USA

«Obama muss seine PR verbessern»

Jennifer Giroux war als Wahlhelferin in Zürich aktiv involviert in die Zwischenwahl

Christian Nünlist, Dagmar Heuberger
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US-Präsident Barack Obama nach der Wahl

US-Präsident Barack Obama nach der Wahl

Keystone

Wie erlebten Sie die Wahlnacht?

Jennifer Giroux: Ich schaute TV bis um2 Uhr, aber liess mich dann vom
iPhone jede Stunde wecken für die Resultate. Ich bin sehr erleichtert. Es war ja zu erwarten, dass die Demokraten nach den Gewinnen von 2006 und 2008 nun Sitze verlieren würden. Dass die Tea-Party-Kandidaten in Delaware und Nevada nicht gewählt wurden, ist grossartig. Ohne diese Kandidaturen wären diese Sitze wohl an die Republikaner gegangen.

Dann haben die Demokraten also von der Tea-Party profitiert?

In Nevada und anderswo sicherlich. Aber die Tea-Party dominierte zuletzt viel zu stark die Medien. 2012 wird es eine ganz andere Wahl geben. Die wirtschaftliche Lage wird bis dann hoffentlich besser sein. Dann werden die Demokraten wieder vereint hinter der Obama-Regierung und ihren ambitionierten Reformen stehen. Der Streit zwischen moderaten Konservativen und den Tea-Party-Radikalen wird hingegen den Republikanern schaden. Das ist für die Demokraten eine grosse Chance. Deshalb bin ich heute ziemlich optimistisch.

War es 2010 für Sie schwieriger, Amerikaner in der Schweiz zur Stimmabgabe zu bewegen?

Nein, Amerikaner in der Schweiz waren für die Wahl motiviert, weil sie besorgt sind über den Aufstieg der Tea Party und über die ideologischen Grabenkämpfe in Washington in einer Zeit der Wirtschaftskrise. Daraus resultierten Frustration und auch eine gewisse Enttäuschung, weil Obama, der geniale Kommunikator von 2008, sich nach der Wahl von seinen Wählern abgenabelt hatte.

Wann verlor Obama das Vertrauen seiner Wähler?

Die Amerikaner verloren nicht das Vertrauen in Obama. Sie verloren das Vertrauen in den Staat und die Institutionen. Das lag vor allem an den Rettungsaktionen des Staates in der Krise, die 2008 begann. Amerikaner wollen nicht, dass sich der Staat überall aktiv einmischt.

Glauben die Amerikaner noch an den «amerikanischen Traum»?

Ja, aber sie sind zunehmend besorgt. Ich stamme aus Michigan, und dieser Industriestaat wurde besonders hart getroffen. Der typische amerikanische Optimismus hat zuletzt gelitten. Die Amerikaner sind verunsichert; ihr Alltag ist schwieriger geworden.

War Obamas Wille zur Zusammenarbeit mit den Republikanern die richtige Strategie?

Sein Fokus auf Überparteilichkeit ist nobel und richtig. Aber die Obama-Regierung sollte ihre Marketing- und PR-Strategie verbessern und den Amerikanern ihre Politik besser erklären. Den Konservativen gelang es, mit Lügen und Unwahrheiten die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Wird Obama nun wie Bill Clinton 1994 in die Mitte rücken?

Barack Obama ist schon jetzt mehr Zentrist als Liberaler. Er wird seine Agenda weiterführen wie bisher. In den nächsten zwei Jahren wird er sich vermutlich verstärkt auf die Themen Immigration und Energie konzentrieren.

Welche Rolle spielte die grenzenlose Wahlkampffinanzierung?

Das ist schrecklich. Es war die teuerste Wahl der Geschichte, und 2012 wird noch teurer werden. Aber Meg Whitman hat in Kalifornien die Gouverneurswahl verloren, obwohl sie 150 Millionen Dollar aus ihrem Vermögen aufwendete. Das gibt mir Hoffnung.