat erstmals ohne Vorwarnung eine Rakete über die Insel Hokkaido hinweggeschickt. Die Bevölkerung wurde in den Alarmzustand versetzt, auf einen Abschuss der Rakete verzichtete Tokio jedoch.
Angela Köhler, Tokio
Fussgänger betrachten vor einem TV-Sender die Bilder des nordkoreanischen Raketenstarts. (Bild: The Asahi Shimbun/Getty (Osaka, 29. August 2017))

Fussgänger betrachten vor einem TV-Sender die Bilder des nordkoreanischen Raketenstarts. (Bild: The Asahi Shimbun/Getty (Osaka, 29. August 2017))

Angela Köhler, Tokio

Millionen Japaner wurden gestern unsanft von ihren Handys geweckt – und in einen Schockzustand versetzt. Das eigentlich für Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Tsunamis gedachte Frühwarnsignal J-Alert-System versendete um 5.58 Uhr Ortszeit mehrfach hintereinander eine einzeilige Warnung mit den ominösen Worten «Rakete fliegt vorbei».

Kurz darauf informierte ein offizieller Text darüber, was geschah: «Eben gerade passierte ein Flugkörper unser Gebiet im Norden Japans. Wenn Sie etwas Verdächtiges bemerken, halten Sie sich davon fern, informieren Sie Polizei oder Feuerwehr und begeben sich sofort in ein sicheres Gebäude, oder suchen Sie Schutz im Untergrund.»

Um 6.06 überflog das nordkoreanische Geschoss den Luftraum über Cape Erimo im Südosten der nördlichen Hauptinsel Hokkaido und ging sechs Minuten und 1180 Kilometer weiter nordöstlich im Pazifischen Ozean nieder. Das nordkoreanische Militär bestätigte kurz darauf, dass man von einer Abschussrampe nahe der Hauptstadt Pjöngjang eine Rakete in Richtung des Japanischen Meeres abgefeuert habe. Sie sei mit einer Maximalhöhe von 550 Kilometern rund 2700 Kilometer weit geflogen.

Vierte nordkoreanische Rakete über Japan seit 2009

Es ist das vierte Mal seit 2009, dass Nordkorea eine Rakete über Japan hinwegschickte, aber zum ersten Mal ohne jede Vorwarnung. Und erstmals brach im Raketenpoker von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un unter der japanischen Bevölkerung so etwas wie Panik aus. Auf Hokkaido wurden sofort alle Züge gestoppt. An der grössten Metrostation der Zwei-Millionen-City Sapporo erschien die Laufschrift: «Grund: Ballistischer Raketenstart».

In zwölf Präfekturen Japans wurde der Zivilalarm ausgelöst. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagte der sichtlich schockierte Hiroyuki Iwafune. «Ich zittere immer noch. Was kann ich tun? Verstecken? Aber wo?», fragte der Manager einer lokalen Fischerei-Genossenschaft. Er hatte zu diesem Zeitpunkt 15 Boote vor der Küste. Auch in der 700 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio wurde der Verkehr unterbrochen. Die Zugauskunft erklärte über Lautsprecher, die Lage sei «sehr gefährlich».

In Japan gibt es fast überall, vor allem jedoch in Tokio und entlang der Küstenlinie zu Nordkorea, Patriot-Raketenabwehrsysteme. Sie wurden jedoch nicht aktiviert. Premier Shinzo Abe sprach zwar von einer «nie da gewesenen, schwerwiegenden und ernsthaften Gefahr». Verteidigungsminister Itsunori Onodera gab jedoch nicht den Befehl zum Abschuss der Rakete. Das Militär habe erkannt, dass sie sehr wahrscheinlich nicht in Japan oder seiner maritimen Wirtschaftszone einschlagen würde. In diesem Fall verbiete die Verfassung eine Attacke auf fremde Flugkörper.

Trump sichert Japan Unterstützung zu

Stattdessen telefonierte Abe mit US-Präsident Donald Trump, der erneut versicherte, zu «100 Prozent» an der Seite Japans zu stehen. Sollte Kim Jong Un es tatsächlich wagen, einen Angriff zu befehlen, stossen seine Geschosse auf eine dicht gestaffelte Verteidigungskette. Wenn eine Rakete Richtung Japanisches Meer abgefeuert wird, steht in Südkorea das von den USA kürzlich stationierte Abwehrsystem Thaad bereit. Sollte das Abfangmanöver misslingen, kann Japans elektronisch verknüpftes Aegis-Kriegsschiff vor der nordkoreanischen Ostküste die Geschosse abfangen. Auf japanischem Territorium setzt das dort stationierte Patriot-System als Abwehrschirm ein.

Die Installation der japanischen Boden-Luft-Abwehrraketensysteme ist seit zwei Wochen abgeschlossen. Neben der Küstenpräfektur Ehime sowie Tokio, wo solche Raketen schon länger einsatzbereit sind, verfügen nun auch die Präfekturen Shimane, Hiroshima und Koichi über entsprechende Anlagen. Daneben sind Verteidigungssysteme der Marine auf Zerstörern stationiert, die im Japanischen Meer gegenüber Nordkorea kreuzen.

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