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OMAN: Humanitäre Hilfe aus dem Sultanat

Im Gegensatz zu den meisten arabischen Ländern behandelt der Oman verletzte und kranke Zivilisten aus dem Jemen. Drei Jahre nach Kriegsbeginn hat sich die humanitäre Lage dort weiter verschärft.
Michael Wrase, Salalah
Die humanitäre Lage im bürgerkriegsgeplagten Jemen spitzt sich immer mehr zu. Im Bild füllen Männer in der Hauptstadt Sanaa Trinkwasser ab. (Bild: Yahya Arhab/EPA (Sanaa, 27. März 2018))

Die humanitäre Lage im bürgerkriegsgeplagten Jemen spitzt sich immer mehr zu. Im Bild füllen Männer in der Hauptstadt Sanaa Trinkwasser ab. (Bild: Yahya Arhab/EPA (Sanaa, 27. März 2018))

Michael Wrase, Salalah

Der omanisch-jemenitische Grenzposten bei Sarfayt ist keine Einbahnstrasse. Bis zu 150 Omanis passieren die auf einem spektakulären Hochplateau gelegene Polizeistation, um «drüben», in der jemenitischen Provinz Hadramaut, Kat zu kaufen. Obwohl stark gesundheitsschädlich, wird der Erwerb der südarabischen Volksdroge für den persönlichen Gebrauch gestattet. Für das sogenannte Kat-Visum, das 24 Stunden gültig ist, bezahlen die Omanis umgerechnet 27 Franken.

Im Oman selbst dürfen die grünen Blätter, die bis zu sechs Stunden gekaut werden müssen, um ihre benebelnde Wirkung zu entfalten, nicht verkauft werden. Die Grenze ist für alle Jemeniten geschlossen – es sei denn, sie sind krank oder wurden im Krieg verletzt. Dann werden sie in Ambulanzen sofort in das Sultan Qaboos Hospital von Salalah gebracht, wo «unsere Nachbarn medizinisch behandelt und gesundgepflegt werden. Als gute Nachbarn sind wir dazu verpflichtet», sagt Harith al-Rash­eidi vom omanischen Informationsministerium.

Einziges neutrales arabisches Land

Seit Kriegsbeginn kümmere man sich um die Brüder und Schwestern aus dem Jemen, «hänge die umfangreiche humanitäre Hilfe aber nicht an die grosse Glocke». Genaue Zahlen wollen die Omanis nicht nennen. Nach einem besonders heftigen Luftangriff der von Saudi-Arabien geführten internationalen Koalition habe das Sultanat an einem Tag 125 Verletzte behandelt, erfahren wir aus westlichen Diplomatenkreisen in der Hauptstadt Muscat.

Als einziges arabisches Land hat es Oman geschafft, im Jemen-Krieg neutral zu bleiben. Als direkter Nachbar von Jemen, Saudi-Arabien und Iran wäre das Sultanat geeignet, in dem inzwischen drei Jahre andauernden Konflikt zu vermitteln. Die Bereitschaft dazu ist in Muscat, wo auch der Atomdeal mit dem Iran einge­fädelt wurde, vorhanden. Riad lehnt eine omanische Vermittlung nicht nur ab, sondern hat das Sultanat bereits verdächtigt, beim Schmuggel von iranischen Waffen behilflich zu sein.

Westliche Sicherheitskreise bezeichnen den Vorwurf als absurd. Oman sichere seine fast 500 Kilometer lange Grenze zum Jemen nicht nur mit Soldaten, sondern auch durch eine acht Meter hohe Mauer, welche bereits zur Hälfte fertiggestellt worden sei. Wer im Jemen Waffen benötige, gehe auf entsprechende Märkte, auf denen «gewaltige Mengen an Kriegsgerät angeboten» würden, heisst es in omanischen Sicherheitskreisen. Genügend Waffen sowie ausreichend Kat seien in der Geschichte des Jemens niemals ein Problem gewesen. Katastrophal sei dagegen die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Auch das Gesundheitssystem ist nach drei Kriegsjahren völlig zusammengebrochen, weil ein Drittel der 16 500 registrierten saudischen Luftangriffe nicht militärische Ziele wie Krankenhäuser, Lebensmittel­lager und Märkte getroffen hätte, berichtet das internationale Netzwerk Crises Action.

Verschärft werde die Lage durch die Blockade des wichtigen Hafens al-Hodeida. Wenige Wochen vor dem Beginn der Regenzeit müsse daher mit einem erneuten Ausbruch der Cholera gerechnet werden, warnten gestern die Vereinten Nationen. Die Seuche, an der sich im letzten Jahr mehr als eine Million Menschen ansteckten und der 3000 Menschen zum Opfer fielen, galt zwischenzeitlich als eingedämmt. Auch die Infektionskrankheit Diphterie breitet sich nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter aus.

«Grösste humanitäre Krise der Welt»

Die Hilfsorganisation Oxfam warnte gestern zum wiederholten Male vor einer Hungersnot im Jemen, ohne Gehör zu finden. «Die grösste humanitäre Krise der Welt», so die Vereinten Nationen, findet im Westen kaum Beachtung, weil Jemeniten im Gegensatz zu Syrern, Irakern oder Afghanen ihr Land nicht verlassen und so nicht auf ihr entsetzliches Leiden aufmerksam machen können.

Auch die im Oman behan­delten Jemeniten müssen nach einem Krankenhausaufenthalt wieder in ihr Land zurückkehren. Sie werden dann mit ausreichenden Medikamenten ausgestattet. Eine Rückkehr bei einer erneuten Erkrankung ist jederzeit möglich. Meistens reicht es, an der Grenze die Patientenakte des Sultan Qaboos Hospital von Salalah oder anderer behandelnder Spitäler im Oman zu zeigen.

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