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OMAN: 85 Anwärter für die Nachfolge des Sultans

Sultan Qabus scheint sich von seiner Krebserkrankung erholt zu haben. Nach Jahren der Ungewissheit zeichnet sich jetzt eine Nachfolgeregelung ab.
Bild: Grafik: LZ

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«Bäche von Blut» seien auf den Strassen von Maskat geflossen. Fast jede zweite Familie habe ein Schaf geschlachtet, um die Rückkehr von Sultan Qabus aus Deutschland zu feiern, erinnert sich Juma al Rahdi mit leuchtenden Augen. Acht Monate lang war der an Darmkrebs erkrankte ­Monarch in bayerischen Spitälern behandelt worden. Die Therapie war erfolgreich. Behaupteten die Staatsmedien, die erleichtert «die vollständige Heilung un­seres geliebten Sultans» verkündeten.

Fast genau drei Jahre sind seit «diesen Freudentagen» vergangen. «Bei weitem nicht alle Omanis waren damals von der Heilung seiner Majestät überzeugt», berichtet Juma, der an der Sultan-Qabus-Universität in der Oasenstadt Nizwa Mathematik studiert. Trotz aller Versicherungen der Regierung hätten die Menschen im Frühjahr 2015 «teils panische Angst vor der ­Zukunft» gehabt, welche inzwischen aber einer gewissen Zuversicht ge­wichen sei.

Verantwortlich dafür ist vor allem der Sultan selbst. Der 77-Jäh­rige empfängt wieder Staatsbesucher, wie unlängst den iranischen Präsidenten Hassan Rohani, zeigt sich regelmässig im Parlament und trägt mit An­sprachen an die Nation sowie Treffen mit lokalen Würdenträgern dazu bei, dass sich, wie sich ein europäischer ­Diplomat in Maskat ausdrückt, «das alte Wohlfühlgefühl bei den Omanis langsam wieder einstellt».

Kinderloser Sultan hält sich bedeckt

Um Palastintrigen vorzubeugen, hat Sultan Qabus bisher darauf verzichtet, einen Kronprinzen zu ernennen und damit seine Nachfolge in geregelte Bahnen zu lenken. So habe man auch verhindern können, dass Staaten wie Saudi-Arabien und Iran den designierten Nachfolger beeinflussen oder gar manipulieren, erklären dem Herrscherpalast nahe­stehende Beobachter in der omanischen Hauptstadt. Selbst die königliche Familie Al Said, in der 85 Personen rechtmässige Ansprüche auf die Nachfolge des kinderlos gebliebenen Sultans Qabus erheben könnten, wurde offenbar bewusst im Unklaren gelassen.

Nach dem vom Herrscher selbst erlassenen omanischen Grundgesetz tritt im Falle seines Ablebens ein Familienrat zusammen. Innerhalb der dreitägigen Trauerzeit muss das Gremium ­einen neuen Sultan bestimmen. Im Falle eines Scheiterns treten das Parlament und der Verteidigungsrat zusammen, um den Namen jener Person zu verkünden, deren Ernennung von Qabus in zwei versiegelten Briefumschlägen in den Palästen von Maskat und Salalah hinterlassen wurde.

Da Sultan Qabus, dessen Ehe nach drei Jahren geschieden ­wurde, auch keine Brüder hat, sollen die drei Söhne seines Onkels, des Bruders seines 1970 von ihm selbst gestürzten Vaters, die aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge sein. Die Namen von zwei Cousins, glauben Palastinsider, soll Qabus in dem ominösen Nachfolge-Kuvert genannt haben. Einen Hinweis auf den ­Favoriten des Sultans könnte die vor einem Jahr erfolgte Ernennung von Sayyid Assad bin Tariq al Said zum stellvertretenden Premierminister für internationale Ko­operation sein. Der 63-Jährige stu­dierte, wie Qabus, an der ­bri­tischen Militärakademie von Sandhurst, machte in der oma­nischen Armee Karriere, ehe er als erfolgreicher Geschäftsmann Millionen verdiente.

Schweres Erbe für den Nachfolger

Sayyid Assad stehe für Kontinuität und damit für jene Neutralität, mit der sich der Oman unter ­Sultan Qabus trotz Anfeindungen aus Saudi-Arabien im spannungsgeladenen Mittleren Osten so gut behaupten konnte, betonen Diplo­maten in Maskat. Den Regenten in Riad missfällt Omans Rolle als Brückenbauer zum Iran. Das Sultanat wurde verdächtigt, im Jemen-Krieg klammheimlich die Huthis zu unterstützen – ein Vorwurf, der von Landeskennern ins Reich der Fabel verwiesen wird. Dabei war es auch zu schweren Strassenschlachten mit der Polizei gekommen. Leicht wird es der neue omanische Sultan, wer auch immer es am Ende sein wird, nicht haben, den Neutralitätskurs des charismatischen Qabus fortzusetzen. Auch innenpolitisch warten grosse Herausforderungen. Die Arbeitslosigkeit im Sultanat ist hoch. Tausende waren im Februar dieses Jahres auf die Strassen gegangen, um gegen ­soziale Missstände zu demons­trieren.

Er sei sich nicht sicher, ob «ein schwerreicher Geschäftsmann wie Sayyid Assad der richtige Mann für die Nachfolge unseres Sultans» ist, fragt sich nicht nur Juma, der Mathematikstudent aus Nizwa. In Zeiten zunehmender Unsicherheit sei ein «unbescholtener General» für die Nachfolge des Sultans vielleicht besser geeignet. Für ernsthafte Sorgen sei es jedoch zu früh, gibt sich der junge Omani optimistisch und zeigt uns ein Bild des Sultans mit dem amerikanischen Verteidigungsminister James Mattis. Spuren seiner schweren Krankheit, freut sich Juma, seien darauf nicht mehr zu erkennen.

Michael Wrase, Maskat

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