NSU-Prozess
NSU-Prozess: Presseplätze per Los vergeben

Am kommenden Montag soll in München der Prozess gegen Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des rechtsextremen «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU), und vier Mitangeklagte beginnen. Die Presseplätzevergabe aber sorgt für Ärger.

Dagmar Heuberger
Merken
Drucken
Teilen
Beate Zschäpe muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten (Archiv)

Beate Zschäpe muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten (Archiv)

Keystone

Vor zwei Wochen hatte das Oberlandesgericht München den Beginn der Hauptverhandlung verschoben, weil es massive Proteste gegen das Akkreditierungsverfahren für die Medien gegeben hatte. Hauptpunkt der Kritik: Obwohl es sich bei der Mehrzahl der von der Terrorzelle NSU Ermordeten um Türken gehandelt hatte, waren sämtliche türkischen Medien leer ausgegangen.

«Brigitte» dabei – FAZ nicht

Gestern wurden die Presseplätze für den Prozess erneut vergeben – und zwar per Los. Um die 50 Presseplätze im Gerichtssaal bewarben sich mehrere Hundert Medien. Insgesamt wurden drei Gruppen und mehrere Untergruppen gebildet. Das Verfahren erinnerte ein wenig an eine Gruppenauslosung für die Endrunde einer Fussball-Weltmeisterschaft. Losglück hatten unter anderem die beiden türkischen Zeitung «Sabah» und «Hürriyet». «Sabah» war jenes türkische Blatt, das mit seiner Beschwerde ans Bundesverfassungsgericht dafür gesorgt hatte, dass das Akkreditierungsverfahren neu gestartet werden musste. Mit dabei sind sodann die Nachrichtenagentur DPA, die «Bild-Zeitung», die Nachrichtenmagazine «Spiegel» und «Focus», die Fernsehsender ARD und WDR (Westdeutscher Rundfunk) – und die Frauenzeitschrift «Brigitte».

Die meisten grossen deutschen Zeitungen gingen dagegen leer aus. Keine festen Presseplätze haben demnach die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ), die «Welt», die «Zeit» und die «Tageszeitung» (taz). Auch die «Süddeutsche Zeitung» (SZ), die wichtigste überregionale Tageszeitung auf dem Platz München, ist nicht dabei, wohl aber das Magazin der SZ.

Auf die Ergebnisse der Verlosung gibt es bereits erste kritische Reaktionen. «Welt», FAZ und taz prüfen bereits rechtliche Schritte. Die taz will eine Videoübertragung des Prozesses erreichen.