Pandemie
Omikron? Na und? Madrid lässt es knallen, die Schweiz wartet zu – nur China setzt auf eine noch nie gesehene Massnahme

Mehrere europäische Länder verschärfen die Massnahmen hinsichtlich der Neujahrsfeiern. So weit wie Peking geht aber niemand.

Samuel Schumacher und Ralph Schulze
Drucken
Und wieder fällt Silvester ins Wasser - wenn auch nicht ganz überall.

Und wieder fällt Silvester ins Wasser - wenn auch nicht ganz überall.

Keystone

Omikron setzt seinen weltweiten Siegeszug fort. Die Mutante ist in den USA, den Niederlanden und in Grossbritannien inzwischen die dominierende Virus-Variante. In der Schweiz hat sie entscheidend zum neuen Rekordwert von 17‘634 Neuansteckungen am Dienstag geführt. Mehr als die Hälfte der Ansteckungen sind laut dem Bundesamt für Gesundheit auf Omikron zurückzuführen. Dennoch schreibt Alain Berset auf Twitter, dass derzeit keine neuen Massnahmen geplant seien.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht in Omikron allerdings noch immer ein «sehr hohes Risiko», trotz der bisherigen Daten, die auf mildere Krankheitsverläufe bei Omikron-Infizierten hindeuten. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte vor einem «Tsunami von Fällen», der in diesem Winter auf die Welt zukommen könnte.

Der britische Premierminister Boris Johnson aber lässt sich von derlei warnenden Tönen nicht irritieren. Johnson sieht trotz rasant steigender Zahlen in Grossbritannien (mit 129‘471 neuen Fällen erreichte das Land am Dienstag einen neuen Rekord) keinen Grund, die Massnahmen zu verschärfen. Stattdessen fordert er seine Landsleute auf, sich rasch boostern zu lassen. Das sorge «für deutlich mildere Verläufe der Infektionen». Pubs, Discos und Theater bleiben in England weiter offen. Die Schotten, Iren und Waliser dürfen Silvester allerdings nur im kleinen Rahmen feiern.

Ganz anders sieht es in Spanien aus: Restaurants und Kneipen in der Hauptstadt Madrid sind brechend voll. Fussballspiele, Konzerte und Theatershows laufen ohne jegliche Corona-Beschränkungen. Das Nachtleben pulsiert bis in den frühen Morgen. Auch die berühmteste Silvesterfeier Spaniens auf Madrids zentralem Platz Puerta del Sol ist mit Tausenden von Feiernden fest geplant: Kein 2G, kein 3G, die Maskenpflicht existiert als einzige Einschränkung. Madrids konservative Landesfürstin Isabel Ayuso sieht weiter keinen Grund zur Beunruhigung. Sei betont:

Isabel Ayuso, Madrids konservative Landesfürstin.

Isabel Ayuso, Madrids konservative Landesfürstin.

Keystone
«Keine Schliessungen, keine Verbote. Die Restriktionen bringen nichts.»

Derweil hat die Regierung in Madrid die Isolationsdauer für Corona-Infizierte von zehn auf sieben Tage verkürzt, um einen Kollaps angesichts der rasant steigenden Zahlen zu verhindern. Trotz der hohen Ansteckungszahl bleibt die Lage in den Spitälern bislang stabil.

Auch Frankreich hat gestern einen Rekordwert an Neuansteckungen verzeichnet: 208'000 Menschen haben sich mit Corona infiziert. Ein Zahl, die Gesundheitsminister Olivier Véran laut eigenen Angaben «in Schwindel versetzt» habe. Ab Mitte Januar gilt in Frankreich für fast sämtliche Aktivitäten ausserhalb des eigenen Hauses eine 2G-Pflicht.

Athen zieht im Kampf gegen die neue Omikron-Welle ebenfalls die Schrauben weiter an. Die Ansteckungszahlen haben sich in Griechenland von Montag auf Dienstag verdoppelt. Ab heute Donnerstag müssen deshalb alle Gastrobetriebe und Bars um Mitternacht schliessen, ausser an Silvester. Musik darf in öffentlichen Lokalen grundsätzlich keine mehr gespielt werden.

Massnahmengegner und Impfskeptiker demonstrierten auch am vergangenen Wochenende wieder in Wien.

Massnahmengegner und Impfskeptiker demonstrierten auch am vergangenen Wochenende wieder in Wien.

Keystone

Österreich versucht mit einer neue Methode die Menschen zum impfen und boostern zu motivieren: ÖVP-Regierungschef Karl Nehammer lässt einen Vorschlag er oppositionellen SPÖ prüfen, die einen 500-Euro-Gutschein für alle fordert, die sich boostern lassen. In welcher Höhe und welcher Form ein solcher Gutschein ausgestellt werde, darüber mache man sich noch Gedanken, sagte Nehammer. Ab Februar gilt in Österreich eine generelle Impfpflicht.

Zu radikalen neuen Methoden im Kampf gegen Covid greift China. Mindestens vier mutmassliche Regelbrecher der strengen Corona-Massnahmen sind in der Stadt Jingxi im Süden des Landes öffentlich zur Schau gestellt worden.

Massnahmenbrecher werden in der chinesischen Stadt Jingxi durch die Strassen geführt.

Massnahmenbrecher werden in der chinesischen Stadt Jingxi durch die Strassen geführt.

Wie Staatsmedien am Mittwoch berichteten, wurden die Beschuldigten in weissen Schutzanzügen und umgehängten Plakaten mit Namen und Fotos darauf vor einer grossen Menschenmenge vorgeführt.