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ÖSTERREICH: Karin Kneissl: Die schrille Un-Diplomatin

Sie kennt den diplomatischen Dienst, doch als Nahostexpertin nahm Karin Kneissl kein Blatt vor den Mund. Ihre Wahl zur Aussenministerin überrascht.
Karin Kneissl, Nahost-Expertin und Ex-Diplomatin. (Bild: Stanislav Jenis/Keysstone)

Karin Kneissl, Nahost-Expertin und Ex-Diplomatin. (Bild: Stanislav Jenis/Keysstone)

Hinter der biederen Erscheinung steckt eine erstaunlich schrille Persönlichkeit: Karin Kneissl scheut provokativ-pauschale Aussagen nicht. Diese dürften jetzt, nach ihrer Ernennung zu Österreichs neuer Aussenministerin, schwerer wiegen als bisher, als sie sich als führende Nahostexpertin des Landes äusserte.

Den umtriebigen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker nannte sie einen «Zyniker der Macht» und «Brüsseler Cäsar». Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schimpfte sie «grob fahrlässig», weil sie Selfies mit Flüchtlingskindern zuliess und damit deren Eltern falsche Hoffnungen mache. Als studierte Arabistin und Völkerrechtsexpertin ist es ihr gelungen, in Wort und Schrift sowohl die israelische als auch arabische Seite zu vergrämen, noch ehe sie im Amt war. In ihrem Buch «Mein Naher Osten» zeichnete sie den Zionismus als «an den deutschen Nationalismus angelehnte Blut- und Boden-Ideologie». Die Kriege in Syrien und im Irak wiederum hätten «viel mit Biologie» zu tun, sagte sie in einem Interview – Massen junger, testosterongesteuerter Männer würden sich daran beteiligen, später als Flüchtlinge in Europa auftauchen und an sexuellen Übergriffen wie in der Kölner Silvesternacht 2015 berauschen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nennt sie ohne Umschweife «eine unmittelbare Folge der Invasion der USA und ihrer Verbündeten 2003».

Es hat viele politische Beobachter überrascht, dass ausgerechnet die kantige Wienerin für diesen heiklen Posten nominiert wurde, die nachweislich Diplomatie nicht zu ihren hervorstechenden Eigenschaften zählt. Sie verdankt ihren Job einer Schwäche des neuen Kanzlers und ÖVP- Chefs Sebastian Kurz, der in den Koalitionsverhandlungen das Aussenministerium der rechten FPÖ überlassen musste. Deren Chef Heinz-Christian Strache präsentierte Kneissl, die keiner Partei angehört, mit viel Tamtam. Doch sie ist eher eine Verlegenheitslösung: Weil Bundespräsident Alexander Van der Bellen gedroht hatte, gewisse FPÖ-Ministerkandidaten abzulehnen, präsentierte Strache eine Quereinsteigerin, die von rechter Ideologie unbelastet ist. Auch wenn manche Äusserungen Kneissls über Flüchtlinge und Migration jenen mit der FPÖ durchaus kompatibel sind.

Die Vorliebe für den Nahen Osten verdankt die 1965 in Wien geborene Kneissl ihrem Vater, der Pilot des jordanischen Königs Hussein war. Die Tochter verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Jordanien, wo sie Arabisch lernte. Von 1990 bis 1998 war sie im Wiener diplomatischen Dienst – ­Diplomatie ist ihr also nicht gänzlich fremd, doch widmete sie sich lieber der Wissenschaft. Kneissl war zuletzt Expertin für Völkerrecht und Nahost-Geschichte an der Diplomatischen Akademie Wien und der EBS (European Business School) im Rheingau. Daneben hat sie sich als Buchautorin und Zeitungskorrespondentin einen Namen gemacht. Wie lange sie sich als Aussenministerin wird halten können, ist jedoch ungewiss.

Rudolf Gruber

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