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PALMSONNTAG: Terror zum Auftakt der Karwoche

Ein Doppelanschlag gegen Ägyptens Kopten kostet mindestens 43 Menschen das Leben. Papst Franziskus, der Ende April einen Besuch in Kairo plant, warnt vor Pauschalurteilen.
Martin Gehlen, Kairo
Der Schuh eines der Opfer auf dem Platz vor der St.-Markus-Kathe­drale in Alexandria. (Bild: EPA (9. April 2017))

Der Schuh eines der Opfer auf dem Platz vor der St.-Markus-Kathe­drale in Alexandria. (Bild: EPA (9. April 2017))

Martin Gehlen, Kairo

Horror und Entsetzen in Ägypten. Mit einem verheerenden Doppelanschlag in Tanta und Alexandria haben gestern offenbar zwei Selbstmordattentäter mindestens 43 Menschen mit in den Tod gerissen und mehr als hundert verletzt. Die Terrortat in der voll besetzten Mar-Girgis-Kirche in Tanta, einer Stadt im Nildelta, ereignete sich während des Gottesdienstes am Palmsonntag, mit dem im christlichen Kalender die Karwoche beginnt.

Ein Video unmittelbar vor der Explosion zeigt einen Männerchor beim Gesang, als plötzlich ein lauter Knall zu hören ist und die Bilder abbrechen. Auf Fotos nach dem Anschlag sind eilends mit Papier abgedeckte Leichen zu sehen, blutbespritzte Kalkwände und zerfetzte Kirchenbänke. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wurde die Bombe in den vorderen Reihen und damit nahe am Altar gezündet. Mindestens 27 Menschen wurden getötet.

Kurze Zeit später explodierte eine weitere Bombe nahe der St.-Markus-Kathedrale in Alexandria, allerdings ausserhalb des Gotteshauses. Dieser Anschlag, der mindestens 16 Menschen das Leben kostete, darunter mehrere Polizisten, galt offenbar dem koptischen Papst Tawadros II. Das Oberhaupt der Kopten blieb unverletzt, wie die Kurie in Kairo am Nachmittag bestätigte. Papst Tawadros II. hatte die Bischofskirche vorzeitig verlassen.

Die beiden Attentate sind der bisher schwerste Terrorangriff auf die koptische Minderheit, die etwa 10 Prozent der rund 92 Millionen Einwohner ausmacht. Am Nachmittag bekannte sich der Islamische Staat über seine Amaq-Website zu den Anschlägen. Erst im vergangenen Dezember hatte sich ein Selbstmordattentäter an einem Sonntagmorgen in der St.-Peter-und- Paul-Kirche im Zentrum von Kairo in die Luft gesprengt und 29 Gläubige, vor allem Frauen und Kinder, getötet. Auch damals bezichtigte sich die IS-Terror­miliz als Urheberin. Im Februar verübten deren Gotteskrieger dann auf dem Nordsinai eine spektakuläre Mordserie an Christen. Als Folge flohen praktisch alle dort lebenden 2500 Kopten in Panik in das Niltal, wo sie seitdem in provisorischen Unterkünften hausen.

Weltweit lösten die Terror­anschläge Abscheu und Empörung aus. Staaten der arabischen Welt wie Jordanien, Katar und Bahrain verurteilten die Selbstmordanschläge. Libanons Premierminister Saad Hariri, dessen Land mit den Maroniten ebenfalls eine bedeutende Minderheit von Christen hat, nannte die Tat einen «Angriff auf die Werte aller Religionen». Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Assisi rief den Verteidigungsrat des Landes zusammen. Die sunnitische Lehranstalt al-Azhar sprach von einem «widerlichen Verbrechen gegen alle Ägypter, was sämtliche Prinzipien von Menschlichkeit und Zivilisation verhöhnt». Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel forderte, das Kalkül der Täter, einen Keil in das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu treiben, dürfe nicht aufgehen.

Auch Papst Franziskus, der am 28. und 29. April zu einem zweitägigen Besuch in Kairo erwartet wird, übermittelte dem koptischen Oberhaupt Tawadros II. und der gesamten ägyptischen Nation sein Beileid. Möge Gott die Herzen derjenigen bekehren, «die Terror, Gewalt und Tod verbreiten» und «die Waffen produzieren und damit Geschäfte machen», sagte er beim Mittagsgebet nach dem Palmgottesdienst im Petersdom. Weil in diesem Jahr das katholische und das orthodoxe Osterfest auf den gleichen Termin fallen, feierten am Sonntag auch die westlichen Kirchen die Palmliturgie.

Für den Papst ist der Dialog ein wichtiges Anliegen

Papst Franziskus ist neben dem katholisch-orthodoxen auch der christlich-islamische Dialog ein besonderes Anliegen. Mit seiner Kairo-Reise erwidert er die Visite des obersten sunnitischen Glaubenshüters, Grossimam Ahmed al-Tayyeb, im Mai 2016 im Vatikan. Beide Kirchenführer wollen mit ihrem Treffen ein Zeichen setzen gegen Gewalt im Namen von Religion. Dabei warnt Franziskus immer wieder vor pauschalen Urteilen über den Islam. Die Gewalt werde von Extremistengruppen verübt und dürfe keinesfalls der gesamten Religion zugerechnet werden, sagte er.

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