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PAKISTAN: Bevölkerungswachstum in Pakistan: «Bedrohung für die Zukunft»

Schon jetzt ist das Land, gemessen an der Einwohnerzahl, das fünftgrösste der Welt. Experten warnen vor dem rasanten Bevölkerungswachstum – vor allem wegen der Ernährungssicherheit.
Ulrike Putz, Singapur
Mitglieder einer pakistanischen Nomadenfamilie in Rawalpindi. (Bild: B. K. Bangash/AP (25. August 2015))

Mitglieder einer pakistanischen Nomadenfamilie in Rawalpindi. (Bild: B. K. Bangash/AP (25. August 2015))

Ulrike Putz, Singapur

Familie Khan ist sicherlich nicht die typische pakistanische Familie: 36 Kinder hat Vater Gulzar bereits, seine dritte Ehefrau ist mit Nummer 37 schwanger. Doch auch wenn die immense Fruchtbarkeit der Khans aussergewöhnlich ist, die Ansichten von Vater Gulzar zum Thema Nachwuchs sind es nicht: «Gott hat das Universum und alle Menschen geschaffen, warum also sollte ich den natürlichen Vorgang der Vermehrung stoppen?», fragt der 57-Jährige, der mit seinen drei Frauen in der Provinzstadt Bannu im Nordwesten Pakistans zu Hause ist.

Eine Mischung aus Unbekümmertheit und Gottvertrauen: So begegnen Pakistans Einwohner einer Krise, die die Gesundheitsministerin jüngst als die «grösste Bedrohung für die Zukunft des Landes» nannte. Die Bevölkerungsexplosion sei eine grössere Gefahr als der Terrorismus, warnte Saira Afzal Tarar.

In 19 Jahren um 75 Millionen Einwohner gewachsen

Wie gross das Bevölkerungswachstum des südasiatischen Landes tatsächlich ist, zeigen die Ergebnisse einer Volkszählung, die seit ihrer Veröffentlichung Ende August zwischen Karatchi und Islamabad hitzig diskutiert werden. Danach ist die Zahl der Menschen, die im Indus-Tal leben, in nur 19 Jahren um 75 Millionen auf 207,8 Millionen angeschwollen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 2,4 Prozent. Pakistan ist nun weltweit das Land mit der fünftgrössten Einwohnerzahl.

Die Resultate alarmierten Experten aus dem In- und Ausland. «Das ist eine viel höhere Wachstumsrate, als wir erwartet hatten», sagte Shakeel Ahmed Ramay vom Institut für Nachhaltige Entwicklung in Islamabad. Die Zahlen seien besorgniserregend, vor allem weil nicht klar sei, wie Pakistan seine Bevölkerung künftig ernähren werde, sagte Joanna Reid, die Direktorin des Pakistan-Büros der britischen Entwicklungshilfegesellschaft (DFID). Schon bald könnte es schwer werden, die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser zu garantieren. «Das ist eine Bombe mit Zeitzünder», sagte Reid dem pakistanischen Sender Geo TV.

Der Grund für den pakistanischen Kindersegen: Nur etwa jede dritte Frau im Land verfügt über Zugang zu Verhütungsmitteln. Wie Vater Khan lehnen viele Pakistaner Familienplanung als «unislamisch» ab. Es sei höchste Zeit und Sache der Regierung, die Menschen davon zu überzeugen, dass Familienplanung sinnvoll, einfach und mit dem Islam zu vereinbaren sei, sagt Reid. Dass Pakistan viel zu wenig Infrastruktur für seine anschwellenden Massen hat, war schon seit Jahren zu beobachten. Schulen, Krankenhäuser, Busse, Strassen: In Pakistan ist alles überfüllt. Unter der Überlastung des Gesundheitssystems leiden in erster Linie die vielen Kinder. Eines von elf Kindern in Pakistan stirbt noch vor seinem elften Geburtstag, 44 Prozent leiden an Unterernährung.

Der bekannte pakistanische Kolumnist Zahid Hussain warnte in der Tageszeitung «Dawn» vor grossen Gefahren, die auf sein Heimatland zukämen: 60 Prozent der Pakistaner seien jünger als 30 Jahre, jedes Jahr drängten weit mehr Jugendliche auf den Arbeitsmarkt, als Jobs geschaffen würden. Ein Drittel der Einwohner Pakistans lebe unterhalb der Armutsgrenze, etwa 42 Prozent seien Analphabeten. Angesichts dessen sei ein Desaster abzusehen: «Aus einer ungebildeten und arbeitslosen Bevölkerung rekrutieren Militante aller Couleur ihre Freiwilligen.»

Abwanderung vom Land in die Städte

Dass der jetzige Zensus der erste seit 1998 war, hat politische Gründe: Die in den ländlichen Gegenden herrschenden alten Familien wollten verschleiern, wie gross die Abwanderung in die Städte ist. Sie fürchteten den Verlust von Einfluss und staatlichen Geldern.

Es bedurfte eines Urteils des Verfassungsgerichts, um den Widerstand der alten Eliten gegen neue Zahlen zu brechen. Auch die angespannte Sicherheitslage verhinderte eine frühere Zählung. Die 118 000 Beamten, die im Frühjahr dieses Jahres auszogen, in 70 Tagen alle Haushalte Pakistans durchzuzählen, wurden von zigtausenden Polizisten und Soldaten eskortiert.

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