US-Wahlen
Obama klärt Romney über Flugzeugträger, Pferde und Bajonette auf

Das letzte TV-Duell des US-Wahlkampfs zeigte einen zahmen Herausforderer und einen aggressiven Amtsinhaber – laut Politexperten ist das ein Zeichen, dass Präsident Obama um sein Amt fürchtet.

Renzo Ruf, Washington
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Barack Obama und Mitt Romney gehen sich nach der TV-Debatte rasch aus dem Weg.keystone

Barack Obama und Mitt Romney gehen sich nach der TV-Debatte rasch aus dem Weg.keystone

Wer noch einen Beweis dafür benötigte, dass Präsident Barack Obama seinen Herausforderer nicht ausstehen kann, der erhielt ihn in der dritten und letzten Fernsehdebatte zwischen den beiden Kandidaten fürs Weisse Haus. Von Beginn versuchte Obama, den Republikaner Mitt Romney als aussenpolitischen Novizen ohne Rückgrat darzustellen. Dabei schreckte der Präsident auch nicht davor zurück, sich vor laufender Kamera über seinen Kontrahenten lustig zu machen.

Das klang dann etwa so: Nachdem sich Romney für massive Investitionen in die Streitkräfte der USA ausgesprochen hatte, sagte ein sichtlich genervter Obama: «Sie haben die Marine erwähnt, und dass wir weniger Schiffe haben als im Jahr 1916. Wissen Sie, Gouverneur, wir haben auch weniger Pferde und Bajonette», weil sich das Wesen des Militärs in den letzten hundert Jahren fundamental geändert habe. Und dann sagte der Präsident, als spräche er zu einem minderbemittelten Schulbuben: «Wir haben nun diese Dinger, die wir Flugzeugträger nennen, auf denen Flugzeuge landen können.» Dazu machte Obama eine Handbewegung, als wolle er Romney zeigen, wie ein Kampfjet auf einem Flugzeugträger aufsetzt. Und «wir haben diese Schiffe, die unter Wasser tauchen, Atom-U-Boote».

Ob solche verbalen Tiefschläge effektiv sind, sei dahingestellt – die 90-minütige Debatte, die sich weitgehend um aussenpolitische Fragen drehte, war stellenweise zähflüssig und dürfte wohl deutlich weniger Zuschauer als die zwei vorherigen TV-Duelle gefesselt haben. (Die erste Debatte brachte es auf gut 67 Millionen Fernsehzuschauer, die zweite auf knapp 66 Millionen.) In den Augen der meisten Politbeobachter zeigte das aggressive Vorgehen des Präsidenten aber, dass er um sein Amt fürchtet – denn die Meinungsumfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber und Herausforderer hin.

Mit ein Grund für dieses Patt: Romney gab sich in den drei Debatten deutlich gemässigter als während des republikanischen Vorwahlkampfs und wollte von früheren Positionsbezügen nichts mehr wissen. (Obama nennt dies spöttisch «Romnesia», ein Zusammenzug aus den Worten «Romney» und «Amnesie», Gedächtnisstörungen.) Selbst Experten taten sich schwer damit, fundamentale Unterschiede zwischen den aussenpolitischen Vorstellungen Romneys und Obamas zu finden – obwohl der Republikaner doch immer wieder betonte, die USA würden unter seiner Führung entschiedener und muskelprotzender auftreten.

Staatsmann Romney

Natürlich war auch dies kein Zufall: Angesichts guter Umfragewerte wollte Romney niemanden vor den Kopf stossen. «Er gab sich präsidial und präsentierte sich den Wählern als kühler, rational denkender Staatsmann», sagt der Journalismus-Professor Alan Schroeder, der an der Northeastern University in Boston lehrt. «Hatte Romney mit dieser Strategie Erfolg? Teilweise», sagt Schroeder im Gespräch mit der «Nordwestschweiz». Der Republikaner wirkte zwar tatsächlich staatsmännisch, während Obama zwischenzeitlich klang wie ein Herausforderer. Andererseits gab Romney damit auch eine seiner schärfsten Waffen aus der Hand: Er musste seine Kritik am Präsidenten auf ein Minimum beschränken, wie Schroeder sagt. Tatsächlich unterliess es Romney, den Präsidenten beispielsweise für das kommunikationspolitische Debakel im Nachgang auf die blutige Attacke auf das US-Konsulat in Bengasi (Libyen) zu attackieren. Debatten-Experte Schroeder merkt aber auch an, dass Obama es mit seinen Angriffen gegen den Herausforderer zuweilen übertrieb. «Meiner Meinung nach ist weniger mehr: Zu viel Sarkasmus kann auf Fernsehzuschauer abschreckend wirken.»

Interessanterweise spielte sich der schärfste Wortwechsel im TV-Duell nicht ab, als die beiden Kandidaten über Ägypten, Iran, Libyen oder China sprachen. Vielmehr gerieten sich Obama und Romney in die Haare, als sie die Rettung der amerikanischen Autokonzerne in den Jahren 2008 und 2009 thematisierten. Der Präsident warf dem Herausforderer vor, er habe sich damals für den Untergang von General Motors (GM) und Chrysler ausgesprochen. Romney widersprach (korrekterweise) heftig: Denn im «Swing State» Ohio, den der Republikaner am 6. November gewinnen muss, gehört die Autoindustrie zu den Pfeilern der lokalen Wirtschaft.Kommentar rechts