Verschwörungstheorien
Osama Bin Laden lebt noch – oder ist längst tot

Das Vorgehen der US-Regierung bei der Tötung von Osama Bin Laden liefert Steilvorlagen für Misstrauische. Verschwörungstheoretiker glauben, dass der Terrorfürst bereits seit Dezember 2001 tot ist – oder dann noch lebt.

Christoph Bopp
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Der - tote? - Terrorfürst Osama Bin Laden

Der - tote? - Terrorfürst Osama Bin Laden

Keystone

Wahrscheinlich ist es schwierig, die Geschichte von der Tötung Osama Bin Ladens zu erzählen, ohne dass «die Geschichte stinkt». Läuft die Story zu rund, ist sie zu gut, um wahr zu sein – und deshalb gefälscht. Hat sie kleinere und grössere Holperer, sieht jeder, dass sie gefälscht ist. Was eine rechte Regierung ist, hat Geheimdienste. Und die hat man, damit sie auch wirklich im Geheimen operieren. Und geheim muss sein und bleiben, was irgendwie krumm ist.

Zu schön, um ganz wahr zu sein: Man hat in Guantánamo einen Mann, gefangen genommen ungefähr am 15. Dezember 2001 im pakistanischen Grenzgebiet. Offenbar aus Saudi-Arabien, Mitglied der so genannten «Schmutzigen 30», von Kämpfern mit besonders engen Verbindungen zu Osama Bin Laden. Sein Name ist Maad al-Qahtani und er soll der 20. Hijacker des 11. September 2001 gewesen sein, konnte aber nicht rechtzeitig in die USA einreisen.

Wie auch immer: Dieser Mann hatte Kontakt zu einem gewissen Abu Ahmed al-Kuweiti, der ihm unter anderem das E-Mailen beibringen sollte. Dieser Kuwaiter soll aber auch der geheimnisvolle «Bote» gewesen sein, der die CIA zu Bin Ladens Versteck geführt hat. Und von da an war es leicht: Wie kann ein solcher Niemand ein so teures Haus besitzen usw.

Fotos zu grauslich?

Keine Beweise, dass «das Objekt» wirklich tot und wirklich der Gesuchte ist. Fotos kann es nicht geben, weil die sind zu grauslich anzusehen und könnten die Seelen zarter Kaida-Kämpfer in Aufruhr versetzen. Denn man musste dem Mann in den Kopf schiessen, erst – wie es hiess – weil er sich wehrte, dann wieder soll er unbewaffnet gewesen sein. Immerhin soll eine (seine?) Frau die Leiche identifiziert haben. Dann packte man den Körper in den Helikopter. Irgendwann entnahm man eine Gewebeprobe, um ein DNA-Profil zu erstellen.

Eine sonst doch recht diffizile Prozedur mit heiklen Geräten, die nur bei präzise eingehaltenen Temperaturen brauchbare Ergebnisse liefern. Denn das Erbgut muss vermehrt werden durch einen so genannten PCR-Prozess (Polymerase Chain Reaction), bevor die Genabschnitte verglichen werden können. Meist wird über Nacht angesetzt, um am anderen Morgen weiterarbeiten zu können (Wikipedia). Das Institut für Rechtsmedizin rechnet mit einem halben Tag. Wenns sein muss, kanns die CIA auch hurtiger.

Also, kein Zweifel: Das ist UBL (Usama Bin Laden). Zum Glück gebieten «die muslimischen Riten», an die man sich doch halten will, dass der Leichnam wenn möglich vor dem nächsten Gebet bestattet werden muss. Und weil man keine Wallfahrtsstätte will, schiebt man ihn halt ins Arabische Meer.

Gestorben an einer Lungenkomplikation?

Der Mann, der zweimal starb. Obwohl immer wieder – auch plump gefälschte – Videos von ihm kursierten (kurioserweise immer dann, wenn es der Bush-Administration gelegen kam), sind viele überzeugt, dass Bin Laden seit Dezember 2001 tot ist. Gestorben an einer Lungenkomplikation, meldete damals eine ägyptische Zeitung. Bin Laden war nie von blühender Gesundheit. Von Nieren- und Lebererkrankungen bis zur Addison-Krankheit wurde alles Mögliche aufgeführt. Am meisten genannt wird der 16.Dezember. Gestern tauchte Bin Ladens «Testament» auf: Datiert vom 14. Dezember 2001. Das letzte authentische Zeugnis ist seine Stimme im Funk, der abgehört wurde, das soll am 16. Ðezember gewesen sein. Eine kleine Ironie: Das geheimnisumwitterte «Team Six» der Navy Seals war auch damals in den Bergen von Tora Bora zugegen.

Schöne Daten: Auf den Tag genau acht Jahre, nachdem Bush II. «Mission accomplished» gemeldet hatte, konnte Obama den Tod des Staatsfeinds Nummer 1 melden. Und wers nicht glaubt: Exakt 66 Jahre, nachdem Hitlers Tod bekannt wurde.