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NORDKOREA: US-Senator spricht von Mord

Nach dem Tod des US-Studenten Otto Warmbier wird in Washington über ein Reiseverbot für amerikanische Staatsbürger nach Nordkorea diskutiert.
Renzo Ruf, Washington
Der verstorbene Otto Warmbier beim Schauprozess in Nordkorea. (Bild: Jon Chol Jin/AP (Pjöngjang, 16. März ’16))

Der verstorbene Otto Warmbier beim Schauprozess in Nordkorea. (Bild: Jon Chol Jin/AP (Pjöngjang, 16. März ’16))

Renzo Ruf, Washington

Der Reiseveranstalter reagierte mit einiger Verspätung doch noch. Nachdem der US-Student Otto Warmbier (22) am Montag an seinen schweren Hirnverletzungen gestorben war, die er sich im vorigen Jahr in Nordkorea zugezogen hatte, gab das chinesische Reisebüro Young Pioneer Tours einen Reisestopp für US-Staatsbürger bekannt. Das Risiko für Amerikaner sei schlicht zu hoch, hielt der Reiseveranstalter auf seiner englischen Facebook-Seite fest – nachdem das Unternehmen lange behauptet hatte, dass die Reise für US-Staatsbürger ungefährlich sei.

Warmbier war im Frühjahr 2016 nach einem Schauprozess zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden. Das Verbrechen, das er angeblich begangen hatte: In der Silvesternacht 2015 soll er in einem Hotel in Pjöngjang, in dem ausländische Touristen untergebracht sind, einen Propagandaschriftzug von der Wand abgehängt haben, auf dem der Vater des heutigen Diktators Kim Jong Un erwähnt wurde. Angeblich, so jedenfalls sagte es das Regime, habe Warmbier dies getan, weil ihm ein Freund einen Gebrauchtwagen versprochen habe, falls er einen subversiven Akt begehe.

Warmbier war bei seiner Ausreise aus Nordkorea am Flughafen von Sicherheitsbehörden festgenommen worden. Nach dem Schauprozess im April 2016 verschwand er, wie vom Erdboden verschluckt, obwohl sich amerikanische und schwedische Diplomaten – die aufgrund der fehlenden Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang als Schutzmacht der USA amtieren – um seine Freilassung bemühten.

Keine Schläge oder Folter

Vor kurzem erhielten dann die Eltern des Studenten den Bescheid, dass Otto Warmbier sich in einem Wachkoma befinde. Er habe sich eine Lebensmittel­vergiftung zugezogen, hiess es. Nach einer Intervention der Regierung von Präsident Donald Trump wurde Warmbier dann vorige Woche in die USA ausgeflogen, wo er sich seither in einem Spital in Cincinnati (Ohio) in Pflege befand. Seine Ärzte sagten, er habe einen Kreislaufstillstand erlitten, sie mochten über die Ursachen aber nicht spekulieren. Warmbier sei nicht geschlagen oder gar gefoltert ­worden, sagten sie bloss. Seine Eltern sagten in einer Stellungnahme, Warmbier sei durch das nordkoreanische Regime derart «furchtbar qualvoll» behandelt worden, dass er keine Chance hatte.

Dennoch sprachen amerikanische Politiker in ersten Reaktionen von einem «Mord» durch eine «feindliche Macht». Amerika könne das Vorgehen Nordkoreas nicht länger tolerieren, sagte Senator John McCain, der den Verteidigungsausschuss im Senat präsidiert. Und der Demokrat Benjamin Cardin, die Nummer zwei im Aussenpolitischen Ausschuss, sagte, dass Nordkorea nun zur Verantwortung gezogen werden müsse – auch, weil das Regime derzeit drei weitere US-Staatsbürger festhält.

Eine erste Konsequenz des tragischen Todesfalls: ein Verbot für amerikanische Staatsbürger, nach Nordkorea zu reisen. Aus­senminister Rex Tillerson deutete bereits in der vorigen Woche an, dass die Regierung Trump vielleicht bald eine entsprechende präsidiale Verfügung verabschieden werde.

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